Sven Weisenhaus handelt seit mehr als 10 Jahren Aktien, Zertifikate und inzwischen hauptsächlich CFDs. Im Wave Daily dreht es sich meist um Elliot Wellen.
Chartanalyse
Sven Weisenhaus in Wave Daily zum Thema Chartanalyse
vom
Langfristig im Gleichlauf
Wie oben beschrieben kann es also sein, dass charttechnische Marken die Wirkung einzelner fundamentaler Daten unterbinden können. Zum Beispiel wenn die Kraft der Anleger, die aus fundamentalen Gründen handeln nicht ausreicht, um die charttechnisch orientierten Anleger zu übertreffen und eine relevante Chartmarke zu überspringen.
Und kurzfristig (oder auch mittelfristig) kann es auch zum Beispiel durch Euphorie/Gier oder Angst/Panik (oder wegen einem sich selbst verstärkenden Random-Walk) zu Übertreibungen kommen. Diese lassen sich mit Hilfe der Charttechnik identifizieren (siehe zum Beispiel Gold, das zunächst die Aufwärtstrends nach oben hin verlassen hat und dann wieder zurückgekommen ist).
Häufen sich jedoch Daten, die in die gleiche Richtung weisen (Wirtschaftsaufschwung oder -abschwung), dürfte sich der Aktienmarkt dem langfristig nicht entziehen können. Charttechnik und fundamentale Entwicklung gehen also langfristig Hand in Hand.
Politische Aspekte können Elliott-Wellen NICHT ausgehebelt
Und damit bin ich wieder bei der Analyse des Bund Futures. Im vorliegenden Fall wurden die Elliott-Wellen, entgegen den Aussagen des Lesers (siehe Beitrag gestern) gar nicht ausgehebelt. Das Szenario des Dreifach-Dreiers ist immer noch intakt.
Gerade weil man aber die Motive aller Anleger nie in Gänze erheben können wird und die Entwicklung der zukünftigen Wirtschaftslage heute noch nicht bekannt ist, kann auch noch eine andere Elliott-Wellen-Formation eintreten (z. B. der 5-gliedrige Aufwärtstrend). Die Elliott-Wellen-Theorie ist prädestiniert, um jede Entwicklung nachträglich rechtfertigen zu können, da die Theorie so viele mögliche Formationen kennt, von denen eine immer passt.
Die Kunst, zukünftige Entwicklungen zu identifizieren
Die Kunst ist es aber eben zukünftige Entwicklungen (auch mit Hilfe der Elliott-Wellen) zu identifizieren. Beim DAX hat dies in der Vergangenheit hier im Wave Daily sehr gut funktioniert. Und ich bin auch zuversichtlich, dass es mir auch noch beim Bund Future gelingt. Denn gerade weil ich, genau wie der Leser es in seinem letzten Satz beschreibt (Zitat:"Aber warten wir mal ab was passiert, wenn die Rating-Agenturen den gesamten Euroraum incl. Deutschland in der Bonität abwerten. Dann müßten in jedem Land incl. Deutschland die Zinsen steigen und somit der Bund-Future sinken."), eher von mittelfristig steigenden Zinsen ausgehe, aus welchen fundamentalen Gründen auch immer, sehe ich fallende Bund Future-Kurse noch kommen. Deutschland (und damit der Bund Future) wird sich der (Rating-)Entwicklung in Europa nicht ewig entziehen können.
Eine unendliche Diskussion
Mit der Beantwortung der Frage, ob Charttechnik oder Fundamentalanalyse besser funktioniert bzw. wann welches Instrument einzusetzen ist, könnte ich Seiten/Bücher füllen (habe ich sogar schon im Rahmen meiner Diplomarbeit zu genau diesem Thema) und damit den Rahmen hier sprengen. Kurz gesagt: Es gilt stets, aus einer Kombination von Fundamental- und Chartanalyse das wahrscheinlichste Szenario herauszufiltern.
Und dabei bin ich Ihnen gerne behilflich
Sven Weisenhaus
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