Technische Marktbetrachtung zum Jahresbeginn
Klaus Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 6. Januar 2011, 17:00 Uhr
ENL5454
auch im neuen Jahr möchte ich dem Grundsatz treu bleiben, donnerstags einen Blick auf die technische Lage der Märkte zu werfen, denn die üblichen Fragen bleiben ja stets aktuell:
- Wie steht es um den Markt?
- Gibt es Anzeichen für eine bald anstehende Korrektur?
- Wie ist das Risiko aus technischer Sicht?
- und viele mehr
Beginnen wir also, wie fast schon üblich, auch heute mit einem Blick auf den Russell 2000 im Tageschart:
Quelle: stockcharts.com
Wie Sie sehen können, läuft der Index zur Zeit etwas seitwärts und konnte seinen letzten Ausbruch nach oben bisher nicht fortsetzen.
Im Indikatorbereich zeigt sich inzwischen ebenfalls ein leicht angegriffenes Bild. Die Slow Stochastik hat ein Verkaufsignal generiert und ist unter der 80er-Linie und auch RSI und MACD zeigen sich angeschlagen. Es ist kurzfristig also aus dieser Perspektive sehr gut möglich, dass wir eher noch ein paar schwächere als stärkere Tage sehen.
Ein aus technischer Sicht weitaus deutlicheres Bild bietet der 60-Minuten-Chart:
Quelle: stockcharts.com
Hier hat sich ein relativ deutlicher steigender Keil herausgebildet, der seit Dezember auch von einer bärischen Divergenz im MACD begleitet wird.
Werden die Bullen nun von der Weide vertrieben?
Dies alleine muss noch nicht bedeuten, dass wir es hier mit einem stürzenden Markt zu tun bekommen werden, jedoch ist eine derartige Momentumabnahme dennoch etwas, was Sie als Anleger nicht einfach ignorieren sollten.
Natürlich gibt es aber auch weiterhin Punkte, die sich bullisch zeigen.
Einer hiervon ist z.B. der New York Stock Exchange Bullisch Prozent Index.
Zur Erinnerung: Der NYSE BPI wird berechnet, indem alle an der New Yorker Börse gelisteten Aktien betrachtet werden und ausgewertet wird, welche dieser Aktien sich auf einem Point & Figure Kaufsignal befinden. Diese Anzahl wird durch die Gesamtzahl der an der NYSE gelisteten Aktien dividiert. Um einen anschaulicheren Indexwert zu erhalten, multipliziert man anschließend das Ergebnis nochmals mit 100.
Wenn nun eine größere Anzahl an Aktien von einem Point & Figure Kaufsignal in ein Point & Figure Verkaufsignal wechseln, so lässt sich daraus folgern, dass in einem gewissen Umfang Kapital aus dem Markt gezogen wird.
Damit bleibt natürlich noch die Frage, ab wann ein derartiger Mittelabzug relevant ist, denn man möchte ja als Anleger sich nicht bei jedem kleineren Mittelabzug die Frage stellen, wie ernst dies nun zu nehmen ist (oder auch nicht). Historisch bewährt hat sich hier die Schwelle von 3 Boxen. Wenn also der Index über 3 Boxen fällt, findet ein Wechsel in eine O-Spalte statt.
Eine besondere Bedeutung kommt hierbei einem Wechsel in eine O-Spalte zu, wenn dieser aus einer X-Spalte von über 70 auf unter 70 erfolgt bzw. wenn der Index von oben kommend das 70er-Level unterschreitet, denn spätestens ab hier kann sich der Gesamtmarkt (gemessen an den Leitindizes) dem Abwärtssog in der Regel kaum noch entziehen.
Aktuell zeigt sich der Index wie folgt:
Quelle: stockcharts.com
Wie Sie im obigen Chart sehen können, zeigt der NYSE BP Index noch keinerlei Schwäche. Zwar ist er, wie schon vor Wochen, auch heute noch überkauft und sogar noch weiter gestiegen, doch ein breites Abfließen von Mitteln aus dem Markt kann aktuell nicht verzeichnet werden.
Selbst der "kleine Bruder" des NYSE BP Index, der sogenannte "Prozent der 10"-Index, welcher deutlich empfindlicher als der NYSE BPI ist, zeigt noch keine Abwärtsdynamik:
Quelle: stockcharts.com
Gemessen an den bisherigen historischen Levels könnte der Index durchaus noch weiter steigen. Auch kann ich hier noch keine signifikante Schwäche oder gar einen Umbruch in eine O-Säule erkennen.
Insgesamt haben wir es also mit bullischen und mit bärischen Anzeichen zu tun, aber es erscheint mir zu früh, eindeutig sagen zu können, wer gewinnen wird. Mittel- und längerfristig bleibe ich erst einmal optimistisch. Eine kurzfristigere Korrektur im ersten Quartal 2011, um den technisch überkauften Zustand der Märkte abzubauen, möchte ich jedoch nicht ausschließen. Gesund für die weitere Aufwärtsbewegung wäre dies aus charttechnischer Sicht sicherlich.
Und welcher Anleger freut sich nicht über günstige Einstiegskurse und Kaufgelegenheiten?



