"The Good, The Bad, The Ugly"
Frank Giustra in Investors Daily
vom 28. Mai 2003 18:00 Uhr
ENL5454
Vielleicht kennen Sie den Film "The Good, The Bad, The Ugly". Ich habe diesen Film für diesen Artikel etwas abgewandelt. Mein Protagonist ("The Good", also "der Gute") ist das Gold, das am Ende triumphiert, während das Schicksal des Antagonisten, des US-Dollars ("The Bad", also "der Schlechte"), von Anfang an besiegelt ist. Und was wäre ein Film ohne eine Ablenkung, in diesem Fall ist das die amerikanische Regierung ("The Ugly", d.h. "der/die Hässliche"): Ein oft missverstandener Charakter, dessen unvorhersehbare Handlungen unweigerlich Auswirkungen auf das Schicksal der zentralen Charaktäre haben.
Doch leider scheinen die Leute heute die Moral dieser Geschichte – dass der Dollar ein unglückliches Schicksal hat – vergessen zu haben. Es gibt viele Kräfte, die beim aktuellen Gold-Bullenmarkt mitwirken. Deshalb denke ich, dass man weniger auf die tägliche Entwicklung des Goldpreises starren sollte – da dies von der wirklichen Natur der Kräfte hinter diesem Trend ablenkt.
Die Kommentatoren – sowohl die Bullen als auch die Bären – versuchen, die Kursentwicklung jedes Tages mit bestimmten Gründen zu erklären. Die jüngste Entwicklung des Goldpreises sprachen sie meist der Angst vor dem Irakkrieg bzw. dem Wegfall dieser Angst zu. Meiner Reaktion auf all diesen täglichen Lärm – ich ignoriere ihn. Wir befinden uns beim Gold in einem Bullenmarkt, der durch makroöknomische Faktoren geführt wird, die wenig mit der Entwicklung im Irak zu tun haben. Dieser Trend wird einige Jahre lang weitergehen, und wenn auch auf Tagesbasis alles möglich ist, so zeigt doch der Trend deutlich nach oben.
Bitte erinnern Sie sich daran, dass ein Bullenmarkt in seiner Anfangsphase regelrecht explodiert, aber dass es niemals nur aufwärts geht. Hinzu kommt, dass der Goldpreis besonders volatil ist, da das Gold im Vergleich zu anderen Vermögensanlagen nicht so leicht liquidierbar ist. Ein Beispiel: Nehmen Sie den Goldmarkt der 1970er, der meiner Ansicht nach viele Parallelen zur derzeitigen Marktsituation hat. Es brauchte 10 Jahre mit dramatischen Auf- und Abwärtsbewegungen, bevor schließlich 1980 der Höhepunkt –800 Dollar pro Feinunze – erreicht war.
Ich möchte etwas ausholen: Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Leute, die uns Religionen wie das Judentum, den Islam oder das Christentum gebracht haben, dabei die besten Absichten hatten. Der Erfolg dieser Religionen machte einige Leute aber so mächtig, dass die Versuchung des Missbrauchs zu groß war, um sie ignorieren zu können. Genauso glaube ich, dass die Leute, die das System der Papierwährungen erfunden haben, auch die besten Absichten dabei hatten. Aber genauso wie beim Thema Religion hat auch der grandiose Erfolg der Papierwährungen den Mißbrauch hervorgerufen.
Aus zahlreichen Gründen hat der US-Dollar so einen dominanten Status als die erste Reservewährung der Welt erreicht, dass die Missbrauchsmöglichkeit dieser Situation als Möglichkeit der USA fast kaum bemerkt wird.
Es ist offensichtlich, dass der Dollar derzeit Boden verliert ... aber warum? Es gibt viele Gründe, aber generell gesprochen sind der Missbrauch der US-Politiker und der US-Bürger daran schuld. Sie erlaubten es, dass das System, das den Dollar stützt, so korrupt wurde, dass die ausländischen Dollar-Besitzer begannen, ihre Dollarbestände in anderen Währungen und in Gold zu tauschen.
Hinzu kommt, dass die US-Zinsen auf 40-Jahres-Tiefs stehen, was für Aktien, Bonds und Immobilien eigentlich positiv ist. Aber die sich verschlechternden realen Zinssätze machen US-Anleihen für ausländische Käufer weniger attraktiv. Wenn man noch die aggressive US-Außenpolitik hinzunimmt (die dazu beitragen wird, dass das US-Haushaltsdefizit in diesem Jahr fast 500 Mrd. Dollar erreichen könnte), und dann noch die Drohung der Fed, die soviel Geld drucken will, wie es notwendig ist, um eine Deflation abzuwenden, und das US-Leistungsbilanzdefizit von 5 % des Bruttoinlandsproduktes berücksichtigt – dann braucht man nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass die ausländischen Dollarbesitzer bald nach Alternativen suchen werden.
Lassen Sie mich auf den US-Aktienmarkt zu sprechen kommen – warum sind dort die Bewertungen so hoch? Die fortlaufende Fed-Politik des "leichten Geldes" gießt Öl ins Feuer – da bin ich mir sicher. Und die Analysten der Wall Street wollen weiterhin ihre Glaubwürdigkeit untermauern, indem sie ihre Wachstumsprognosen für Aktienmarkt und Wirtschaft aufrecht erhalten. Aber ich denke auch, dass das mehr mit einem Wechsel der Wahrnehmung und Haltung der Investoren zu tun hat. Jahrelang haben die Medien diese Wahrnehmung gefördert. Meiner Meinung nach ist CNBC in den USA ein besonders deutliches Beispiel dafür. Man sollte eigentlich denken, dass es schwierig sein sollte, ein positives Fazit zu ziehen, wenn die wirtschaftlichen News seit langem negativ sind. Aber CNBC schafft das. Man könnte das eine selektive Wahrnehmung nennen.
Unabhängig von diesem Hype werden die Aktienkurse unweigerlich auf den Boden der Tatsachen zurückkommen müssen. Die Auswirkungen davon werden für den Dollar sehr negativ sein, denn ca. 1,5 Billionen Dollar der Marktkapitalisierung sind in ausländischen Händen. Stellen Sie sich vor, was das bedeutet, wenn die US-Aktien, die ein Europäer im Depot hat, um 30 % gefallen sind – und dann noch der Währungsverlust hinzukommt, der zu einem Minus von vielleicht 40 % führt. Irgendwann wird dieser europäische Anleger seine Verluste begrenzen wollen.
Es ist natürlich immer schwer, kurzfristige Preisentwicklungen voraussagen zu wollen. Aber angesichts der Tatsache, dass derzeit soviel Liquidität ins System gepumpt worden ist, ist es möglich, dass der Dollar bei Verlusten am Aktienmarkt zurückfallen wird.
Zum Einfluss der Politik: Es gibt keinen Zweifel daran, dass die USA derzeit die dominierende Macht der Welt sind – wirtschaftlich wie militärisch. Obwohl die Welt schon viele Mächte kommen und gehen hat sehen – darunter die Spanier, die Franzosen und die Briten – ist der amerikanische Einfluss in Weltangelegenheiten, seien sie wirtschaftlicher, militärischer, technologischer oder kultureller Natur, ein Phänomen, das die Welt seit dem Römischen Reich nicht mehr gesehen hat.
Leider wiederholen die USA derzeit die wirtschaftlichen Fehler, die die früheren Weltmächte gemacht hatten. Wenn man die Amerikaner auf diese historischen Parallelen aufmerksam macht, dann werden die Amerikaner die Gefahren wahrscheinlich von sich weisen, da sie davon überzeugt sind, dass ihre derzeitige Überlegenheit verdient und permanent ist. Sie glauben, dass ihr System so fortschrittlich und fein ist, dass ihre Politiker die Dinge immer unter Kontrolle haben werden.
Aber es wird zunehmend offensichtlich, zumindest teilweise, dass die US-Wirtschaftspolitik nicht so gut funktioniert. Wenn ein System mit Schulden und Überkapazitäten überladen ist, und es bereits ein großes Ungleichgewicht zwischen Konsum und Produktion gibt, dann wird keine monetäre oder fiskalische Stimulation (die darauf hinauslaufen, die Nachfrage zu stimulieren) funktionieren. Im Gegenteil – solche Stimulationen machen die Situation nur noch schlimmer, da sie die Spekulation am Aktienmarkt weiter anheizen und die öffentlichen und privaten Schulden vergrößern.
Die steigenden US-Haushaltsdefizite sind das Ergebnis eines Systems, das den Konsum nicht opfern will, während die Regierung dieses Systems militärische Abenteuer in der Welt beginnt, um das Bild der Welt nach ihren eigenen Vorstellungen zu ändern. Es gibt historische Beispiele dafür, dass eine schuldenüberladene Nation in den Krieg zieht und gleichzeitig Steuersenkungen vorschlägt.
Die US-Haushaltsdefizite können nur durch Schuldenmachen bei den eigenen Bürgern (eine indirekte Art der Besteuerung) finanziert werden – oder durch die Ausländer. Bereits jetzt halten Ausländer über 40 % der US-Staatsschulden im Volumen von insgesamt 6,4 Billionen Dollar. Nimmt man die kommenden Defizite hinzu – alleine in diesem Jahr könnten es 500 Mrd. Dollar werden – dann kommt man auf einen beeindruckenden Betrag.
Wenn man sich vorstellt, dass der Anteil der Ausländer am Besitz des Schuldenberges der USA gleich bleibt, dann wird es zunehmend schwieriger, im Ausland neue Kapitalgeber zu finden. Natürlich können die USA als Alternative einfach mehr Dollar drucken und mit diesen ihr Haushaltsdefizit finanzieren. Genau das ist es, womit die Fed bereits gedroht hat – um eine drohende Deflation abzuwenden.
Es wäre auch praktisch, wenn die US-Regierung ihre Schulden in der Zukunft mit Dollar zurückzahlen könnte, die deutlich weniger wert sind als die heutigen Dollar. Auch das wäre nichts Neues. Jedes globale Imperium hat dieses Spiel schon gespielt. Verblüffend ist nur, dass das bis jetzt relativ wenige ausländische Investoren durchschaut haben ... wenn man sich den derzeitigen Wert des Dollar ansieht.
Gott helfe Amerika, wenn die Ausländer das Spiel durchschauen.