Technische Marktlage: Russell 2000
Klaus Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 11. November 2010, 17:00 Uhr
ENL5454
Quelle: stockcharts.com
Wie der Gesamtmarkt auch zog der Russell 2000 die vergangene Woche gut nach oben.
Der Index brach nun endgültig aus seiner Seitwärtsspanne aus und legte ordentlich zu. Insgesamt erfolgte dies jedoch auf einem relativ überkauften Level (wenn man etwa einmal den RSI betrachtet) und somit gab der Index auch bereits wieder ein paar Punkte ab und kam etwas zurück.
Auf Indikatorseite wurde im Vergleich zu letzter Woche die bärische Divergenz im RSI aufgelöst. Lediglich die leichte bärische Divergenz im MACD (siehe Linie im obigen Chart) hält sich weiterhin.
Bullen und Bären
Viele Marktkommentatoren waren die letzten Wochen sehr skeptisch und wechseln erst langsam ins Lager der Bullen. Ich hatte Ihnen jedoch schon vor Wochen geschrieben, dass ich hinsichtlich der Aktienmärkte recht positiv gestimmt bin und von weiteren Kurssteigerungen ausginge.
Die Frage, die sich jetzt natürlich stellt ist, wie lange die Aufwärtsbewegung noch anhalten wird.
Auch ich habe bekanntlich keine Kristallkugel und kann Ihnen (so gerne ich natürlich würde) daher nicht die Zukunft vorhersagen.
Viel mehr empfiehlt es sich aus meiner Sicht, sich auf bewährte Marktwerkzeuge zu verlassen.
Eines hiervon ist, wie die meisten von Ihnen sicherlich wissten dürften, der New York Stock Exchange Bullisch Prozent Index.
Da der NYSE BP Index vielen Anlegern hierzulande immer noch ein wenig ungewohnt erscheint, nochmals zur Erinnerung:
Der NYSE BPI wird berechnet, indem alle an der New Yorker Börse gelisteten Aktien betrachtet werden und ausgewertet wird, welche dieser Aktien sich auf einem Point & Figure Kaufsignal befinden. Diese Anzahl wird durch die Gesamtzahl der an der NYSE gelisteten Aktien dividiert. Um einen anschaulicheren Indexwert zu erhalten, multipliziert man anschließend das Ergebnis nochmals mit 100.
Wenn nun eine größere Anzahl an Aktien von einem Point & Figure Kaufsignal in ein Point & Figure Verkaufsignal wechseln, so lässt sich daraus folgern, dass in einem gewissen Umfang Kapital aus dem Markt gezogen wird.
Damit bleibt natürlich noch die Frage, ab wann ein derartiger Mittelabzug relevant ist, denn man möchte ja als Anleger sich nicht bei jedem kleineren Mittelabzug die Frage stellen, wie ernst dies nun zu nehmen ist (oder auch nicht). Historisch bewährt hat sich hier die Schwelle von 3 Boxen. Wenn also der Index über 3 Boxen fällt, findet ein Wechsel in eine O-Spalte statt.
Eine besondere Bedeutung kommt hierbei einem Wechsel in eine O-Spalte zu, wenn dieser aus einer X-Spalte von über 70 auf unter 70 erfolgt bzw. wenn der Index von oben kommend das 70er-Level unterschreitet, denn spätestens ab hier kann sich der Gesamtmarkt (gemessen an den Leitindizes) dem Abwärtssog in der Regel kaum noch entziehen.
Werfen wir nun also einen Blick auf den Index:
Quelle: stockcharts.com
Wie Sie sehen können, hält sich der NYSE BP Index nach wie vor stark.
Er notiert zwar im überkauften Territorium über 70 Punkten (oft auch "rote Zone" genannt), jedoch zeigt er praktisch keine signifikanten Schwächezeichen. Der Zustand des Index verbleibt auf "Bull Confirmed".
Was sagt der "kleine Bruder" des NYSE BPI?
In Ergänzung zum NYSE BP Index ist es oft auch sehr hilfreich, einen Blick auf den "kleinen Bruder" des NYSE BP Index zu werfen.
Hierbei handelt es sich um den sog. "Prozent der 10 Index" oder aber auch schlicht um den Index aller Aktien, die über ihrem 50-Tage-Gleitschnitt notieren.
Um diesen in vernünftigen Bezug zum NYSE BPI zu setzen, sei der entsprechende Index für unseren Fall auch nur über die Aktien an der NYSE definiert.
Um jetzt hier nicht nochmals größer auszuholen (wer mehr zu dem Index wissen möchte, dem sei der obige Link empfohlen. Dort finden Sie einen erklärenden Text): Sie können sich den Index als eine kurzfristigere und empfindlichere Version der NYSE BPI vorstellen.
Dementsprechend hat der Index natürlich mehr Ausschläge, reagiert jedoch auch schneller als sein "großer Bruder".
Quelle: stockcharts.com
Ähnlich wie beim NYSE BP Index gelten auch hier die 30er- und die 70er-Schwelle als wichtige Marken.
Wie Sie auf dem obigen Chart klar erkennen können, notiert auch der "kleine Bruder" des NYSE BPIs im überkauften Bereich.
Der Index hatte Ende Oktober bzw. Anfang November bereits erste Schwächezeichen (O-Säule) gezeigt, sich inzwischen jedoch wieder in eine X-Säule gefangen.
Im Gegensatz zum NYSE-BPI-Chart notiert der Index hier jedoch am Ende seiner aktuellen X-Säule und ist von einer Umkehr in eine O-Säule nicht mehr weit entfernt. So lange diese in der 80er-Zeile bliebe, wäre dies noch kein absolut bärisches Zeichen, da man dies dann noch als Seitwärtsbewegung des Index interpretieren könnte. Ab der 78-Spalte entstünde jedoch ein P&F-Verkaufsignal, was auf jeden Fall ein erstes kurzfristigeres Warnzeichen für die Gesamtmärkte wäre.


