Synthetic Stock Strategien: Combo – Zinsen
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 28. Januar 2009, 12:00 Uhr
ENL5454
Hallo liebe Leser,
es freut mich sehr, dass Sie auch heute wieder dabei sind, wenn es um die nächste Lektion in Sachen Synthetic Stock Strategien geht. Noch immer beschäftigen wir uns mit dem Combo.
Erinnern wir uns zunächst an die letzte Ausgabe vom vergangenen Mittwoch!
Dabei haben wir folgendes fest gestellt: Der Kauf der Synthetic Long Stock Position ist im Grunde genommen etwas teurer als der reine Kauf des Underlyings, also Long Stock. Dies ist umso verwunderlicher, da wir gelernt haben, dass Arbitrageure dafür sorgen, dass solch ein Vorteil im Markt nicht lange besteht. Tatsächlich sorgen Arbitrageure mit Hilfe der Put-Call-Parität auch dafür.
Doch zuvor wollen wir feststellen woher dieser Vorteil einer Long Stock Position, gegenüber der Synthetic Long Stock Position kommt und ob es sich überhaupt um einen Vorteil handelt. Wie ich schon am Mittwoch schrieb, hat dies etwas mit den Zinsen zu tun.
Zunächst ein Beispiel:
Wir nehmen an
Das Underlying notiert bei 51,54 Euro.
Der Strikepreis liegt bei 50 Euro.
Die implizite Volatilität liegt bei 26,35 %.
Die Restlaufzeit beträgt noch 71 Tage.
Keine Dividenden.
Zinssatz bei 5%.
Daraus ergibt sich ein ungefährer Wert des Calls bei 3,50 Euro und des Puts bei 1,50 Euro.
Wir haben hier also eine Differenz von 2 Euro (3,50 Euro für den Kauf des Calls - 1,50 Euro für den Verkauf des Puts)! 2 Euro die der Trader in jedem Fall zusätzlich für den Kauf (entweder durch Ausübung oder Andienung) des Underlyings ausgeben muss. Bei einem Strikepreis von 50 Euro, also folglich 52 Euro.
Und wieder sind wir bei unserem alten Dilemma angelangt. Der Long Stock hat einen vermeintlichen Vorteil, denn schließlich müsste das Underlying nur um 1 Cent steigen und schon hat der Trader einen Gewinn gemacht.
Die Synthetic Long Stock Position müsste dagegen um 0,46 Euro (52 Euro - 51,54 Euro) steigen um nur allein den Break-Even zu erreichen, also um rentabel zu sein.
Warum also? Kommen wir auf die Zinsen zu sprechen!
Die Synthetic Long Stock Position hat nämlich einen ganz bestimmten Vorteil gegenüber der einfachen Long Stock Position:
Nehmen wir an Sie besitzen 52 Euro. Vor drei Monaten haben Sie eine Synthetic Long Stock Position für 2 Euro gekauft. Sie haben noch 50 Euro übrig. Diese können Sie zudem gewinnbringend, weil verzinst anlegen.
Wenn Sie stattdessen gleich das Underlying für 51,54 Euro kaufen, dann bleiben Ihnen noch 0,46 Euro übrig mit denen Sie keinen so hohen Zinsgewinn im Vergleich erwirtschaften werden.
Natürlich müssen Sie sich das Ganze in deutlich höheren Zahlendimensionen vorstellen. Aber tatsächlich: die Synthetic Long Stock Position hat einen ungeheuren Zinsvorteil" gegenüber der einfachen Long Stock Position.
Dies kann man auch berechnen, doch damit werden wir uns in der kommenden Ausgabe beschäftigen.
So viel für heute einmal, liebe Grüße und einen schönen Tag
Wünscht Ihre Miriam Kraus
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