Strengere Regeln
Mr N. N. in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 22. April 2010, 07:30 Uhr
ENL5454
Gestern wurde nach Beendigung des Börsenhandels in der Schweiz bekannt, dass per 30.6.2010 die Finanzmarktaufsicht der Schweiz (Finma) und die Nationalbank (SNB) den beiden Großbanken UBS und Credit Suisse schärfere Liquiditätsregeln abverlangen werden.
Neues Liquiditätsregime
Es soll nicht nur mehr Eigenkapital vorgehalten werden, sondern auch mehr Liquidität, die in erstklassigen liquiden Aktiven" zu halten sei. Diese Liquiditätsreserve solle Ausflüsse für mindestens 30 Tage abdecken, um den Großbanken und den Behörden die minimal notwendige Zeit zur Krisenentschärfung zu verschaffen. Des weiteren müssen die Großbanken monatlich nachweisen, dass die neuen Liquiditätsanforderungen erfüllt werden.
Ja, liebe Leserin, lieber Leser, das Kernelement des neuen Liquiditätsregimes der Finma bzw. SNB ist ein strenges Stressszenario". Dieses umfasst eine allgemeine Krise auf den Finanzmärkten und gleichzeitig einen Vertrauensverlust der Gläubiger in die Bank. Ein Schelm, wer nun vermutet, dass die Verantwortlichen in der Schweiz mit einer neuen Krisenwelle im zweiten Halbjahr 2010 rechnen.
Vielleicht mag ja auch mit im Hintergrund "schwelen", dass laut Economist allein die Schweizer Banken einer Schätzung zufolge zwischen 22 und 44 Milliarden Franken den klammen Griechen geliehen haben sollen. Die in Ländern der Eurozone ansässigen Banken sollen mit bis zu 85 Milliarden Euro im Risiko stehen. Ein griechischer Staatsbankrott könnte also Europas Banken erneut äußerst hart treffen.
Verhandlungen über die Bedingungen der Nothilfe
Damit es (noch) nicht so weit kommt, ist gestern in Athen eine 20-köpfige Delegation von IWF und EU eingetroffen, um mit der griechischen Regierung die Bedingungen für die 45 Milliarden Euro Not-Spritze für das Jahr 2010 konkret zu verhandeln. Obwohl die vermeintlichen Retter nunmehr hellenischen Boden unter den Füssen haben, zeigte sich der Rentenmarkt davon völlig unbeeindruckt. Die Rendite für zehnjährige griechische Staatsanleihen betrug zwischenzeitlich 8,3 Prozent, der Risikoaufschlag zu deutschen Bundesanleihen gut fünf Prozent.
Optimistischer Finanzminister
Dagegen bleibt Griechenlands Finanzminister Papakonstantinou optimistisch. Griechenland werde im Mai nicht auf dem Trockenen sitzen. Entweder leihe sich Griechenland das Geld am Markt oder bei seinen Partnern. Ja, der Herr Minister scheint sich der Sache, pardon Hilfe ziemlich sicher zu sein. Böse Auguren würden wohl die Woche ab dem 9.5. als bestens prädestiniert" zur Verabreichung" der Geldspritze erachten.
Natürlich wäre selbst mit einer solchen Rettungs-Spritze der Patient" Griechenland keinesfalls über dem Berg. Allenfalls wird damit zumindest erreicht, einen sofortigen Staatsbankrott in letzter Minute abzuwenden. Von Problemlösung bzw. Heilung kann aber nach wie vor nicht die Rede sein.
Selbst der IWF warnt, dass die anhaltende Sorge an den Finanzmärkten über die Zahlungsfähigkeit Griechenlands in eine ausgewachsene staatliche Schuldenkrise münden und zu einer Ansteckung führen könnte.
Ja, die nächsten Kandidaten wie Spanien oder Portugal warten schon, ehe die Wächter am Rentenmarkt sich langsam aber sicher zu den großen Schulden-Nationen wie Großbritannien vorarbeiten...
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Hans Frehner (22.04. 2010 11:03 Uhr):
Die Hilfe ist völlig zwecklos. Die Griechen werden es nicht schaffen. Besser wäre es, dass die Griechen wieder zum Drachmen zurückkehren und aus der EU austreten. Das wird so oder so passieren, einfach später. Wenn die Hilfe jetzt gewährt wird, werden auch die anderen Länder wie Spanien usw. gleich weitermachen, weil sie ja wissen, dass Ihnen ja dann auch geholfen wird. Ich verstehe nicht, warum die Deutschen nicht viel mehr auf die Barrikaden steigen, sie müssen ja das meiste dieser Zeche bezahlen. Ebenso schlimm finde ich die Idee, dass die Deutschen weniger exportieren sollen, um das Gleichgewicht auszugleichen. Super: Die Deutschen "krampfen" (arbeiten) jeden Tag wie verrückt, damit die Südländer ihre Siesta und die Sonne geniessen können. Soweit sind wir heute. Wer geniessen will, muss halt eben auch mit weniger Geld zufrieden sein. Aber da hat die EU mit dem Euro den grossen Fehler gemacht, und es gibt darum nur entweder Hilfe oder Austritt. Endlich wird einigen "Gscheiten" auch klar, dass die Mentalitäten in Europa viel zu verschieden sind. Leider etwas spät. Beste Grüsse aus der Schweiz.
Antworten- Antwort von Peter Harting (27.04. 2010 00:20 Uhr):
Ihr Kommentar spiegelt eine andere Auffassung, als sie in den deutschen Medien von den "Verantwortlichen", Minister Schäuble z.B. berichtet wird. Die Mentalitätsunterschiede zu erwähnen wäre fast schon ein Vergehen gegen das sogenannte Antidiskriminierungsgesetz.
- Antwort von Peter Harting (27.04. 2010 00:20 Uhr):