Teures Heizöl ...
Martin Weiss in Investors Daily
vom 27. September 2004 18:00 Uhr
ENL5454
In der Woche nach dem großen Verfalltag an den Terminbörsen gaben die deutschen Aktien deutlich nach. Schließlich konnte der Dax am Freitag die Marke von 3900-Punkten noch verteidigen.
Gewiss, noch haben die Bullen nicht aufgegeben. Noch wird mit aller Kraft versucht, die Aktienmärkte zu stabilisieren. Noch hört und liest man Kursziele von 4500 Punkten, oder gar 5000 im Dax. Anders formuliert, die Stimmung ist immer noch relativ optimistisch mit über 50 Prozent Bullen. Fakt ist aber, dass der Dax es im Verlauf der letzten Handelstage nicht vermochte, die 4000 Punkte Marke signifikant zu knacken. Tatsache ist auch, dass der deutsche Leitindex auf Wochenbasis wieder unter die 200-Tage-Linie gefallen ist.
Gewiss mag auch die Entwicklung beim Öl sicherlich etwas zur Schwäche bei den Aktien beigetragen haben. Zum Wochenschluss hin notierten die Öl-Futures in New York wieder bei knapp 49 $, fast auf dem Rekordhoch, welches am 20.8. diesen Jahres bei 49,4 US-Dollar erzielt wurde. Nächste Woche könnte es also spannend werden, ob der Ölpreis die 50 $-Marke erreichen kann. Die Chancen stehen insofern – auch aufgrund der niedriger als erwartet ausgefallenen Lagerbestände in den USA – nicht schlecht. Dieser enorme Preisanstieg bleibt sicherlich nicht ohne Folgen, vor allem für die Verbraucher. Mittlerweile kostet in Deutschland bei einer 3000-Liter-Öllieferung der Liter Heizöl 0,48 Euro. Oder insgesamt fast 400 Euro mehr als im Vorjahr!!
Insofern kann fast von einer kleinen Heizölkrise gesprochen werden, wenn auch langfristig inflationsbereinigt betrachtet Heizöl noch immer relativ "günstig" ist. Es sollte aber nicht außer acht gelassen werden, dass viele Verbraucher ihre Öltanks noch leer bzw. nicht aufgefüllt haben. Schätzungen zufolge fehlen über drei Millionen Tonnen im Vergleich zum Vorjahr. Für viele Konsumenten droht also bei der Heizöl- bzw. Nebenkostenabrechnung eine böse Überraschung!
Spannend dürfte in der nächsten Woche werden, wie – evtl. auch durch die Rohölpreise getrübt – das von der GfK ermittelte Konsumklima in Deutschland ausfällt. In den USA erhöhte die Fed die Leitzinsen um 25 Basispunkte auf 1,75 Prozent, wobei die konjunkturelle Einschätzung recht optimistisch ausfiel. Vor allem wurde auch hinsichtlich Inflationsdruck bzw. -Erwartung Optimismus verbreitet. Dies scheint angesichts der rasant anziehenden Energiepreise etwas überoptimistisch zu sein, vorsichtig formuliert. Wie auch immer, die US-Wirtschaft hat wohl den Zenit der Erholung überschritten. Es dürfte sehr spannend werden, ob nicht schon in 2005 – in der Nachwahlzeit – ein Rückfall in die Rezession droht!
Der Goldpreis entwickelte sich vor allem in US Dollar recht erfreulich in den letzten Tagen. Bisweilen stieg er gar bis in die Region von 412 $ an, um am Freitag wieder deutlich darunter aus dem New-Yorker-Handel zu gehen. In der europäischen Gemeinschaftswährung Euro bewertet notierte das gelbe Edelmetall in den letzten Tagen konstant über der 330 Euro-Marke je Feinunze. Ebenfalls interessant dürfte die weitere Entwicklung im Zusammenhang mit der Aufnahme bzw. Mitgliedschaft Griechenlands in der europäischen Währungsunion werden, zumal angesichts wohl tatsächlich massiv höherer Staatsdefizite bzw. -schulden als ausgewiesen dies sicherlich mittel- und langfristig eher weniger vertrauensbildend ist.
Die Frage, ob Gold langfristig stabiler sein wird als der Euro, erübrigt sich also – fast ...