Thema: CDS-Geschäfte
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 3. März 2010, 20:00 Uhr
ENL5462
Leser Dr. H.D.F. schreibt zum Thema Beamtenstaat und CDS-Geschäfte:
S.g. Frau Kraus
die EU und insbesondere Deutschland glauben, sich ein gigantisches Beamtenheer
leisten zu müssen (von können kann längst nicht mehr die Rede sein). Bei HRE war die Leistung der BaFin, für welche diese aufgeblasene Behörde vom Steuerzahler alimentiert wird, nicht erkennbar. Bei Griechenland waren die hochbezahlten Eurostat Beamten wie dumme Schuljungen vorgeführt worden. Und nun sollen ausgerechnet am 5.März, dem Datum des großen Meetings des Beamtenfreundes Papandreou und der Beamtenfreundin Merkel eine Anhörung der Banken (!) zum Thema Kontrolle von CDS Geschäften stattfinden.
Wäre es nicht viel effektiver, wenn man die überteuerten Beamten, wegen gravierender Mängel in der Ausführung der Dienstverpflichtungen, ohne Pensionsanspruch feuert und statt dessen Goldman, JPM die Regulatoren-Kompetenz überträgt?
MfG
Herr Dr. F. Vielen Dank!
;-) Tja, ich schätze im direkten Vergleich ist der Rohstoff Trickreicher Banker allerdings noch immer deutlich teurer als der Rohstoff Durchschnittlicher Beamter. Wobei wohl allerdings eine Tendenz vom Beamtentum hin zum Angestelltentum, den durchschnittlichen Staat zumindest ein wenig entlasten könnte.
Doch lassen Sie uns lieber über die CDS-Geschäfte sprechen, die ja nun wieder am Pranger stehen. Credit Default Swaps sind derivative Geschäfte mit denen man sich gegen Kreditausfälle absichern kann. In den letzten Wochen sind die Risikoprämien für Griechenland verständlicherweise gestiegen und erreichten in der letzten Woche mit 400 Basispunkten (das bedeutet: gegenüber einer Forderung in Höhe von 1 Million Euro wird für die Absicherung eine Prämie in Höhe von 40.000 Euro pro Jahr fällig), fast wieder den Höchststand. Allerdings sind die Risikoprämien in dieser Woche (angesichts wachsender Rettungserwartungen, nachdem Papandreou stärker auf Sparkurs setzt) wieder deutlich gefallen und erreichten heute einen Wert von 313 Basispunkten.
Nun gut, CDS-Geschäfte sind keine Anleihen-Geschäfte, doch wenn die Risikoprämien sprunghaft steigen, dann deutet dies natürlich auf ein schwindendes Vertrauen hin. In diesem Fall ist es kein Wunder, dass auch Auswirkungen im Anleihenmarkt zu sehen sind. Wer will schon Anleihen von irgendwas kaufen, worin er kein Vertrauen hat! Und so verteuerten sich im Falle Griechenlands die Refinanzierungskonditionen deutlich. (In dem Sinne dürfen wir weiterhin gespannt bleiben, wie viele griechische Anleihen die KfW und die französische Caisse des Depots wohl aufkaufen müssen.)
Nun ja, der CDS-Markt gilt als äußerst intransparent, weil die Kontrakte unreguliert zwischen den Banken, Hedge-Fonds usw. untereinander herum gehandelt werden. Das riecht nach Problemen, denn so lange liegt die Bankenkrise ja nun auch nicht zurück.
Interessant finde ich nur, dass man von staatlicher Seite dem CDS-Markt bis anhin ja nicht allzuviel Bedeutung beigemessen hat (ok, bis zur Bankenkrise), denn bis vor ein paar Jahren sicherten sich Investoren kaum gegenüber dem Ausfallrisiko von Industrieländern ab. Abgesichert wurden hauptsächlich Staatsanleihen von Schwellenländern. Doch der CDS-Markt für die Absicherung gegen das Kreditausfallrisiko von westlichen Industriestaaten wächst mittlerweile beachtlich. Dabei liegen die CDS-Volumina für Spanien beispielsweise deutlich höher, als die für Griechenland. Das Volumen in Kreditausfallversicherungen für italienische Anleihen ist mit weit über 150 Milliarden US-Dollar sogar doppelt so hoch, wie das für spanische Anleihen. Und auch das CDS-Volumen für britische Anleihen liegt in etwa bei der Hälfte dessen für griechische Anleihen. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich geht davon aus, dass sich in diesem Jahr das Volumen in Kreditausfallversicherungen für US-amerikanische Staatsanleihen verdoppeln wird.
Alles in allem sagt uns dies, dass tatsächlich ein Staatsbankrott von Spanien oder vor allem Italien noch viel verheerendere Auswirkungen für das weltweite Finanzsystem hätte - denn hier steckt mehr Geld drin, als in Griechenland. Und auch das Vertrauen in Großbritannien und die USA ist (obschon deutlich höher als in andere Staaten) nicht mehr das, was es einmal war.
Wie dem auch sei - vielleicht ist das alles ja mit ein Grund dafür, dass sich die Politik nun etwas mehr für die CDS-Geschäfte interessiert und die Forderungen nach einer strengeren Regulierung lauter werden?! ;-) Bleibt nur zu hoffen, dass der Durchschnittspolitiker überhaupt versteht, was CDS-Geschäfte sind!
Leser J.R. kommentiert:
Wenn GR aus der EU ausscheidet, würden deutsche Banken und Versicherungen zweistellige Milliardenbeträge abschreiben müssen, mehr noch bei Italien und Spanien. Wer soll dafür einspringen, wieder der Steuerzahler? Ich bin dafür, hier nicht weiter einzugreifen, lassen wir das marode System an seinen Widersprüchen zusammenbrechen, fangen wir bei Null an. Das Euro-US-Dollar-Finanzsystem bricht ja wie jede Papierwährung irgendwann an überbordenden Schulden sowieso zusammen, ob nun jetzt oder später.
Es ist Zeit für einen Neuanfang, mit einer Staatsbank, die niedrige Zinsen direkt an Bürger und Unternehmen weiter reicht und einer Politik, die sich mit verfassungsrechtlicher Macht das Primat über die Finanzmonopole sichert und Spekulationen dadurch verhindert, dass keine extremen Divergenzen zwischen "normalen" Einkommen, die für den Konsum zur Verfügung stehen, und exorbitanten Einkommen, die nur für Billionenspekulationen zur Verfügung stehen, mehr auftreten können. Wenn wir so wieder bei Null beginnen, kann die Schere zwischen arm und reich geschlossen werden und langfristig eine stabile Währung und Wirtschaft erreicht werden. Dies wurde noch nie versucht, deshalb ist bisher jede Papierwährung gescheitert. Wer hat eigentlich ernsthaft die Illusion, dass es den Euro in einigen Jahrzehnten noch gibt? Dies sollen nur die für dumm Verkauften glauben, damit sie weiter in private Renten- und Lebensversicherungen einzahlen.
Wer in die Geschichte zurück blickt und etwas nachdenkt, spart zur Sicherheit doch sowieso nur in Sachwerten wie Aktien, Edelmetallen, Rohstoffen, Grund und Boden usw. - oder?
Herr R. Vielen Dank!
Ihrer konsequenten Schlussfolgerung im letzten Satz, habe ich wahrlich nichts hinzuzufügen!
So long liebe Leser....das wars wieder für heute....Lustig im Übrigen:...endlich kriegen auch mal die amerikanischen, äh internationalen Rating-Agenturen, äh zumindest verbal einen auf den Deckel. Sie wissen ja, dass die EZB nur Papiere mit einem bestimmten Rating als Sicherheit für Repo-Geschäfte akzeptiert! Wenn Griechenland von den Rating-Heinis weiter abgewatscht wird, dann können die Hellenen (also die Banken) ihre Staatsanleihen nicht mehr bei der EZB als Sicherheit für einen Kredit hinterlegen. Jetzt denkt die EZB darüber nach, sich von den Rating-Heinis abzulösen und ein eigenes Länder-Rating einzuführen, berichtet zumindest das Handelsblatt und auch Österreichs Zentralbankschef Nowotny sprach sich dafür aus. Ob's wirklich dazu kommt, steht allerdings in den Sternen - von EZB-Seite gab's jedenfalls keinen Kommentar....so, nun ist aber wirklich Schluss für heute...ich wünsche Ihnen einen schönen Abend und bis morgen....liebe Grüße
Ihre Miriam Kraus
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