Tagesgeldkonto

Wie riskant sind Tagesgeldanbieter?

in Devisen-Monitor zum Thema Tagesgeldkonto
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Ein weiteres Mal soll den Medien niemand nachsagen können, sie hätten nicht eindringlich vor bestimmten Anlagemöglichkeiten gewarnt. Ein zweites Kaupthing-Desaster soll sich nicht wiederholen.

Bank lockte während der Finanzkrise mit besonders hohen Zinsen

Die isländische Kaupthing-Bank begann kurz nach Ausbruch der Finanzkrise ab März 2008 deutsche Kunden mit überdurchschnittlichen Tagesgeldzinsen zu locken. Am Nachmittag des 8. Oktober 2008 stellte die Bank sämtliche Zahlungen ein. Deutsche Kunden erhielten ihr Geld nach monatelanger Wartezeit Mitte 2009 zurück. Selbstverständlich war das nicht - schließlich war die Bank pleite.


Tagesgeldzinsen sind seitdem Medienthema

Dieses Mal wollen es die Medien besser machen und berichten schon seit geraumer Zeit in unregelmäßigen Abständen über die Hintergründe der in Deutschland teilweise sehr großzügigen Tagesgeldangebote. Banken wie die VTB, die Bank of Scotland oder IWBank loben deutlich mehr als 2% für Tagesgeldkonten aus. Dabei liegt das Zinsniveau für Tagesgeld auf dem Interbankenmarkt bei weniger als 0,35%. Weshalb zahlen manche Banken für Tagesgeld fast das Zehnfache?

Gründe für hohe Zinsen gibt es viele

Gründe für höhere Zinsen kann es viele geben. So zahlen viele Banken hohe Tagesgeldzinsen nur für einen begrenzten Zeitraum für eine begrenzte Anlagesumme an Neukunden, um den Kundenstamm zu vergrößern. Anders sieht es bei den Angeboten der oft ausländischen Anbieter wie eben Bank of Scotland, VTB und anderen aus. Dort können unbegrenzte Summen zu den ausgelobten hohen Zinssätzen angelegt werden.

Gründe dafür können sein:

  • Die Bank kommt auf anderem Wege nicht oder nur zu noch höheren Zinsen an Kapital
  • Die Bank ist bereit, zugunsten einer Diversifizierung der Einlagenbasis für einen Teil der Einlagen marktüberdurchschnittlich hohe Zinsen zu zahlen. Das kann sinnvoll sein, schließlich gelten deutsche Tagesgeldanleger als vergleichsweise treu. Dagegen schichten institutionelle Anleger Kapital teilweise täglich zu anderen Anbietern um.
  • Zugleich wird die Bank unabhängiger vom Kapitalmarkt. Während der Finanzkrise konnten zeitweise keine neuen Anleihen an der Börse platziert werden, weil institutionelle Anleger sich der Zeichnung verweigerten. Ein großer Tagesgeld-Kundenstamm kann helfen, solche Liquiditätsengpässe zu überbrücken
  • Die Bank möchte auf dem deutschen Markt Fuß fassen und sich schnell einen großen Kundenstamm aufbauen.

Stehen die Zinsen in adäquatem Verhältnis zum Risiko?

Über die wahren Gründe kann nur spekuliert werden. Was jedoch genauer beantwortet werden kann ist die Frage, ob die gezahlten Zinsen risikoadäquat sind. Schließlich spricht nichts dagegen, zugunsten höherer Zinsen auch ein größeres Risiko einzugehen, wenn das Risiko marktgerecht entlohnt wird.

Risikoindikatoren sind schwer zu finden

Ein Risikoindikator sind die Prämien für Kreditausfallversicherungen, die sich auf Anleihen der Banken beziehen. Für viele der Tagesgeldanbieter bzw. deren Mutterbanken sind jedoch keine Prämien bei den gängigen Datenanbietern wie Reuters abrufbar. Zudem beziehen sich die dort abrufbaren Prämien in der Regel auf Anleihe-Laufzeiten von 5 Jahren. Tagesgeld hat jedoch nur eine Laufzeit von einem Tag und weist daher in der Regel per se geringere Risiken auf als Anlagen, die an eine fünfjährige Laufzeit gebunden sind.

Ein guter Indikator können auch die Renditen kurz laufender Anleihen des Tagesgeldanbieters bzw. seiner Mutterbank sein. Die für die kurz laufenden Anleihen berechneten Renditen sind ein Maß für das vom Markt vermutete Risiko des Emittenten.

Allerdings sind Anleihen unbesichert, während Guthaben auf Tagesgeldkonten über die gesetzliche Einlagensicherung sozusagen besichert sind. Die Renditen von Pfandbriefen, also Anleihen, die mit einem Immobilienportfolio besichert sind, wären daher ein noch besserer Risikoindikator als unbesicherte Anleihen.

Morgen werden wir am Beispiel der Bank of Scotland untersuchen, ob die ausgelobten Zinsen des Anbieters als risikoadäquat einzuschätzen sind, oder ob sich die Bank trotz der marktüberdurchschnittlich hohen Zinsen einen finanziellen Vorteil verschafft.

 


von
Thomas Kallwass
Thomas Kallwass

Thomas Kallwass ist unser Spezialist für alternative Investment-Chancen. Seine Handelsstrategien sind wissenschaftlich untermauert und langfristig erfolgreicher als der Gesamtmarkt.


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