Süße Vergänglichkeit
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 28. September 2006 07:30 Uhr
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Die große Nachricht der letzten Woche war, dass die Produktion zurückgegangen ist. Der Einbruch, der im August in der Gegend um Philadelphia verzeichnet wurde, war der größte in fünf Jahren. Was bedeutet das? Niemand weiß es. Aber ich sehe wie sich die Dinge wandeln ... ganz allgemein.
Und an dieser Stelle will ich ein erratum serioso eingestehen. Zuletzt habe ich geschrieben, dass die Kastanien am Champs Elysee immer noch grün seien. Ich lag falsch. Was die Platanen anbelangt stimmt es – sie sind mit dem Bergahorn verwandt – und immer noch grün. Aber die Kastanien selbst sind schon braun-golden.
Paris im Frühling ist genau, wie in dem Lied ‚I love Paris (in the springtime)’ beschrieben, aber im Herbst finde ich die Stadt am bezauberndsten. Als ich heute von der Arbeit kam, lag, nachdem es letzte Nacht geregnet hatte, ein schwerer, feuchter Geruch von Vergänglichkeit in der Luft.
Die Champs-Elyssées gelten als die „la plus belle avenue du monde“, (die schönste Straße der Welt). Vom Place de la Concorde bis zum Arc de Triomphe wird die Herbstmode vorgeführt. Rostbraune Kleider aus Volant passen zu den Blättern darüber. Aber wie so viele andere Dinge, ist der Herbst die süßeste Jahreszeit in Paris, weil er einen Hinweis auf den Tod birgt.
Ich habe die Nachrichten aus Philadelphia so aufgenommen wie ein fallendes Blatt. Sie sind am Freitag Richtung Erdboden geschwebt - untermalt vom Anschwellen des Gemurmels aus den Finanzmedien - und trafen dann auf dem Boden mit den anderen Anzeichen für den beginnenden Herbst zusammen. Die Zinssätze gehen zurück; die Rendite auf amerikanische Schatzanleihen über 10 Jahre sind bis auf 4,69% gefallen. Rohstoffe erleben eine Korrektur. Öl scheint sich darauf vorzubereiten, die 60 Dollarmarke in Angriff zu nehmen. Hedgefonds stehen kurz vor der Krise. Und was noch wichtiger ist: Der große Bullenmarkt bei Häusern pfeift aus dem letzten Loch.
Vier große Marktsegmente in Kalifornien berichteten Anfang der Woche, dass man von den Immobilien ein Todesröcheln vernimmt. Jeder dieser Märkte verzeichnet geringere Preise für Häuser. Die National Association of Home Builders sagt, dass die 10 wichtigsten Märkte in den USA fallen - und sie liefern auch eine Tabelle, auf der etwas zu sehen ist, was auf mich wie das Ende einer Jahreszeit der boomenden Häuser wirkt: Die eine Linie der Verkäufe bricht ein ... die andere zeigt, dass die Bestände in den Himmel schießen. Kein Wunder, dass die Aktien der Bauunternehmer auf dem geringsten Niveau seit 15 Jahren sind.
Und aus Los Angeles kommt die Nachricht, dass verzweifelte Hausbesitzer jeden Anreiz anbieten, den sie sich denken können, um ihre Häuser los zu werden. Einige von ihnen statten die Käufer mit neuen Autos und Pickups aus. Ein anderer bietet einen Pelzmantel. Wieder ein anderer bietet dem Käufer eine Flasche Chateau Lafitte Rothschild.
Eine Zeitung aus Idaho berichtet, dass die Verkäufe im Treasure Valley um 25% gefallen sind.
„Vielleicht benötigen sie etwas mehr Inflation“, sagte mein Sohn Henry am Abendbrottisch Ende letzter Woche.
Henrys 11 Klasse lernt gerade Wirtschaft an ihrer katholischen französischen Schule. Ich bin neugierig: Was bringen sie ihm bei?
„Dass die Inflation gut für die Wirtschaft ist“, berichtet er mir, „sie hilft, die wirtschaftliche Aktivität anzutreiben ... und sie ist ganz besonders günstig, um die Exporte zu steigern. Zumindest steht das so in unserem Schulbuch.“
Auf beiden Seiten des Atlantiks ist die Wirtschaftwissenschaft, so wie sie allgemein gelehrt und gelernt wird, eher Betrug als Wissenschaft. Ich versuchte, das bei Henry gerade zu rücken.
„Ja, wenn man die Währung inflationiert, dann sehen die Ergebnisse Anfangs noch gut aus. Aber stell dir einmal vor, du hättest einen kleinen Ort, wo die gesamte Geldmenge 100 Dollar beträgt. Wenn die örtlichen Banken jetzt einfach 10 Dollar mehr drucken ... dann würde die Geldmenge um 10% gesteigert. Die Leute würden sich reicher fühlen. Sie würden mehr Geld ausgeben. Aber der Vorrat an Eiern, Land, und Häusern bliebe trotzdem gleich. Also würden die Preise schon bald steigen und die Leute wären wieder genau da, wo sie angefangen haben – bei genau der gleichen Kaufkraft.“
„Nun, das ist nicht genau das, was mein Lehrer mir erklärt hat“, unterbrach mich Henry an dieser Stelle. Wenn die Leute anfangen Geld auszugeben, dann löst das einen Boom aus. Die Hersteller fangen an mehr zu produzieren, in der Hoffnung, damit extra Geld zu verdienen. Sie bauen mehr Häuser und stellen mehr Eier her ... also haben die Leute auch wirklich mehr Zeug. Die Inflation funktioniert also wirklich.“
„Nein“, beharrte ich, „sie ist Betrug. Die Hersteller mögen anfangs noch mehr herstellen, weil sie sich dazu gedrängt fühlen zu denken, dass die Leute mehr Geld zum Ausgeben haben. Aber tatsächlich hat niemand mehr Kaufkraft als zuvor. Sie haben einfach nur mehr von den bedruckten Papierstückchen in den Händen. Also mögen die Hersteller und die Händler und die Geschäftsleute vielleicht mehr herstellen ... aber nachdem sie die Preise angehoben haben, um die Inflation wieder auszugleichen, werden sie feststellen, dass sie die zusätzlich produzierte Ware nicht mehr verkaufen können. Aus dem ganz einfachen Grund, dass die Leute nie einen wahren Anstieg der Kaufkraft erfahren haben. Sie haben einfach nur mehr Papier aus den Druckerpressen in ihren Händen. Sie haben nur gedacht, dass sie mehr ‚Geld’, oder mehr ‚Wohlstand’ oder mehr Kaufkraft haben.
Wenn die Produzenten aber erstmal feststellen, dass sie ihre zusätzlich produzierte Ware nicht verkaufen können, werden sie schnell gezwungen sein, die Produktion wieder zurückzufahren. Und dann erfährt die Wirtschaft eine Kontraktion ... eine Rezession ... einen Konjunkturrückgang, der dem vorangegangenen Betrug gleichwertig und entgegengesetzt ist.“
„Was meinst du damit?“
“Nur, dass inflationiertes Geld ein Betrug ist. Ein Schwindel, Nepp. Inflation, das sind einfach nur kleine Stücke Papier, die so tun, als wären sie echtes Geld. Es ist gefälschtes Geld. Je mehr man davon in das System pumpt, desto größer ist zuerst der Boom - aber auch die Krise am Ende.“
„Warum inflationiert man dann nicht einfach immer weiter?“
„Nun, das versucht die Regierung ja. Aber der Boom wird immer größer und größer ... und bald begreifen die Leute, was Sache ist, und dass die Preise steigen. Und dann braucht man eine Rezession um die ‚Inflationserwartungen zu dämpfen’, wie die Leute sagen. Und dann, wenn die Leute sich nicht mehr länger auf die Inflation verlassen, werden sie doch wieder von vorne auf den Inflationstrick hereinfallen.