Tango gefällig?
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 31. Oktober 2007 07:30 Uhr
ENL5454
Mein einsames Exil in Südamerika neigt sich seinem Ende entgegen. Gestern Abend habe ich mit Freunden einen Tangoclub besucht.
“Das Problem mit dem Tango ist”, sagte ein argentinischer Freund, „dass er bei den jungen Leuten in Argentinien nicht wirklich besonders beliebt ist. Wenn die Leute aus Nordamerika hierher kommen, dann wollen sie immer in einen Tangoclub gehen. Und sie sagen immer, dass sie in die angesagten Clubs gehen wollen, in die auch die Ortsansässigen gehen. Aber die Ortsansässigen gehen nicht in diese Clubs. Diese Clubs sind für die Touristen. Es ist wie in New Orleans. Es gibt dort Jazzclubs. Aber ich gehe davon aus, dass sie nur von den Touristen besucht werden. Sie sind so wie Museen.“
Eine Freundin, Maria, nahm mich mit in eines der besten dieser Museen … ein kleines Lokal in einer brisanten Gegend, bekannt als San Telmo. Ein gutaussehender Mann mittleren Alters, in einem Smoking, begrüßte uns an der Tür und öffnete diese für uns. Drinnen gab es ungefähr 20 Tische ... und eine kleine Bühne. Der Bereich unmittelbar vor der Tür war für Tische freigemacht worden.
Wir setzten uns an einen der Tische, ganz dicht an der Bühne. Die anderen Tische füllten sich nach und nach. Aber immer noch war nur ungefähr die Hälfte der Tische besetzt. Wenige Minuten später nahm die Band auf der Bühne Platz und fing an zu spielen.
Der Autor dieser Zeilen schätzt die Tangomusik sehr … und er tanzt auch gerne Tango. Was ersteres anbelangt, weiß er darüber nicht viel ... hört aber gerne zu. Was das letztere anbelangt hat er in Paris mehrere Monate lang Kurse belegt ... und dann aufgegeben. „Vielleicht seid ihr Nordeuropäer nicht für den Tango geschaffen“, hatte seine Lehrerin zu ihm gesagt und Mitleid im Blick gehabt.
Nachdem sich die Band warmgespielt hatte, hat ein Mann mit einem Toupet die Bühne betreten.
„Woher kommen Sie“, fragte er eine Gruppe unter den Gästen.
“Aus Mexiko”, sagte ein Tisch, „aus der Schweiz“, ein anderer, „Peru“ sagte eine dritte Gruppe.
“Ich komme aus Los Estados Unidos“, antwortete der Autor dieser Zeilen, der sich nicht in die komplizierten Details vertiefen wollte.
Jedes Mal, wenn der Moderator einen Kommentar abgab ... lachten die Zuhörer. Ich hätte vielleicht auch gelacht, wenn ich auch nur die geringste Ahnung gehabt hätte, was er sagte. Aber das Mikrophon und die fremde Sprache funktionierten bei mir nicht. Ich war nur in der Lage, einige wenige Worte aufzuschnappen.
Gegen 23 Uhr hat die Show dann wirklich angefangen. Die Band spielte ... und sie spielte gut. Die Musiker waren allesamt mittleren Alters. Dennoch hatten sie noch viel Leben in sich. Es gab auch ein Sängerpaar – einen Mann und eine Frau. Sie schienen aus der Barbara Streisand Schule des musikalischen Ausdrucks zu stammen. Die Frau versuchte im Besonderen so viel wie möglich aus jedem Lied herauszuholen ... und stieß jede Note aus, als sei sie ein Stück Draht ... und wickelte sie dann um ihren Hals, bis sie quasi daran erstickte. Ich konnte keine Worte aufschnappen, aber ich hatte das Gefühl, dass etwas schreckliches passiert sein musste.
Nachdem die Sänger alles gegeben hatten, erschienen die Tänzer. Sie hatten stachelige Haare, trugen moderne Mode und einen Nadelstreifenanzug in Tangomode. Die Frau war sehr hübsch, mit einem Tänzerinnenkostüm, einem engen Oberteil und einem Rock, der bis zu Taille geschlitzt war, verziert mit Pailletten und Glitter. Die Musik fing an zu spielen. Das Paar hielt einander fest ... sie blickten sich in die Augen ... und es war, als habe jemand den Startschuss zu einem Rennen gegeben. Sie waren losgelassen. Die Beine flogen ... die Rücken bogen sich ... Schultern und Hüften schwenkten und drehten so heftig, dass ich mir Sorgen machte, dass vielleicht Körperteile abfallen würden. Es war sehr beeindruckend.
Als die Darbietung vorüber war, spielte die Musik weiter. Beide Tänzer gingen durch den Raum und fragten die Gäste, ob sie Lust hätten, es auch auszuprobieren.
Wie hätte ich da widerstehen könne? Ich griff mir die junge Frau in meiner besten Tangopose ... ich sah ihr in die Auge. Ihr nacktes Bein spannte sich ... und hob sich, als wollte sie meine rechte Flanke treffen. So weit so gut. Und dann die Frage: ‘Macht man das bei Euch so?’
Ich kann nur sagen, dass ich ihr einige Schritte gezeigt habe, die sie nie zuvor gesehen hat.
Ich mache mich jetzt auf den Weg nach London. Das ist bis zum nächsten Newsletter soweit alles von meiner Seite.