Supergau
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 23. März 2011, 08:30 Uhr
ENL5454
während die Börsen allmählich wieder versuchen, zur Tagesordnung überzugehen, was angesichts der Situation als ambitioniert bezeichnet werden darf, ist die Gefahr einer Kernschmelze in Japan bisher keineswegs gebannt. Immer wieder steigen Rauch und Dampf aus den Reaktor-Ruinen auf, was darauf hindeutet, dass die Überhitzung der Brennstäbe in den Reaktoren oder in den Abklingbecken nicht dauerhaft unterbunden werden kann. Bisher scheint es wohl eher um eine Verzögerung der Kernschmelze als um eine Verhinderung zu gehen. Immer wieder müssen die Männer wegen der starken Strahlung ihre Arbeit unterbrechen. So auch heute früh. Inzwischen machen Aussagen die Runde, dass diese Männer ihren Dienst nicht freiwillig ableisten, sondern dazu gezwungen wurden. Was bei der hohen Strahlenbelastung einer fahrlässigen Tötung gleichkäme. Dem Vernehmen nach sind bereits fünf der Helfer gestorben.
Die Umwelt wird immer mehr verstrahlt. Inzwischen wird auch im Tokioter Trinkwasser erhöhte Radioaktivität gemessen. Säuglingen darf es nicht mehr gegeben werden. Radioaktiv belastete Lebensmittel werden nun auch in der angrenzenden Region Ibaraki gefunden. In der Nacht erschütterte ein weiteres Nachbeben das Land, ohne jedoch größere Schäden anzurichten. Die Schadenssumme von Erdbeben und Tsunami wird von der japanischen Regierung inzwischen auf 220 Mrd. Euro geschätzt, was mehr als das Doppelte der Schäden des 1995er Kobe-Erdbebens entspräche. Nicht dabei sind mögliche Folgekosten einer radioaktiven Verseuchung, die dem ganzen Ereignis eine völlig neue und bisher nicht bestimmbare Dimension geben.
Italien plant inzwischen, seine Pläne für den Wiedereinstieg in die Atomenergie für ein Jahr auszusetzen. Frankreich will trotz des Reaktor-Unfalls in Japan an dem Ausbau der Atomkraft festhalten. Das Land bezieht 85 Prozent seines Strombedarfs aus Atomkraft und betreibt viele Kernkraftwerke in der Nähe der deutschen Grenze. In den USA sorgt die Atomregulierungsbehörde (NRC) für Aufsehen. Sie verlängert die Lizenz für ein fast 40 Jahre altes, unfallträchtiges Atomkraftwerk im US-Staat Vermont um 20 weitere Jahre. Örtliche Politiker und Kernkraftgegner zeigten sich besorgt. Das Atomkraftwerk Yankee hat einen ähnlichen Bauplan wie das beschädigte Krisen-AKW im japanischen Fukushima. In den vergangenen Jahren gab es in dem Kraftwerk immer wieder Zwischenfälle. Manch einer lernt es eben nie.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Peter Zelle (23.03. 2011 09:39 Uhr):
Frankreich betreibt derzeit 58 AKWs, davon liegen 3 AKWs in der Nähe der deutschen Grenze. Der Abstand beträgt 0-50km. Das kann nicht als "viele" bezeichnet werden. Ich hoffe Sie recherchieren bei Finanznachrichten besser.
Antworten- Antwort von Ulrich Hansruedi (23.03. 2011 19:18 Uhr):
Ich finde Sie haben es genau auf den Punkt gebracht mit der Gefahr von den AKWs. Die Geld- und Profitgier in unserem Zeitalter hinterlassen ganz schlimme Spuren !
- Antwort von Ulrich Hansruedi (23.03. 2011 19:18 Uhr):