Südafrikaner sehen die russische Vormacht beim Palladium schwinden
Daniela Knauer in Nebenwerte Daily zum Thema Rohstoffe
vom 23. Februar 2010, 17:00 Uhr
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Ich habe mich zur Beantwortung oben zitierter Frage noch einmal durch die verschiedenen Prognosen für Angebot und Nachfrage auf dem Palladiummarkt gewühlt. Egal wer diese erstellt hat und wie renommiert die dahinter stehende Institution ist - wir müssen immer im Hinterkopf behalten, dass es sich dabei um Prognosen handelt. Es sind Vermutungen, keine Tatsachen, die wir hier diskutieren.
Insofern kommt auch jede Prognose wieder zu einem anderen Ergebnis. Von einem deutlichen Überschuss bis zu einem eklatanten Mangel an Palladium sind verschiedenste Meinungen vertreten. Auch ich kann nur nach heutigem Kenntnisstand spekulieren (und aufgrund meiner Detailkenntnisse vielleicht ein wenig mehr zwischen den Zeilen lesen, was sich so hinter den Kulissen tut), wie sich das Verhältnis 2010 weiter entwickeln wird.
Südafrikanische Produzenten kämpfen gegen viele Probleme
Fakt ist: Die mit weitem Abstand größten Reserven an Platingruppenmetallen weltweit besitzen die Südafrikaner. Diese kämpfen jedoch an verschiedensten Fronten, was den möglichen Ausbau der Produktion angeht. Von massivem Energiemangel über Streiks, politischen Hindernissen wie möglicher Enteignung bis zum ungünstigen Währungskurs des Rand - die Minen bemühen sich schon seit Jahren darum, die Produktion auch nur auf gleichem Level zu halten. Bei dem großen Problemkreis sehe ich derzeit noch keine nachhaltige Verbesserung, bei möglichen Investments sollten Sie daher sehr selektiv auswählen.
Russlands Produktionshöhe hängt von der Nickelförderung ab
Viel besser sieht es in Russland als größtem Palladiumförderer auch nicht aus. Norilsk Nickel will zwar 2010 die Produktion steigern, aber ob das wirklich gelingt, ist nicht sicher. Zu sehr hängt die russische Produktionshöhe von der des Nickels ab, denn das Palladium stellt hier nur das Nebenprodukt dar. Das bedeutet, es hängt vor allem von der Nachfrage der Stahlindustrie nach Nickel ab, wieviel Palladium hier produziert werden kann. Auch die USA und Kanada arbeiten an einer Produktionsausweitung. Doch bisher ist keine Förderung in Sicht, die das von Implats angesprochene, mögliche Defizit von 810.000 Unzen Palladium decken könnte.
Nur die russischen Staatsvorräte können ein so großes Defizit decken
Es gibt nur einen, der dazu in der Lage wäre - das ist der oben angesprochene russische Staat. Denn dieser hat schon seit Jahren regelmäßig ein strukturelles Defizit des Marktes durch Verkäufe aus seinen strategischen Vorräten ausgeglichen. Es gibt aber immer wieder Gerüchte, dass diese Vorräte erschöpft seien. Leider lassen sich diese weder bestätigen noch widerlegen. Denn die Höhe der russischen Bestände sind Staatsgeheimnis.
Auffällig war aber seit März vergangenen Jahres, dass es keine russischen Exporte mehr in die Schweiz gab, über die traditionell diese Bestände in den Markt verkauft wurden. Es handelte sich dabei um jährlich durchschnittlich 1,2 Mio. Unzen, mit denen fehlende Primärproduktion ausgeglichen wurde.
Sind die russischen Lager leer?
Wichtige Metallhändler sagen, in der Schweiz solle noch Palladium in Größenordnungen von mehreren Millionen Unzen aus Russland liegen. Doch in Südafrika regen sich immer wieder Stimmen, die das dementieren. So behauptete bereits im August vergangenen Jahres der CEO von African Rainbow Minerals, immerhin Partner-Unternehmen der russischen Norilsk Nickel, die russischen Vorräte seien leer. Sein Gespräch mit der südafrikanischen Mining Weekly kam zu einem Zeitpunkt, als der Preis des Palladiums gerade in eine stabile Aufwärtsbewegung einschwenkte. In die gleiche Kerbe schlägt nun auch die angesprochene Aussage von Implats.
Wissen die Südafrikaner mehr, oder verfolgen sie eigene Ziele?
Die Frage ist nun: Wissen die Südafrikaner hier Genaueres? Oder sind das nur Vermutungen, die ihre eigene Position stärken sollen? Die Gerüchteküche brodelt immer wieder. Bisher ist der Preis des Palladiums zwar stärker als die Kurse anderer Edelmetalle, aber er ist trotz zusätzlicher Nachfrage der neuen ETFs noch nicht wirklich durch die Decke gegangen. Ich denke, der stabile Chart sagt uns, dass an den Gerüchten einiges dran sein könnte. Russland wäre nicht das erste Land, dessen strategische Vorräte eines wichtigen Metalls zu einem ungünstigen Moment zur Neige gehen. Das kann hinter einer solchen relativen Stärke stecken, solange noch nicht viele Marktteilnehmer von den Neuigkeiten wissen.
Wenn das stimmt, geht Palladium durch die Decke
Sollten sich diese Gerüchte tatsächlich bestätigen, kann Palladium für einige Zeit wieder einmal zum stärksten Edelmetall werden. Denn dieser Markt ist sehr eng. Schon einmal hatten wir eine solche unglaubliche Rallye, in deren Zuge Palladium sogar zeitweise teurer als Platin und Gold notierte. (Kennen Sie diese Geschichte? Oder soll ich in einem der nächsten Dailys einmal auf die damalige Berg- und Talfahrt und deren Gründe zu sprechen kommen? Schreiben Sie mir doch Ihre Meinung!). Der Preis schoss damals auf das seither nie wieder erreichte Niveau von 1.100 USD. Eine Entwicklung, unter deren Folgen manche Firmen noch Jahre später litten. Aber das wäre Thema für einen eigenen Daily.
Damit schließen wir also heute erst einmal. Wir sehen uns Freitag wieder. Ich freue mich schon auf Ihre weiteren interessanten Kommentare zu diesem spannenden Thema.
Herzliche Grüße,
Ihre Daniela Knauer
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Daniel Zuflucht (23.02. 2010 18:27 Uhr):
Hallo Frau Daniela Knauer, ja gerne würde ich von Ihnen die Geschichte übers Palladium mal auffrischen wollen.In Erwartung ihres diesbezüglichen Feedback`s verbleibe ich mit freundlichen Grüssen Daniel Zuflucht
Antworten- Antwort von Knauer (23.02. 2010 20:49 Uhr):
Na, dann machen wir das doch einfach demnächst, Herr Zuflucht.
- Antwort von Knauer (23.02. 2010 20:49 Uhr):
- Kommentar von Erich Tschopp (25.02. 2010 21:46 Uhr):
Frau Knauer, wie sehen Sie dieses Jahr die Situation beim Gold. Viele Analysten sprechen von Jahresendpreisen um die 1500 Dollar die Unze. Klar, niemand kann voraussehen, was wirtschaftlich und politisch noch passieren wird, aber die Finanzkrise ist noch bei Weitem nicht ausgestanden. Wie stehen Sie zu den Edelmetallen Gold und Silber?
Antworten- Antwort von Knauer (26.02. 2010 09:53 Uhr):
Prinzipiell stehe ich denen auch positiv gegenüber, Herr Tschopp. Ich kann gern demnächst wieder einmal auf die Aussichten von Gold und Silber genauer eingehen.
- Antwort von Knauer (26.02. 2010 09:53 Uhr):
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