Tom Firley ist einer der anerkanntesten Börsenexperten und Charttechniker Deutschlands. Tausende Privatanleger profitieren täglich von seinem Investors Daily.
Chartanalyse
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Indikatoren und OszillatorenDieses Kapitel beschäftigt sich mit technischen Indikatoren und deren praktischem Einsatz im alltäglichen Börsenhandel. Technische Indikatoren werden anhand mathematischer Formeln berechnet, und das Ergebnis wird grafisch im Chart abgebildet. In die Berechnungsformeln der Indikatoren fließt die Kurs- und/oder Umsatzentwicklung eines beliebigen Finanzinstrumentariums ein.
Gleitende Durchschnitte
Die Gleitenden Durchschnitte sind die mit Abstand am weitesten verbreiteten Indikatoren unter den Anlegern. Im englischen Sprachschatz sind sie unter »Moving Averages« (MA) bekannt, zu Deutsch werden die Gleitenden Durchschnitte mit GD abgekürzt. Ein Gleitender Durchschnitt ist der preisliche Durchschnitt der Kurse über eine frei wählbare Zeitperiode.
Die Hauptaufgabe eines GDs liegt in der Glättung der Kursentwicklung. Durch den Einsatz eines GDs erkennt der Technische Analyst ohne großen Aufwand
- die allgemeine Trendrichtung anhand der Neigung eines langfristigen GDs (aufwärts, abwärts oder seitwärts)
- Unterstützungs- und Widerstandszonen, und er erklärt
- explizite Handelssignale (durch Kreuzungen der Kurse und GDs).
Es gibt verschiedene Berechnungsarten, um die Werte für einen Gleitenden Durchschnitt zu ermitteln. Die Grundvariante der GDs ist der einfache Gleitende Durchschnitt (Simple Moving Average, SMA). Bei einem SMA handelt es sich um das einfache arithmetische Mittel mehrerer Kurse einer Zeitreihe. Das bedeutet, dass die Schlusskurse über den Beobachtungszeitraum addiert und durch deren Anzahl dividiert werden.
Ein Exponentiell Geglätteter Durchschnitt (EMA) misst der jüngsten Kursentwicklung eine stärkere Bedeutung bei. Der Kurs mit dem größten Einfluss auf die Berechnung des Exponentiell Geglätteten Durchschnitts ist zugleich der aktuellste. Den geringsten Einfluss hat der älteste Kurs der Datenreihe. Die Gewichtung erfolgt exponentiell auf der Zeitachse.
Ein gewichteter gleitender Durchschnitt (Weighted Moving Average, WMA) kann das Gewicht stärker auf die jüngere Kursentwicklung verlagern. Die Gewichtung erfolgt nicht exponentiell, sondern linear.
Abbildung 6.1 zeigt die drei verschiedenen Berechnungsvarianten der GDs in einem Chart auf. Die ausgefüllte Linie stellt einen SMA, die gestrichelte Linie einen EMA und die gepunktete Linie einen WMA dar. Es ist klar zu erkennen, dass die Differenz der Berechnungsmethoden sich nur in starken Trendphasen, nicht aber in volatilen Seitwärtsphasen bemerkbar macht. In der Finanzbranche wird bei Tages-Charts gerne der 200-Tage-Durchschnitt beachtet, um langfristige Kursbewegungen zu glätten. Für mittelfristige Trends verwendet der Bankanalyst am liebsten den 50-Tage-Durchschnitt und im kurzfristigen Bereich den 20-Tage-Durchschnitt. Es ist gut diese Werte zu kennen, um zu wissen, woran sich die breite Masse der Anleger und so mancher Bankanalyst orientiert.

Abbildung 6.1 GDs im Xetra-DAX-Stunden-Chart
Handelssignale werden generiert, wenn die Kurse die Gleitenden Durchschnitte kreuzen. Diese Technik generiert meistens eine Vielzahl von Fehlsignalen und ist kaum profitabel. Deshalb werden heute die Kreuzungen der GDs untereinander als Handelssignale interpretiert. Schneidet ein kurzfristiger GD den langfristigen GD von unten nach oben, so handelt es sich um ein Kaufsignal. Schneidet ein kurzfristiger GD den langfristigen GD von oben nach unten, so handelt es sich um ein Verkaufssignal (siehe Abbildung 6.2).

Abbildung 6.2 Dow Jones mit 50er-(Punkt) und 200er-SMA
Im kurzfristigen Handel werden hierfür Einstellungen aus der Fibonacci-Technik verwendet. So können auf einem 15-Minuten-Chart ein 5er-, ein 13er- und ein 21er-GD ein gutes Zusammenspiel liefern. Die »magische« Zahlenkombination aus Berechnungszeiträumen gibt es nicht. Je nach Marktlage und Volatilität eignet sich jede Einstellung mehr oder minder gut oder schlecht.
So gut die Handelssignale in einem Trendmarkt der GD-Überkreuzungen funktionieren (siehe Abbildung 6.2), so schlecht sind sie in einem Seitwärtsmarkt. Hätten Sie in der Abbildung 6.3 jedes Handelssignal der GDs gehandelt, hätten Sie im Jahr 2004 einen satten Verlust eingefahren. Sehen Sie in Seitwärtsmärkten von einem Einsatz der GDs ab. Diesen erkennen Sie am besten daran, wenn die langfristigen GDs beinahe waagrecht verlaufen. Hüten Sie sich hier vor der Fußangel, GDs isoliert zu betrachten. Sehen Sie diesen Indikator als Komplementär-Technik für andere technische Analysemethoden an.

Abbildung 6.3 Versagen der GDs im Seitwärtsmarkt
MACD (Moving Average Convergence / Divergence)
Der MACD wurde von G. Appel im Jahre 1979 entwickelt und veröffentlicht. Dieser technische Indikator stellt eine Mischung aus drei exponentiell gewichteten Gleitenden Durchschnitten dar, die in zwei Linien ausgedrückt wird – der MACD- und der Signallinie.
Die MACD-Linie repräsentiert die absolute Differenz zwischen einem EMA 12 und einem EMA 26. Die Signallinie ist ein EMA 9. Exponentielle Durchschnitte werden verwendet, um die jüngere Kursbewegung stärker in die Signalgenerierung einfließen zu lassen.
Ein Kaufsignal entsteht, wenn die Signallinie die MACD-Linie von unten nach oben schneidet. Ein Verkaufssignal entsteht, sobald die Signallinie die MACD-Linie von oben nach unten schneidet. Zusätzlich sollte der Trend des Indikators mit dem Kurstrend übereinstimmen, da es sich sonst um eine divergierende Entwicklung handelt
Da die verwendeten Durchschnitte kurzfristiger Natur sind, ist auch die Gültigkeit der Signale kurzfristiger Natur. Wenn Sie mit diesem Indikator längerfristige Signale generieren wollen, empfiehlt es sich, nicht die Standardeinstellung zu verstellen, sondern die betrachtete Zeitebene zu vergrößern. Betrachten Sie für längerfristige Einschätzungen den Wochenoder Monats-Chart.
Um Fehlsignale des Indikators zu minimieren, sollte dieser in Seitwärtsphasen nicht eingesetzt werden. Ähnlich dem Gleitenden Durchschnitt in Abbildung 6.1 werden Signale zu spät generiert und können schnell angehäuftes Kapital vernichten. In Trendmärkten liefert der MACD-Indikator in Kombination mit der Formationsanalyse hervorragende Ergebnisse (siehe Abbildung 6.4). Warten Sie bei Signalen des Indikators eine Bestätigung der Kurse ab.

Abbildung 6.4 Xetra-DAX-30-Minuten-Chart mit MACD-Indikator
CCI (Commodity Channel Index)
Der Commodity Channel Index wurde von Donald Lambert im Jahre 1980 entwickelt und der Öffentlichkeit präsentiert. Der CCI versucht zyklische Entwicklungen aufzuzeigen, indem die Differenz der Kurse zu ihren Gleitenden Durchschnitten berechnet wird.
Der CCI oszilliert um eine Nulllinie. Allerdings sind Werte zwischen +100 und –100 als trendneutral einzustufen. Befindet sich der Indikator innerhalb dieser Punkte-Range, ist keine Handelsaktivität zu verrichten.
Ein Kaufsignal entsteht, sobald der Indikator die –100-Linie von unten nach oben kreuzt. Umgekehrt gilt: Ein Verkaufsignal entsteht, sobald der CC die +100-Linie von oben nach unten kreuzt. Zusätzlich hat der CCI ein Kontrollsystem für Fehlsignale eingebaut. Kreuzt der CCI die +100-Linie von unten nach oben, so kann die offene Position glattgestellt werden. Kreuzt der CCI die –100-Linie von oben nach unten, sollte die Position ebenfalls geschlossen werden.
Abbildung 6.5 zeigt einen Monats-Chart des Xetra-DAX und einen CCI. Sie erkennen, dass der CCI das Top der Internet-Blase im Jahr 1999 perfekt erwischt hat und leerverkaufte. Anfang 2001 wurde die Position zu früh glattgestellt und es folgte ein kleiner Verlust-Trade. Die Rallye des Jahres 2004 hat der CCI vom Tiefpunkt an mitgenommen und am Hoch verkauft!

Abbildung 6.5 Xetra-DAX-Monats-Chart mit CCI
Warten Sie beim CCI stets eine Bestätigung innerhalb der Kurse ab und agieren Sie in Richtung des übergeordneten Trends.
KAMA (Kaufmanns Adaptive Moving Average)
Der KAMA-Indikator stellt eine verbesserte Variante eines Gleitenden Durchschnitts dar. Der Indikator wurde 1998 von Perry J. Kaufmann entwickelt. Er versucht, gegen die Inflexibilität der GDs mithilfe seines »adaptiven Ansatzes« anzukämpfen. Der KAMA konzentriert sich mehr auf die Trendeffizienz als auf die zugrunde liegende Volatilität des Finanzinstruments.
Die Trendphase wird durch den Steigungswinkel der Linie angezeigt. Fällt die Linie, herrscht ein Abwärtstrend vor. Steigt die Linie, handelt es sich um einen Aufwärtstrend. Verläuft die Linie horizontal, liegt eine trendlose Phase vor.
Der KAMA liefert Signale, sobald die Kurse diesen durchstoßen. Zusätzlich ist der KAMA ein gutes Unterstützungs- und Widerstandsniveau in Trendphasen.
Abbildung 6.6 zeigt einen Tages-Chart des Xetra-DAX mit einem 21er-KAMA. Anhand der Kreise erkennen Sie, dass der KAMA gut die Unterstützungsbereiche im Aufwärtstrend aufzeigt. Im Rechteck rechts oben im Bild sehen Sie, dass der KAMA in einem Seitwärtstrend beinahe horizontal verläuft. Ignorieren Sie in diesem Fall jegliche Art von Trendfolge-Signalen (insbesondere Gleitende Durchschnitte) und setzen Sie antizyklische Methoden ein.

Abbildung 6.6 Xetra-DAX-Tages-Chart mit KAMA
RSI (Relative Stärke Index)
Der RSI wurde von Welles Wilder im Jahr 1978 der Öffentlichkeit als Momentum-Oszillator vorgestellt. Der RSI versucht, die Stärke der Kursbewegung eines Finanzinstruments aufzuzeigen. Der RSI berechnet das Verhältnis der Schlusskurse zueinander. Dieses Verhältnis kann zwischen 0 und 100 schwanken, wobei 0–30 (oversold) und 70–100 (overbought) eine Extremzone darstellen.
Werte von 70 und mehr zeigen, dass der Markt »überkauft« ist, Werte unter 30 zeigen irrationale (Panik-)Verkäufe auf. Sobald der RSI wieder in den Normalbereich zurückkehrt, stellt dies ein Handlungssignal dar. Innerhalb des RSI können Sie normale charttechnische Werkzeuge wie Trendlinien oder Kopf-Schulter-Formationen verwenden. Diese können frühzeitig Information über die künftige Entwicklung des Indikators geben.
Abbildung 6.7 zeigt Abbildung 6.6 um den RSI Indikator erweitert. Sie sehen, dass der RSI den Aufwärtstrend durchwegs bestätigt hat. Als der Aufwärtstrend des RSI gebrochen war und der RSI in den Bereich von <70 zurückkehrte, blinkten alle Warnlampen hellrot. Am 29 Januar 2004 hätte jegliche Long-Position im Markt glattgestellt werden müssen.

Abbildung 6.7 Xetra-DAX mit KAMA und RSI
Das Problem des RSI ist, dass er dem Trader viel Spielraum für Subjektivität und einen großen Interpretationsspielraum gibt. Die Signale des RSI sind isoliert beinahe nutzlos. Nur in Kombination mit anderen Analysetechniken können Sie das Potenzial des Oszillators voll ausnutzen.
Stochastik
Der Stochastik-Indikator zeigt die Relation des aktuellen Schlusskurses zur Kurshistorie an. Sein Entwickler G. C. Lane entdeckte, dass bei Kursrückgängen die Kurse nahe dem Tagestief und bei Kursanstiegen nahe dem Tageshoch schließen. Diese Beobachtung ist auf allen Zeitebenen gültig. Der Indikator selbst zeigt die Differenz zwischen dem aktuellen Schlusskurs und dem Tief der betrachteten Handelsspanne auf. Durch diesen Indikator kann der aktuelle Schlusskurs in Relation zu absoluten Hoch- bzw. Tiefpunkten im Chart gesetzt werden.
Der Stochastik-Indikator gibt gute Signale. Betrachten Sie den Tages-Chart des Xetra-DAX mit diesem Indikator (siehe Abbildung 6.8). Anhand dieser Signale konnte sowohl am Aufwärtstrend des Jahres 2003 als auch an der Seitwärtsphase des Jahres 2004 profitiert werden. In einem Trend tendiert der Stochastik-Indikator dazu, Ihnen zu helfen, Ihre Gewinne zu maximieren und die Position nicht frühzeitig zu schließen.

Abbildung 6.8 Stochastik im Tages-Chart des DAX
In volatilen und wellenförmigen Seitwärtsphasen erwischt der Stochastik-Indikator beinahe jedes Top/Bottom auf ein oder zwei Tage Differenz.
Achten Sie bei diesem Indikator darauf, dass Sie nicht gegen einen Trend handeln. Eröffnen Sie nur antizyklische Positionen, wenn Sie sich eindeutig in einem Seitwärtsmarkt befinden. Der KAMA Indikator kann Ihnen bei der Trendbestimmung behilflich sein.
DSS (Double-Smoothed-Stochastik)
Der DSS-Indikator glättet die Input-Daten der Stochastik zusätzlich durch einen exponentiellen Gleitenden Durchschnitt. Das bewirkt, dass diese Stochastik weniger »nervös« ist und klarere Handelssignale an den Trader weitergibt. Dies geht zu einem gewissen Grad auf Kosten des Timings. Allerdings werden Fehlsignale erheblich reduziert.
Werte von über 80 Prozent zeigen einen »überkauften« Zustand auf, Werte von unter 20 Prozent zeigen einen »überverkauften« Markt an. Signale werden ähnlich dem RSI generiert. Durch den entsprechenden Ein- oder Austritt aus den Extremzonen entstehen entsprechende Handelssignale.
Abbildung 6.9 zeigt einen Tages-Chart der Lufthansa AG. Sie sehen: Sobald der DSS mit moderner Chart-Technik kombiniert wird, können äußerst lukrative Signale entstehen.

Abbildung 6.9 Lufthansa-Tages-Chart mit DSS
DMI (Directional Movement Index)
Der DMI-Indikator wurde wie der RSI-Indikator von Welles Wilder entwickelt. Dieser Indikator soll zeigen, ob das betrachtete Finanzinstrument einen Trend besitzt und, wenn dem so ist, wie stark dieser ist.
Die Definition eines Aufwärtstrends definiert Welles Wilder als Folge neuer Höchstkurse. Der Abwärtstrend ist die Folge neuer Tiefstkurse. Die Linie +D zeigt die Differenz aller Höchstkurse, die Linie –D die Differenz der Tiefstkurse auf.
Ein hoher Wert des Indikators zeigt einen starken Trend an, während ein niedriger Wert auf einen schwachen Trend hindeutet. Der DMI sagt nichts über die Richtung selbst aus. Zusätzlich zeigt der Indikator an, wann die Stärke eines Trends nachlässt oder zunimmt. Dies lässt auf ein Ende oder den Neubeginn eines Trends schließen.
Betrachten wir Abbildung 6.10. Der Xetra-DAX befand sich von 12. September 2004 an in einem rasanten Aufwärtstrend. Dieser wurde durch einen ansteigenden DMI bestätigt. Der Indikator brach seinen Aufwärtstrend bei der ersten vertikalen Linie und deutete eine leichte Divergenz an. Kurz darauf war die Aufwärtstrendlinie durchbrochen.

Abbildung 6.10 Xetra-DAX-Stunden-Chart mit DMI-Indikator
Der DMI konnte den neu ausgebildeten Abwärtstrend brechen (zweite vertikale Linie). Die Kurse konnten den Aufwärtstrend aufnehmen und kletterten entlang des ehemaligen Up-Trends stetig bergauf.
Richten Sie Ihr Augenmerk auf die rechte Seite des Charts. Obwohl die Kurse neue Hochs markierten, bestätigte der DMI die Bewegung nicht. Der Indikator war rückläufig. Die Divergenz konnte verfrüht auf einen 100-Punkte-Verlust innerhalb von zwei Handelstagen hinweisen.
Der DMI zeigt somit an:
- ob ein Trend besteht
- wenn ein Trend besteht, wie stark dieser ist
- wann und ob die Intensität des Trends zu- oder abnimmt. Zusätzlich treten extrem niedrige DMI-Werte – eine trendlose Phase – meist vor besonders heftigen Kursausschlägen auf. Auch an der Börse gilt das Prinzip der »Ruhe vor dem Sturm«.
Läuft der DMI auf extreme Spitzenwerte zu, die kaum zuvor gesehen wurden, handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um die letzte Übertreibungsphase eines Trends. Achten Sie auf charttechnische Signale für einen Positionsaufbau in die Gegenrichtung. Doch verbrennen Sie sich nicht die Finger durch eine verfrühte Positionseröffnung.
BBD (Bollinger Bands)
Die Bollinger-Bänder wurden von John Bollinger entwickelt. Sie verwenden als Basis für ihre Berechnung einen einfachen Gleitenden Durchschnitt. Um diesen Durchschnitt werden eine Unterstützungs- und eine Widerstandslinie gelegt. Die Distanz dieser Linien zum Basis-GD hängt von der Volatilität des Marktes ab. Ist der Markt ruhig, sind die Bänder eng beieinander, fluktuieren die Kurse heftig auf und ab, laufen die Bänder weit auseinander. Abbildung 6.11 zeigt, wie diese Bollinger Bands im Chart aussehen.

Abbildung 6.11 Bollinger-Bänder auf dem 15-Minuten-Chart des Xetra-DAX
Die Bollinger-Bänder zeigen durch die Umhüllung der Kurse die möglichen Extremwerte innerhalb eines Swings auf. Die mittlere Linie ist der Gleitende Durchschnitt, die beiden Bänder sind durch ein frei wählbares Sigma (Standardabweichung) und die implizite Volatilität von diesem Durchschnitt versetzt.
In einem Seitwärtstrend tendieren die Kurse dazu, von einem Ende des Bandes zum anderen Ende zu laufen. Brechen die Kurse nach einer Periode eines engen Bandes in eine Richtung aus (siehe links in Abbildung 6.11), handelt es sich um einen Volatilitätsausbruch. Dieser deutet in der Regel auf einen neuen Aufwärtstrend hin, der so lange intakt bleibt, bis die Mittellinie durchbrochen wird.
Fallen die Kurse innerhalb eines Trends immer wieder leicht aus den Bändern (rechts in der Abbildung 6.11), deutet dies auf einen Fortbestand des derzeitigen Trends hin. Dieser ist so lange intakt, bis die Kurse die Mittellinie durchbrechen können.
Treten extreme Höchst- bzw. Tiefpunkte außerhalb der Bänder auf und laufen die Kurse in die Bänder hinein, so ist dies ein erstes Anzeichen einer baldigen Trendwende.
Abbildung 6.12 zeigt ein äußerst interessantes Phänomen der Bollinger-Bänder. Sie können die künftige Volatilität der Kurse mit Hilfsmitteln der Technischen Analyse prognostizieren und anhand dieser von Kursgewinnen profitieren. Die Abbildung zeigt einen konstanten und fortwährenden Aufwärtstrend anhand der Bollinger-Bänder. Nutzen Sie diese Technik und kombinieren Sie sie mit »klassischen« kursbezogenen Trendlinien.

Abbildung 6.12 Volatilitätstrend anhand des Xetra-DAX
Fazit
Dieses Kapitel über technische Indikatoren konnte Ihnen einen kurzen Einblick in die Welt der markttechnischen Analyse gewähren. Jede moderne Chart-Software wird heutzutage mit einigen Dutzend, wenn nicht Hunderten von Indikatoren und mathematischen Berechnungsformeln ausgestattet. Die Thematik der Finanzmarktanalyse hat einige Bände an Buchmaterial gefüllt. Wenn Sie sich weiter mit dieser Materie beschäftigen wollen, sind folgende Bücher empfehlenswert:
- »Bollinger Bänder«, John Bollinger, FinanzBuch Verlag (2002), ISBN: 3-89879-023-1
- »Neue Trading-Dimensionen«, Erich Florek, FinanzBuch Verlag (2000), ISBN: 3-932114-19-1
- »Enzyklopädie der technischen Indikatoren«, Rene Rose / Klaus A. Wobbe, FinanzBuch Verlag (2004), ISBN: 3-89879-104-1
- »Technische Analyse«, Jack D. Schwager, FinanzBuch Verlag (2003), ISBN: 3-89879-034-7
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