Tantal: Ostkongo versinkt im Chaos
Daniela Knauer in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 26. November 2010, 17:00 Uhr
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Angesichts des ruhigen Brückentages nach Thanksgiving wollen wir uns heute wieder einmal mit den Vorgängen am Tantalmarkt beschäftigen. Zwei Folgen meines Krimis hatte ich bereits veröffentlicht. Falls Ihnen diese nicht mehr präsent sind, können Sie Teil 1 hier nachlesen, Teil 2 an dieser Stelle. Wir waren dabei stehen geblieben, wie während der Finanzkrise eine Tantalmine nach der anderen schließen musste. Verantwortlich war dafür neben der wegbrechenden Nachfrage und den hohen Kosten der australischen Produzenten auch ein ruinöser Preiswettbewerb durch die wilden Minen im Osten des Kongo.
Die Nachfrage soll 2011 wieder auf Vorkrisenniveau steigen
Inzwischen hat sich das Bild komplett gewandelt. Die Nachfrage boomt, während die Lager der Verarbeiter so langsam zur Neige gehen. Neues Angebot kommt noch kaum auf den Markt. Aber auf die Gründe dafür und mögliche zukünftige Profiteure wollen wir später zu sprechen kommen. Zuvor soll der Blick erst einmal in Richtung Kongo wandern. Denn hier tut sich viel, auch wenn es nicht gerade positiv für das Angebot (und die Menschen) ist.
Neues Gesetz der USA soll Verwendung von Bluttantal verhindern
Bereits im Sommer sorgten die USA mit einem neuen Gesetz für Aufsehen, das im April nächsten Jahres in Kraft treten soll. Durch zunehmende Proteste gegen die Verarbeitung von Tantal aus Konfliktgebieten gerieten Regierung und Verbraucher wie z.B. Apple immer mehr unter Druck. Denn in vielen modernen Handys und anderem Elektronikspielzeug wurde zunehmend Tantal aus zumindest unklaren, vermutlich häufig sogar illegalen Quellen eingesetzt. Gerade die in China gebauten Elektronikteile, die dann unter US-Label vertrieben werden, enthalten oft Blutmineralien. Wir wissen es ja alle - die Chinesen kennen wenig Skrupel, wenn es um eine günstige Rohstoffversorgung für ihre Fabriken geht.
So kam es zum US-Gesetz gegen die Verwendung von Konfliktmineralien aus illegalen Quellen. Ab nächstem Frühjahr müssen alle amerikanischen Verarbeiter von Tantal nachweisen, dass Ihre Metalle aus legalen Quellen stammen, die Ausfuhr anständig verzollt wurde. Dubiosem Schmuggelgut soll damit die Basis entzogen werden, der Staat Kongo wieder mehr ordentliche Einnahmen aus seinem Erzreichtum erhalten.
Kongo schließt alle Bergwerke im Ostkongo
Doch was im Kongo in diesem Herbst passierte, entzieht dem eigentlich sinnvollen Gesetz der USA die Basis. Denn die Regierung verhängte kurzerhand ein Verbot des Bergbaus für den gesamten Ostkongo. Produzierende Minen wurden stillgelegt, die Arbeiter nach Hause gejagt, die Armee übernahm vollends die Kontrolle. Inzwischen herrscht im Ostkongo das blanke Chaos, woher nach Schließung der Minen in Australien nach Angaben von Reuters im Jahr 2009 bis zu 90% des weltweiten Tantals kamen. Die Infrastruktur ist am Zusammenbrechen, weil kein Geld mehr für Transporte in die Region kommt. Schulen mussten geschlossen werden. Selbst die Lebensmittelversorgung wird problematisch. Denn die meisten Einwohner waren mit Abbau oder Handel der Metalle beschäftigt, statt sich um die Erzeugung von Nahrungsmittel zu kümmern.
Die Kartierung des Tantals kann nicht weitergeführt werden
Ein ganz großes Problem dieser Entscheidung der chaotischen kongolesischen Regierung ist es auch, dass deutsche Geowissenschaftler angesichts der dortigen Zustände ihre Arbeit nicht mehr weiterführen können. Sie waren damit beschäftigt, für alle Minen in der Region genaue Analysen zu sammeln, mit denen die Herkunft des Metalls exakt lokalisiert werden kann. Diese Datenbanken sollten die Voraussetzung dafür werden, dass illegaler und legaler Abbau beim Verkauf der Metalle identifiziert werden können. Doch wenn diese Datenbanken nicht bis zum nächsten Frühjahr vervollständigt werden können, droht sogar das eigentlich sinnvolle Gesetz der USA zu kippen. Denn diese Verzögerung würde es für die Firmen enorm schwierig machen, den Nachweis zu führen, dass es sich bei importiertem Erz nicht um Bluttantal handelt.
Inzwischen läuft mir angesichts des langen Artikels wieder einmal die Zeit davon. Mehr zu diesem Thema daher demnächst in Ihrem Nebenwerte Daily.
Herzliche Grüße. Eine erholsames Wochenende wünscht Ihnen
Ihre Daniela Knauer