TecDax, was ist besser: Dieser ETF oder dieses Zertifikat?
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Dax 30
vom 27. August 2009, 12:00 Uhr
ENL5454
Trader´s Daily-Leserin Punita I. schrieb mir:
"Auf den TecDax gibt es ein Zertifikat, WKN 831999, und einen ETF EFX2, WKN 593397. Das Zertifikat hat einen höheren Spread als der ETF, aber der ETF gibt als Total Expense Ratio 0,52 % an. Haben Zertifikate auch noch weitere Kosten neben dem Spread? Gehe ich richtig in der Annahme, dass letztlich das Zertifikat preiswerter ist? (...) Schon vorab vielen Dank für Ihre Antworten und die täglichen, oft lehrreichen Börsenbriefe."
Hier meine hoffentlich lehrreiche Antwort:
Es geht hier um zwei Formen der Kosten:
1. Verwaltungsgebühren/Finanzierungskosten/alle möglichen Bezeichnungen für Kosten, welche laufend vom Kurs des Scheins abgezogen werden
2. Spread = Spanne zwischen An- und Verkaufskurs
Schauen „wir" (pluralis majestatis? Nein!) uns die beiden Punkte mal an.
ETF
Punkt 1: Da gibt die genannte Total Expense Ratio von 0,52% die Kosten an.
Spread ETF: Moment, ich schaue mal nach...gerade waren es 3 Cents und damit 0,44% Spanne = Spread.
Gesamte Kosten ETF ergo: 0,52% pro Jahr und 0,44% bei jeder Transaktion. (Zuzüglich natürlich den Kosten für den Broker/die Bank, welche den Kauf/Verkauf durchführt.)
Genanntes Zertifikat
Punkt 1: Da gibt es erfreulicherweise keine verwaltungs- oder leistungsbezogenen Gebühren.
Spread Zertifikat: Auch hier schaue ich gerade mal nach...und komme da auf rund 0,29% Spanne = Spread.
Gesamte Kosten Zertifikat ergo: 0,0% pro Jahr und 0,29% bei jeder Transaktion. (Zuzüglich natürlich den Kosten für den Broker/die Bank, welche den Kauf/Verkauf durchführt.)
Fazit: Die Leserin hat vollkommen Recht. Das genannte Zertifikat ist in beiden Kostenpunkten günstiger als der ETF. Rein von den Gebühren her betrachtet hat es also „die Nase vorn" (war das nicht mal eine mäßig unterhaltsame Fernsehshow mit Frank Elstner?).
Doch...:
Es gibt ja auch noch andere Punkte, die Sie in Betracht ziehen sollten. Zum Beispiel das Emittentenrisiko. Gut, der Emittent des Zertifikats ist die Deutsche Bank. Trotzdem: Wenn die Pleite gehen sollte, dann ist fraglich, was Sie für das Zertifikat erhalten. Es ist nämlich nichts anderes als eine Schuldverschreibung des Emittenten.
Ein ETF hingegen ist ein Sondervermögen, wie ein Fonds. Und damit grundsätzlich vor einer Pleite des Emittenten sicher (es sei denn, mit bis zu 10% des ETF-Vermögens werden Swap-Geschäfte mit einer Tochter des Emittenten durchgeführt, Stichwort „synthetic replication", aber das führt an dieser Stelle zu weit).
Zudem kann das Zertifikat mit 12monatiger Kündigungsfrist vom Emittenten gekündigt werden.
Sie sehen: Es gibt einiges zu beachten! Sonst wäre es ja auch langweilig und der Trader´s Daily entbehrlich.
Fazit: Bei den Gebühren unterscheiden, zwischen den „laufenden Kosten" (werden in Prozent pro Jahr angegeben und laufend vom Kurs abgezogen) und den „einmaligen Kosten" beim Spread (Spanne zwischen An- und Verkaufskurs).
Mit herzlichem Gruß,
Ihr
Michael Vaupel
P.S.: Mein Vergleich der beiden Scheine ist keine konkrete Empfehlung. Darf ich hier im Trader´s Daily ohnehin nicht, Sie wissen es.
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