Technische Marktlage stabil?
Klaus Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 2. Februar 2012, 17:00 Uhr
ENL5454
die Eurokrise dominiert (wie seit Monaten bereits) auch im Moment noch vielerorts die massenmediale Berichterstattung. Wird der Euro zerbrechen? Wird er es nicht? Sollten vielleicht noch zu den Schulden auf die kommenden Urenkel noch Schulden auf die Ur-Urenkel gemacht werden, damit sich manch ein europäischer Politiker noch im süßen Bade der eigenen Realitätsverweigerung suhlen kann?
Die Märkte jedenfalls scheinen derartige Fragen auf den ersten Blick kalt zu lassen. Sehen wir uns, wie letzte Woche auch, den Russell 2000 Index als weltweit wichtigsten Leitindex des Nebenwerte-Universums auf Tagesbasis an:
Quelle: Stockcharts
Ich habe mir erlaubt, im obigen Chart ein paar mir wichtig scheinende Dinge hervorzuheben.
Da wäre zunächst einmal die Keilformation, die durch den Russell 2000 nach oben verlassen wurde, vorausgesetzt der Index schließt heute auch auf einem entsprechenden Level. Damit stünde der Index über allen wichtigen Linien (gleitender 20er-Exponentialschnitt, 50-Tage-Linie, 200-Tage-Linie), wobei die 200-Tage-Linie noch fallend ist.
Auf den ersten Blick sieht dies nach einer sehr starken Bewegung aus, was durchaus auch zutrifft. Etwas zur Vorsicht mahnen jedoch einige Indikatoren. Beim MACD ist es im oberen Chart noch nicht so deutlich zu sehen; hier haben wir lediglich eine Abflachung der Linien.
Ein weitaus deutlicheres Warnzeichen sendet jedoch der RSI aus. Dieser hat die überkaufte 70er-Zone erreicht, was nahelegt, dass das Risiko eines vorübergehenden, technisch bedingten Rückschlags durchaus erhöht und entsprechend gegeben ist.
S&P 500 zeigt sich angeschlagener als Russell 2000
Interessanterweise zeigt sich der S&P 500 Index angeschlagener als der Russell 2000 Index.
Zwar haben wir hier auch eine Art Keilformation im Chart, jedoch gelang es hier dem Kurs bisher noch nicht, den Index nach oben zu verlassen. Viel mehr ist sogar bereits ein kleiner Rücksetzer im Kurs zu erkennen, der auch noch von einer bärischen Divergenz im MACD sowie einem überkauften RSI-Stand von ungefähr 70 begleitet wird.
Quelle: Stockcharts
All diese Anzeichen lege nahe, dass der Index sehr kurzfristig korrigieren und damit möglicherweise auch als ein Gewicht für die Kurse weiterer Marktsegmente fungieren könnte. Dies ist zwar keinesfalls ein Muss, jedoch durchaus denkbar.
Aus Sicht der relativen Stärke hingegen zeigt sich das Marktbild recht bullisch:
Quelle: Stockcharts
Im obigen Chart sehen Sie eine Messung des Russell 2000 gegen den S&P 500.
Der Aufwärtstrend sowie der Ausbruch nach oben sind klar zu erkennen.
Auch hier fällt jedoch auf, dass wir eine relativ überkaufte Situation haben, was nahelegt, dass die Outperformance der Nebenwerte, welche wir die letzten zwei Wochen sahen, zu einer vorübergehenden Pause kommen dürfte. Dies wäre insbesondere dann der Fall, wenn die Märkte auf breiter Front etwas fallen, denn in diesem Fall wäre aufgrund der erhöhten Volatilität der Nebenwerte durchaus mit einem weiteren Kursrückgang im Nebenwertebereich als im S&P 500 zu rechnen. Auch dieses obige Szenario ist somit mit einer gewissen Vorsicht zu betrachten.
Keine wirklichen Anzeichen mit Marktschwäche gibt momentan der VIX-Index von sich, welcher ja auch gerne als Angstbarometer der Anleger in den USA bezeichnet wird.
Quelle: Stockcharts
Die Volatilität ist hier weiter am Fallen und der Kurs weiterhin in seinem Abwärtskanal. Auch auf Indikatorbasis gibt es wenig Grund zur Sorge.
Ich bleibe somit insgesamt gegenüber den Märkten aus technischer Sicht betrachtet positiv gestimmt, weise jedoch (wie auch bereits meine Kollegin Daniela Knauer in ihrer gestrigen Ausgabe) darauf hin, dass wir im Moment technisch durchaus anfällig sind für Rückschläge. Engere Stop Loss Marken auf kritischen Werten sind somit aus meiner Sicht zur Zeit durchaus empfehlenswert.
Wann genau ein derartiger Rückschlag eintritt, kann natürlich nicht vorausgesehen werden, jedoch könnte in nervöseren, überkauften Märkten durchaus eine schlechte Nachricht hierfür reichen.Bis dahin bleibt das technische Bild aus meiner Sicht jedoch erst einmal noch weitgehend bullisch.
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