Teure Fehleinschätzung Nr. 1: "Wundertüten", die man nicht selber überwachen muß
Markus Schoor in Investoren Wissen
vom 08. März 2007 16:00 Uhr
ENL5454
Lieber Leser,
Teure Fehleinschätzung Nr. 1:
Es gibt Kapitalanlagen, die man nicht selber überwachen muß.
Dies ist falsch. Ich ernte zwar immer Erstaunen damit und oft sogar mürrische Blicke, aber alle Einwände gehen fehl.
Der Mensch hat den Hang, an Autoritäten zu glauben und am liebsten natürlich dann, wenn ihn ein Problem überfordert. So ist es nicht verwunderlich, dass viele Anleger ihr Geld immer wieder zu einer Bank tragen, über einen Marmortresen reichen, und dann früher oder später von den schrecklichen Erlebnissen hören, die dem Geld zugestoßen sind, und warum es sich so deutlich verminderte.
Die Bank hat sich auf Ihren Besuch gut vorbereitet: Was auch immer Sie hier angeboten bekommen: Man bietet Ihnen auf ausdrücklichen Wunsch Sicherheit an, um sie dann mit dem Sparbuchzins abzuspeisen. Oder aber man verkauft Ihnen Chancen und Visionen, sorgt aber achtsam dafür, dass die Risiken von Ihnen allein getragen werden.
Sie müssen verstehen, was Geld für eine ENERGIE ist, um zu verstehen, dass dies für Sie niemals gut funktionieren kann. Nehmen wir an, Sie geben einem Kreditinstitut Ihr GELD. Dann ist es vergleichbar mit der Situation, in der Sie sich vorsichtig einen Finger abschneiden und diesen einem Freund leihen, der gerade für ein Fingerhakeln-Wettbewerb einen Ersatzfinger braucht.
Wird dieser Freund auf Ihren Finger so gut achten, wie auf seinen eigenen? Wenn der Finger des Freundes schmerzt, wird er ihn aus dem Spiel nehmen –richtig. Aber wenn Ihr Finger schmerzt, merkt er es gar nicht. Aber wenn Sie den Finger zurückbekommen, dann wird es zu spät sein, sich darüber aufzuregen, dass er gebrochen ist. Geld ist eine persönliche Körperenergie – und Sie sollten sie immer im Auge behalten. Egal was ein anderer mit dieser Energie macht – die Schmerzen haben Sie allein!
Warum nicht alles auf dem Spaßbuch lassen?
Tagesgeldkonten sind wunderbar. Das ist eine Energie, wie der Muskel der unsere Augenlieder kontrolliert. Jederzeit verfügbar und sicher. .....
Glauben Sie, es gibt demnächst wieder Inflation? Ich meine natürlich: Wird der Staat die Steuern erhöhen? Wird der Strom billiger oder teurer? Wird es keine Mieterhöhungen mehr geben? Werden Autos bald wieder 5000 Euro kosten?
Wie hoch schätzen Sie die Inflation ein? 4%, 5%, 3%?
Das richtige Wort für Inflation ist Kaufkraftverlust. Mit derselben Summe Geldes können Sie immer weniger kaufen. Die letzte Inflation schlug mit der Währungsumstellung auf uns ein.
Nehmen wir ein schönes Beispiel: Man hat Ihnen 1000 Euro Rente versprochen in 10 Jahren, oder vielleicht bekommen Sie diese Rente sogar bereits.
Was wird man damit in 10 Jahren kaufen können?
wenn es 3% Inflation gibt: Waren im Wert von 737,40 Euro
wenn es 4% Inflation gibt: Waren im Wert von 664,80 Euro
wenn es 5% Inflation gibt: Waren im Wert von 598,7 Euro
Und jetzt frage ich Sie: Warum nennen die Börsianer die Dinger „Spaßbuch“? Glauben Sie der Spaß wird reichen, um Ihnen die Inflation auszugleichen?
Was ist zu tun?
Sie müssen ein Teil Ihres Vermögens und einen Teil Ihres regelmäßigen Sparplans in eine Anlage zu investieren, an das Sie nach Möglichkeit 3-7 Jahre nicht heranmüssen.
Indem Sie einem Teil Ihres Geldes eine längere Zeitspanne einräumen, können Sie Renditen erreichen, die die Inflation i.d.R. mehr als ausgleichen.
Aber – jede dieser Anlagen muß überwacht wären, so als hätten Sie Ihre Füße an einen Marathonläufer verliehen. Den würden Sie doch auch im Auge behalten?!
Denken Sie nicht, dass ich nicht in meiner Entwicklung zu einem guten Investor die Phase durchgemacht hätte, in der ich geglaubt habe, man müsse nur:
- den richtigen Fonds/Produkt finden
- die richtige Bank/Emittenten auswählen
und dann könne man für 15 Jahre das Thema Geld vergessen.
Hier alle Gründe dafür es trotzdem zu tun, an die ich schon einmal geglaubt habe (alles Versager, alles Lerngewinn statt Geldgewinn)
- „Dieser Fonds wird ganz aus Aktien herausgehen, wenn es sein muß“ (er tat es nicht, als es sein musste, ich bemerkte es zu spät und konnte es einfach nicht glauben)
- „Die Fondsgesellschaft war Marktführer, hatte eine 1a Leistungsbilanz, alles erstklassige Immobilien „das ist der Mercedes im Markt“, hieß es. (alle „Mercedesse“ sind heute notleidend)
- „Dies war und ist ein einmaliges, zukunftsorientiertes Vermögenskonzept“ (stimmt auch, es braucht nur noch 10 Jahre, um das zu beweisen – solange kann ich nicht ans Geld, was schließlich rauskommt ist ungewiß)
- „Wir sind eine renommierte Vermögensverwaltung, wir investieren für Sie in die richtigen Fonds, wir haben die besten Partner weltweit, alles erfahrene Gesellschaften“ (erwies sich als Konglomerat vereinigter Umschichter und Gebührenstaubsauger- starker Vermögensschwund)
- „Unsere Gesellschaft verfügt über eine Haftungssumme in Millardenhöhe“ (Teile des Vorstandes eröffneten eine Firma auf den Cayman Inseln, die Gesellschaft zahlte die Garantiemieten nicht mehr)
- „Das Fondskonzept hat das höchste Rating – was je vergeben wurde.“ (der Fonds hat jetzt ein rekordverdächtiges Unglückspotential – und die RatingAgentur hat neu gegründet)
Was war nun falsch an diesen „Wundertüten“?
Das werden wir in der nächsten Woche hier genau untersuchen! Vielleicht kann es Ihnen helfen, einige Fehler zu vermeiden.
Viel Erfolg!
Ihr Doc
(Dr. Markus Schoor)
PS. Sie ahnen sicher, dass ich für eine Ausbildung plädieren werde. In die Basis-Ausgabe meines Ausbildungsletters kann jetzt jeder reinlesen - www.lazyinvestor.de .