Technische Analyse Handelssysteme
Tom Firley in Investors Daily
vom 17. März 2010, 18:00 Uhr
ENL5462
Handelssysteme mit Hilfe der Technischen Analyse - dies ist, wie gestern angekündigt, unser heutiges Thema. Vorab grundsätzlich:
Technische Analyse
Technische Analyse ist ein wichtiger Verbündeter im großen Bereich der Anlage-Bewertung von Aktien, Indizes, Rohstoffen, auch Devisen etc. Manche gehen ohne ihr Handelssystem (aus Technischer Analyse aufgebaut) gar nicht mehr außer Haus, soll heißen: Manche Trader handeln ausschließlich nach dem eigens entworfenen System und geben dann bei Misserfolg der Börse schuld, wenn es mal nicht funktioniert.
Einfache und komplizierte Handelssysteme
Dann gibt es noch sehr erfolgreiche Trader, die mit einem einfachen System gute Ergebnisse erzielen und daneben haben wir die eingefleischten Technischen Analysten, die ihr halbes Leben damit verbringen, ein ausgeklügeltes System zu entwickeln, welches sie dann irgendwann selbst nicht mehr verstehen. Tatsächlich gibt es Börsianer, die mehr als 20 Komponenten (oder Indikatoren) in ihr Handelssystem einfließen lassen. Da ist es nur logisch, dass irgendwann der Durchblick klemmt.
Wiederum andere (wie ich) nutzen die Technische Analyse bei der mittelfristigen Analyse als Zusatz-Information, zum Beispiel zur Trenderkennung oder als Hinweisgeber für einen möglichen Trendwechsel. Aber es kann durchaus - gerade beim kurzfristigen Trading oder Day-Trading - Sinn machen, einem selbst entwickelten System „blind" zu folgen, solange der Anwender das System selbst versteht und ggf. Verbesserungen durchführt. Sie sehen, das Anwender-Feld der Technischen Analyse ist sehr groß.
Meinungen zur Technischen Analyse
Auch die grundsätzlichen Meinungen über Technische Indikatoren oder Oszillatoren teilen sich in mehrere Lager. Die einen (hauptsächlich Fundamental-Analysten) halten es für Teufelswerk, andere können ohne Technische Analyse überhaupt keine Entscheidung treffen und wieder andere nutzen - wie gesagt - diese Analyse-Form als zusätzliches Hilfsmittel.
Eine ganz einfache Methode
Nehmen wir doch einfach einmal meinen heiß geliebten 256-Tage-GD. Dies ist ein Gleitender Durchschnitt, der in etwa einen Gleitenden Jahresdurchschnitt darstellt (je nach Anzahl der Börsentage in einem Handelsjahr... mal sind es 254, mal 257... Schnitt ist eben 256 Tage).
Chart Dax mit 256-Tage-GD... Kauf-Signale
Sie sehen im Chart den Dax seit September 1992 und erfolgreiche Kauf-Signale mit dem 256-Tage-GD. Auch ohne genaue Zahlen zu nennen: Die Höhe der Rechtecke repräsentiert die Gewinne, die mit dieser Technik möglich waren. Aber Achtung:
Das ist nur die halbe Wahrheit! Und da wir hier nicht in der Werbung sind, weise ich Sie auch gleich auf Schwächen (und einen weiteren Vorteil) dieses Gleitenden Durchschnitts hin.
Schauen wir auf denselben Chart, nur mit anderen Hinweisen:
Chart Dax mit 256-Tage-GD... schwierige Phasen und gute Hinweise
Hier sieht die Welt schon etwas anders aus. Schwarz eingekreist sind die Phasen, in denen der 256-Tage-GD in kurzer Zeit mehrere Male (von oben nach unten und umgekehrt) gekreuzt wurde. Ein reines Trading in diesen Zeiträumen nach diesem Gleitenden Durchschnitt hätte also zu keinen besonders guten Ergebnissen geführt. Es ist unschwer zu erkennen, dass es sich hier um Seitwärtsphasen handelt. Weiteres Manko:
Der 256-Tage-GD hat 1998 „zu spät" auf den fallenden Kurs reagiert (der Dax musste erst von 6.171 auf etwa 4.800 Punkte fallen) und 2009 hat er zu spät auf den steigenden Kurs reagiert.
Dagegen positiv (grün eingekreist): Sowohl die Abwärtsbewegung 2000 bis 2003, als auch die Baisse 2008 / 2009 wurde mit Hilfe des 256-Tage-GD rechtzeitig erkannt und warnte vor Kursverlusten.
Fazit: Mit dem 256-Tage-GD als Signalgeber und Warnhinweiser hätten Sie im Dax in den letzten Jahren wesentlich bessere Gewinne erzielt als mit einer reinen Buy-and-Hold-Strategie. Allerdings hätten Sie aber auch mehr Zeit in die Börse investieren müssen (durch Beobachtung des 256-Tage-GD) und hätten in Seitwärtsphasen einige, wenn auch kleine Fehlsignale hinnehmen müssen.
Sie vermuten richtig: Das kann sicherlich verbessert werden. Morgen mehr hierzu.
Viel Erfolg an der Börse
Tom Firley
PS: Er hats gepackt... der Dax schließt heute bei über 6.000 Punkten. Genauer gesagt mit einem Plus von 0,89 Prozent (53 Punkte) bei 6.024 Zählern.
PPS: Da ich mit einem herausragenden Redakteur heute ein eher technisches (dafür zeitlich langwieriges) Problemchen lösen / besprechen musste (ich fungiere als Koordinator und redaktioneller Ansprechpartner für alle E-Mail-Newsletter im Investor-Verlag), ist mein Beitrag leider etwas kürzer geraten als geplant. Morgen daher mehr zum Thema „Handelssysteme".
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Peter Herschelmann (18.03. 2010 20:05 Uhr):
Sehr geehrter Herr Firley, kann ich einen täglichen oder wöchentlichen Dax/256-Tage-GD Vergleich im Internet auch kostenlos bekommen? Vielen Dank für Ihre Bemühungen. Mit freundlichen Grüßen Peter Herschelmann
Antworten - Kommentar von Klaus Pampus (18.03. 2010 21:55 Uhr):
Sehr geehrter Herr Firley, schon seit geraumer Zeit verfolge ich mit sehr großem Interesse Ihre Beiträge. Ich habe daraus schon viele Anregungen mitgenommen. Vielen Dank dafür! Vor dem Hintergrund, dass buy and hold keine zufriedenstellenden Ergebnisse mehr bringt, interessieren mich als Privatanleger insbesondere längerfristig orientierte Handelssysteme, die ich verstehe und die ich auch selber nachvollziehen und anwenden kann. Ich habe schon so einiges probiert u.a. auch mit prorealtime backgetestet. Hierbei tauchen immer wieder Phasen auf, in denen die Kurse z.B. - wie von Ihnen auch aufgezeigt - um die "Schaltstellen" hin und her zappeln und sich die Systeme dadurch gen Süden schaukeln. Daher interessiert es mich brennend, wie man solche Phasen erkennen und aus den Systemen ausgrenzen kann. Über Anregungen zu diesem Thema würde ich mich sehr freuen. Mit besten Grüßen Klaus Pampus
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