Tausche Wissen gegen Bescheidenheit
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 05. Oktober 2007 07:30 Uhr
ENL5454
Und zu guter Letzt liefert auch noch ein geschätzter Leser seinen Kommentar:
“Ich habe sehr viel Freude an ihrem Newsletter und habe im Laufe der Zeit mehr von Ihnen übernommen, als überhaupt gut sein kann und etwas Geld verdienen können, auch wenn Sie von überhaupt nichts eine Ahnung haben. Die Tatsache einmal außer Acht lassend, dass Sie nichts wissen, habe ich Gold für unter 300 Dollar gehalten und habe auf Ihre Empfehlung hin noch mehr gekauft, als es bei 400 Dollar lag. Und ich bin mir sicher, dass Sie keine Ahnung haben, wann ich diese armselige Anlage, die mein Geld in zwei Jahren kaum verdoppelt hat, verkaufen sollte.“
“Wenn Sie jedoch über die Immobilienblase im Vereinten Königreich (verglichen mit der Blase in den Vereinigten Staaten) sprechen, dann frage ich mich, ob man hier wirklich Gleiches mit Gleichem vergleicht, wenn man auch das zur Verfügung stehende Land und den zukünftigen Bedarf an Wohnraum bedenkt.“
“Ich weiß, dass Sie es nicht wissen und ich würde auch ganz bestimmt nicht auf Ihren Rat hören, wenn Sie es wüssten. Ich habe ein Haus und es interessiert mich überhaupt nicht, ob sein Wert steigt oder fällt, da die Preise von Wohnhäusern nur für solche Leute von akademischen Interesse sind (oder sein sollten), die bereits Häuser haben.“
„Mit den besten Grüßen“
„P.S. Welchen Teil Amerikas soll ich von all meinen Dollar kaufen, wenn ich dieses Gold verkaufe? Ach, was frage ich überhaupt ... das werden Sie wohl auch nicht wissen ...“
Mein Leser ist ein hintertriebener Beobachter. „Nimm nie Rat von jemandem an, der behauptet, er wüsste, wovon er spricht“, lautet seine Botschaft.
Was das anbelangt, sind Sie bei mir auf der sicheren Seite. Ich weiß gar nichts.
Der Anfang meiner Unwissenheit lässt sich auf das Jahr 1980 datieren. Vor diesem Jahr wusste ich alles. Aber dann fing Gold an zu fallen. Ich konnte es nicht glauben. Ich bin davon ausgegangen, dass es nur vorübergehend so sei. Alle, die ich damals kannte, sind davon ausgegangen, dass der Goldpreis weiter steigen würde. Ich war mehr als sicher ... ich wusste, dass er steigen würde. Aber er ist nicht gestiegen. Er ist gefallen ...und weiter gefallen ... und weiter gefallen – zwei Jahrzehnte lang.
Und mit jedem Dollar, um den Gold weiter gefallen ist – von mehr als 800 Dollar auf unter 300 Dollar – hat sich etwas von dem, was ich ganz sicher wusste, in Luft aufgelöst. Zu dem Zeitpunkt, zu dem Gold 275 Dollar wert war ... war mein Kopf vollständig leer.
Aber das, was ich an sicherem Wissen verloren habe, habe ich an Bescheidenheit gewonnen. Während meine Goldaktien sanken, stiegen meine Bescheidenheitsaktien. Je mehr ich verloren habe, desto mehr habe ich gewonnen. Was ich an Lehrgeld bezahlt habe, das habe ich an Weisheit gewonnen ... zumindest stelle ich es mir gerne so vor.
Natürlich hätte ich noch lieber das Geld. Aber man muss aus dem, was man hat, das Beste machen. Und heute habe ich eine volle Ladung Bescheidenheit. Um genau zu sein, bin ich der bescheidendste Finanzkommentator, der mir bekannt ist. Alles, was die anderen behaupten zu wissen, weiß ich noch weniger.
Aber mir fällt auf, dass Gold nun doch endlich zurückkommt. Es liegt immer noch unter dem Rekord, den es vor 27 Jahren aufgestellt hat ... aber wenn man bedenkt, was in all den dazwischenliegenden Jahren passiert ist – die Erfindung der CDOs, die Explosion der Hedgefonds, der weltweite Überschuss an Liquidität, Warhols, die für 72 Millionen Dollar verkauft werden, Alan Greenspan, George W. Bush – dann wäre ich nicht überrascht, wenn der Goldpreis innerhalb dieses Zyklus noch deutlich über den Höchstwert von 1980 getragen würde.
Aber was weiß denn ich schon?