Technische Analyse Dax
Tom Firley in Investors Daily zum Thema Dax 30
vom 5. Mai 2010, 18:00 Uhr
ENL5462
nach viel Indikatoren-Theorie in den letzten Tagen beschäftigten wir uns heute ein wenig mit dem aktuellen Thema Technische Analyse Dax, wenn auch aus charttechnisch eher langfristiger Sicht.
Kaum fällt der Dax mal ein paar Prozent, schon herrscht wieder Untergangs-Stimmung und die Analysten beschwören den nächsten Crash herauf. Wegen der europäischen Misere (Griechenland, Portugal und natürlich die große Angst vor einer Pleite in Spanien) kamen sogar - laut den Medien - die Amis unter Druck. Na ja, also ob die nicht ihre eigenen Probleme hätten... Werfen wir einen Blick auf den Dax-Chart:
Chart Dax
Wie Sie im Chart erkennen, hat der Dax seit Beginn der Rally (oder Hausse) im März 2009 schon wesentlich heftigere Korrekturen hinnehmen müssen. Warum wird dann die aktuelle Abwärtsbewegung von vielen Analysten als „gefährlicher" eingestuft?
Aus folgenden einfachen Grunde: Es gibt einfach noch zu viele Unwägbarkeiten im Markt. Aus europäischer (wie oben angesprochen) genauso wie aus amerikanischer oder asiatischer Sicht ... und natürlich aus unternehmerischer Sicht (werden irgendwann auch mal wieder Gewinne dank steigender Umsätze und nicht wegen Kosteneinsparungen gemacht?). Zurück zum Chart:
Dax: Realistische Renditen?
Sie sehen die beiden schwarzen Linien, eine durchgezogen eine gestrichelt (oder strichliert wie der Österreich sagt).
Zuerst zur durchgezogenen Linie: Wäre es nicht schön, wenn sich der Dax genau an dieser Linie orientieren würde und ewig so weiterlaufen würde?
Ja, schön wäre das schon, aber VOLLKOMMEN unrealistisch. Denn wenn der Dax sich um diese Linie herumschlängeln würde, dann stiege er jährlich um über 50% (die Linie hat eine entsprechende Steigung).
Hm, orientiert sich der Dax dann wenigstens an der gestrichelten Linie?
Leider auch nicht. Denn die gestrichelte Linie weist eine Steigung, mithin eine jährliche Durchschnitts-Rendite von über 35% auf. Auch das wird der Dax langfristig nicht schaffen.
Eine realistische Linie habe ich Ihnen im Chart grün eingezeichnet. Diese Linie steht für eine Jahresrendite von 8%.
„Ach, nur 8 Prozent?" höre ich Sie denken.
Ja, nur 8 Prozent.
Warum dies so ist, zeige ich Ihnen morgen anhand einiger recht interessanter Charts.
Aber damit Sie mich nicht als möglicher Dax-Renditen-Spielverderber betrachten, noch ein Satz:
Natürlich kann der Dax nach einer Korrektur (ich hoffe sogar, dass Sie etwas heftiger ausfällt, damit sich der Markt bereinigt) tatsächlich die laufende Aufwärtsbewegung wieder aufnehmen und natürlich kann der Dax bereits in 2011 wieder die alten Allzeithochs bei über 8.000 Punkten in Angriff nehmen.
Aber langfristig gesehen wird der Dax irgendwann wieder auf die grüne Linie treffen.
Gut, „in the long run we are all dead" wie schon der berühmte John Maynard Keynes wusste (also "langfristig gesehen sind wir alle einmal tot"). Doch sollte sich der realistische Analyst, der mittelfristig denkende Börsianer und der Profi-Trader einfach bewusst sein, dass diese Wahnsinns-Rally (nicht nur im Dax) in dieser Geschwindigkeit nicht weiter gehen kann.
Trader- oder Anleger-Aufgabe ist es einfach ein gutes Stück des Trends mitzunehmen (sei es mit Trendfolge-Strategien, fundamentaler Analyse, Charttechnik etc.). Und wenn Sie diese Aufgabe dauerhaft lösen, werden Sie sicherlich auch langfristig mehr als diese oben genannten 8 Prozent herausholen.
Viel Erfolg an der Börse
Tom Firley
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