Chartanalyse
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Money-ManagementEs gibt keinen Indikator, der immer ohne Fehlsignale funktioniert, und es gibt keine Chart-Formation, die Ihnen immer satte Gewinne einfahren wird. Trotzdem verbeißen sich viele Trader immer wieder in die Suche nach dem Allerweltsrezept für ewige Gewinne mithilfe einer simplen Börsenformel. Die Amerikaner nennen dieses Phänomen »Die Suche nach dem heiligen Gral« (the search for the holy grail). Frei übersetzt ist der heilige Gral eine Eier legende Wollmilchsau.
Sie werden überrascht sein zu erfahren, dass es eine Eier legende Wollmilchsau an der Börse gibt. Allerdings tritt diese nicht in Form einer Chart-Formation oder des perfekten Indikators auf, sondern als eiserne Disziplin und Money-Management.
Mit eiserner Disziplin ist das Setzen und Einhalten von Stopp-Loss-Kursen gemeint. Bevor Sie einen Trade eröffnen, bestimmen Sie immer vorher, ab welchem Preis der Trade schief gelaufen ist, und verkaufen Sie sofort! Warten Sie nicht, dass die Kurse wieder nach oben laufen, und verschieben Sie auf keinen Fall Ihren Stopp-Loss!
Und was ist Money-Management? Der richtige Einsatz von Money-Management ist eine Grundbedingung für langfristigen Erfolg an den Kapitalmärkten. Ein guter Handelsplan (Handelssystem) mit schlechtem Money-Management ist einem schlechten Handelsplan mit gutem Money-Management meist haushoch unterlegen!
Unter Money-Management versteht man die Sicherung von bestehendem und angesammeltem Kapital. Sie können mit den Techniken des Money-Managements sowohl ihr hinterlegtes als auch ihr bereits gewonnenes Geld sichern und vor unnötigen Verlusten schützen.
Das Money-Management befasst sich mit folgenden Themen: • Wie viel Geld sollte pro Trade maximal riskiert werden?
- Welcher (prozentuale) Anteil des verfügbaren Kapitals darf investiert werden?
- Wie hoch darf eine eventuelle Hebelwirkung über Termingeschäfte ausfallen?
- Wie werden Positionen auf- und wieder abgebaut?
Die Regeln des Money-Managements unterstützten den disziplinierten Trader in seinem Unterfangen, Verluste zu begrenzen und Gewinne laufen zu lassen. Dies geschieht, indem die Aufmerksamkeit des Traders nicht auf das mögliche Gewinnpotenzial, sondern auf das Verlustpotenzial gerichtet wird.
Was würden Sie als Trader vorziehen? Viele kleine Gewinne und einen großen Verlust oder viele kleine Gewinne und viele kleine Verluste? Die richtige Antwort: lieber viele kleine Verluste anstatt einmal kräftig abzugeben. Dies lässt sich auf ein einfaches mathematisches Grundprinzip zurückführen. Um einen prozentuellen Verlust wettzumachen, sprich ihn wieder auszugleichen, müssen Sie prozentuell mehr Gewinn als Verluste machen. Betrachten Sie zu dieser These die folgende Tabelle: Sie sehen: Wenn Sie einen Verlust von zehn Prozent verbuchen, so brauchen Sie nur elf Prozent Gewinn, um diesen wieder auszugleichen. Bei 20 Prozent Verlust müssen Sie bereits fünf Prozent mehr verdienen, als Sie verloren haben, um ihr angesammeltes Kapital zurückzuerhalten. Ab einem Verlust von 30 Prozent wird es kritisch: Sie benötigen nun schon 43 Prozent Gewinn, um wieder auszugleichen. Spätestens ab einem 40-Prozent-Verlust beginnt es, unmöglich zu werden, das verlorene Geld wieder zurückzubekommen.
Das Erschreckende ist, dass in dieser Tabelle weder Gebühren noch Slippage berücksichtigt sind. Das bedeutet, dass diese Tabelle im realen Börsenhandel einen noch größeren Differenzbetrag zwischen Verlust und benötigtem Gewinn aufweist.
Zusätzlich tut sich für Trader ohne Money-Management eine weitere Fallgrube auf. Wer einmal 30 oder 40 Prozent seines Kapitals verloren hat, ist gewillt, mehr Risiko auf sich zu nehmen, um dieses Geld schnell wieder »zurückzugewinnen«. Japaner sagen zu diesem Verhalten »Harakiri«. Durch diese erhöhte Risikobereitschaft gerät er in einen Teufelskreis. Da weitere Verluste eingefahren werden, erhöht der Trader das Risiko erneut. Dieses Verhaltensmuster endet im Regelfall in der letzten Zeile der Tabelle in Abbildung 7.1, also im Totalverlust.
Nicht nur der Drawdown stellt für viele einen unüberwindbaren Abgrund dar. Viele Amateure tendieren dazu, an der Börse das schnelle Geld machen zu wollen. Sie rechnen ihr Kapital mit einem bestimmten Prozentsatz (Jahresperformance) hoch und erwarten in wenigen Jahren finanzielle Unabhängigkeit und Wohlstand ohne Ende.
Das einzig Wichtige für einen Amateur-Trader ist die jährliche Performance. 30, 50, 100 Prozent oder noch mehr müssten doch locker möglich sein! Nun, sind sie auch. Allerdings unter gewissen Risiken. Betrachten wir nun die Performance eines sehr aggressiven Traders mit hohen Gewinnen, aber auch mit hohen Verlusten, im Vergleich mit einem konstanten Händler. Beide erhalten ein Startkapital von 50 000 Euro, das sie über einen Zeitraum von zehn Jahren konstant verwalten. Wir sehen, dass Trader A tolle Jahre hatte. Wertzuwächse von 65 oder gar 157 Prozent stoßen am Stammtisch sicherlich auf offene Ohren. Trader B mit einer »langweiligen« Performance von 17 Prozent pro Jahr wird hingegen respektiert, aber nicht vergöttert. Was sind schon 17 Prozent im Vergleich zu 157 Prozent? Und zusätzlich konnte Trader A eine durchschnittliche jährliche Performance von 18,7 Prozent bieten. Das sind immerhin 1,7 Prozent mehr pro Jahr als Trader B.
Wie hätte die Performance von Trader A allerdings ohne diese 157 Prozent ausgesehen? Was, wenn Trader A in Jahr 7 statt 157 Prozent »nur« 17 Prozent wie Trader B erwirtschaften konnte? Trader A hätte nach zehn Jahren einen absoluten Verlust von beinahe 10 000 Euro und würde ohne Berücksichtigung der Inflation mit einem 40 000-Euro-Konto dastehen. Dies würde eine absolute Differenz von 200 000 Euro der beiden Konten nach zehn Jahren ergeben. Das entspricht 300 Prozent Unterschied vom Anfangskapital! Wenn Sie sich mit dem Thema Money-Management näher beschäftigen wollen, seien Ihnen folgende Bücher empfohlen.
Weiterführende Literatur zu Money Management
- »Clever Traden mit System«, Van K. Tharp, FinanzBuch Verlag (2001), ISBN: 3-932114-43-4
- »The Mathematics of Money Management: Risk Analysis Techniques for Traders«, Ralph Vince, Wiley-Publishing (1992), ISBN: 0471547387
- »Quantitive Trading and Money Management: Revised Edition«, Fred Gehm, McGraw-Hill (1995), ISBN: 1557385858
- »Money Management Strategies for Futures Traders«, Nauzer J. Balsara, Wiley-Publishing (1992), ISBN: 0471522155
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