Stress-Test für EU-Banken – warum Sie ihn nicht ernst nehmen müssen!
Friedrich Lange (Oxford Club) in Investors Daily
vom 3. August 2010, 18:00 Uhr
ENL5462
Der Stress-Test für EU-Banken - Warum Sie ihn nicht ernst nehmen brauchen!
In welchem Ausmaß halten deutsche Banken Staatsschulden?
Dies kann Ihnen niemand sagen. Der Stresstest der europäischen Finanzinstitute gibt ausgerechnet darüber keine Informationen.
Noch schlimmer: Sechs von 14 deutschen Banken wollen diese Positionen in ihren Büchern auch nach dem Belastungstest nicht freiwillig nennen.
Der Markt für Staatsschulden ist äußerst undurchsichtig. Sogar die Bundesschuldenagentur kennt nicht die Käuferkette. Niemand weiß, wer letztlich die Staatsbonds hält.
Ich halte dieses Informationsdefizit für hochgefährlich.
Die Wissenslücke ist riskant. Denn niemand kann vorhersehen, wie sich die Probleme in einer Schuldenkrise konkret entladen.
Anders ist die Lage in Österreich. Hier kennt der Staatsschuldenausschuss die Struktur der Staatsschulden der Banken des Landes. Der Stresstest konzentrierte sich auf das Bank- und das Handelsbuch.
Und ausgerechnet die Immobilienmärkte, welche die jüngste Krise maßgebend mit ausgelöst haben, wurden nur am Rande mit einbezogen. So wurde für Großbritannien, wo die Preise aktuell erst 10% unter dem Höchststand von 2007 liegen, wie für Deutschland ein maximaler Preisrückgang von 10% angenommen, für Spanien hingegen ein Minus von 35%.
Die ganze Aufregung um den Stresstest für Europas Banken halte ich daher für völlig übertrieben. Das wirkliche Risiko bleibt verborgen.
Bezeichnend finde ich allein die Absicht der Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union (EU), diese Risikoprüfung durchzuführen. Ziel ist, das in der Finanzkrise verlorene Anlegervertrauen wieder herzustellen. Damit wird Ihnen deutlich, dass dieser Stressdienst nicht echt ist.
Allein die Liste der geprüften Banken halte ich für zweifelhaft.
Beim Stresstest der 14 deutschen Institute wurden die Portfolien und Bücher allerdings bereits im Vorfeld im Handelsraum durchforscht und falls nötig gehedged (abgesichert) oder Bestände verkauft. Die Bundesregierung hatte entschieden, das Bankbuch nicht prüfen zu lassen. Damit fehltdem Stresstest jede Konsequenz. Das Handelsbuch wird täglich überwacht. Im Vergleich dazu ist das Bankbuch praktisch der Rückzugsraum der Handelsabteilung.
Im Bankbuch befinden sich die wirklichen Risiken, so beispielsweise Anleihen zum Buchwert. Dies ist oft der frühere Einkaufspreis. Unterstellt wird dabei, dass diese Anleihen bis zur Rückzahlung gehalten werden. Danach sind selbst südeuropäische Bonds im Bankbuch bei manchen Banken noch mit 100% bewertet.
Meine Meinung: Die Ergebnisse des Stresstests für EU-Banken sind weitgehend wertlos. Die Stunde der Wahrheit naht, wenn die Zinsen wieder steigen. Dann drohen den Banken massive Abschreibungen.
Friedrich Lange
Leiter Internationale Finanzmärkte
Oxford Club
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