Taschenspielertricks
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 31. Januar 2008 07:30 Uhr
ENL5454
“Jemand mit einem Geldbeutel kann mehr Geld stehlen, als hundert Männer mit Schusswaffen.”
- Don Corleone, der Pate
Wenn der Neid in den USA den Klassenkampf auslöst, dann will ich einfach auf Seite der Sieger sein.
- Bill Bonner
In den Jahren der Reagan Ära hatten die Leute Hoffnung… und sie haben sie immer noch… denn sie glauben an die Macht des Geldes. Nach fast 100 Jahren, die von der Politik beherrscht wurden, erschien Geld nicht nur das kleinere Übel… sondern sogar wirklich gut. Geld konnte die Leute aus der Armut holen. Geld konnte Krankheiten heilen. Geld konnte die Leute glücklich machen. Nach und nach fing fast die gesamte Welt an, Vertrauen in Geld zu haben… und hatte bald zu viel Vertrauen in Geld.
Die Aktionäre fingen beispielsweise an zu glauben, dass die richtigen finanziellen Anreize – auch bekannt als Riesengeldberg – die heute alltäglichen Angestellten in den Unternehmen in Super-Erfolgsmenschen verwandeln könnte.
Eines der interessantesten und informativsten Bücher, auf die ich in der letzten Zeit gestoßen bin, ist das von Barry Dyke mit dem Titel „Piraten von Manhattan“. Das Buch zeigt, wie die Insider der Wallstreet die Massen um ihr Geld bringen.
Am offensichtlichsten ist natürlich die Möglichkeit, sich selbst einen großen Teil vom Geld der Aktionäre als so genannte “Kompensationen” in die Taschen zu stecken. So zeigt das Buch z.B. an einer Stelle, dass ein Mr. E. Stanley O’Neil im Jahr 2005 von Merrill Lynch insgesamt 38.121.766 Dollar erhalten hat. Was hat er getan, dass ein so hoher Betrag gerechtfertigt wäre? Nun, wie die folgenden Ereignisse zeigen sollten, hat er nichts getan, was den Aktionären genutzt hätte. Vielmehr hat er ein großes Schiff direkt auf den Eisberg zugesteuert.
Bislang sind die Verluste, die von der Wall Street berichtet werden, wirklich atemberaubend. Aber die Gerüchte von deutlich höheren Verlusten werden auch schon flüsternd verbreitet… und mindestens eine Quelle, die ich gelesen habe, legt nahe, dass die Firmen Pleite sein könnten… zerschlagen von systemweiten Verlusten von insgesamt mehr als 3 Billionen Dollar.
Doch um Mr. E. Stanley O’Neil müssen Sie sich keine Sorgen machen. Er saß als erster im Rettungsboot als das Schiff begann, voll Wasser zu laufen. Und was war das nur für ein luxuriöses Rettungsboot. Seine Abfindung war Berichten zufolge ungefähr 250 Millionen Dollar wert. Nicht schlecht für jemanden, der gerade eines der größten Finanzunternehmen aller Zeiten in den Ruin getrieben hat.
Und auch jetzt ist Mr. O’Neil wieder in den Nachrichten. Alcoa hat ihn angestellt.
Mein Kollege Byron King platzte fast vor Wut: “Alcoa ruft Stan O’Neil in den VOrstand? Was? Häh? Den 160-Millionnen-Dollar-Mann? Den Es-gibt-keine-ausreichenden-inneren-Kontrollen-Mann?, Mr. Hoppla-ich-habe-Milliarden-verloren?“
“Das muss ein Witz sein. Und was weiß ein brachialer Finanzmann, der Stellen abbaut, über die Herstellung und den Verkauf von Aluminium?“
„Hier sprechen wir wirklich von einem verzauberten Lebenslauf. O’Neil hat Merrill Lynch in einen Eisberg geschifft und ist dann mit einem Abschiedskuss im Wert von 160 Millionen Dollar davon geschippert. Und jetzt landete er auf einem bequemen Direktorenposten bei einem der weltweit größten Hersteller von Grundmetallen. Wie bitte? Was versteht O’Neil denn von dem Thema? Was? Man fragt sich, was für Photos er auf seiner Digitalkamera haben muss?”
“Bei einer solchen Reaktion auf Managerversagen ist der amerikanische Kapitalismus dem Untergang geweiht.”