Streik!
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 15. August 2006 12:00 Uhr
ENL5454
Ach, ist doch immer wieder interessant, was für Nachrichten den Rohstoffmarkt beeinflussen. Beispiel Kupfer:
Da geht es gerade um „Stimmungen“. Und zwar die Stimmung der Bergarbeiter der Kupfermine Escondida. Obwohl, eine Mine ist es nicht, denn dort wird Kupfer übertage abgebaut. Und nicht zu knapp: Satte 8% der Kupferproduktion der Welt stammen von dort.
Der Kupferpreis ist in den letzten Jahren ja regelrecht explodiert, ich habe ja mehrfach darauf hingewiesen. Am eindrucksvollsten zeigt dies einfach ein Chart, also voilà;
Die Gewinne des privaten Betreibers von Escondida haben sich in den letzten Jahren rund verfünffacht. Und die Bergarbeiter haben meine volle Sympathie: Denn dieser miese Betreiber (ein Joint Venture aus den Bergbau-Multis BHP Biliton, 57,5% Anteil und Rio Tinto, 30% Anteil) wollte ihnen nicht einen Cent (bzw. Peso, denn das ist die chilenische Währung) Lohnerhöhung zugestehen – mit dem fadenscheinigen Argument, man „müsse sich gegen zyklische Schwankungen wappnen“.
Das ist ja nun wirklich einmal ein Fall, wo ein Streik gerechtfertigt ist. Da viele Rohstoff-Vorkommen in Emerging Markets (früher hätte man „Dritte Welt“ gesagt) liegen, ist es nur wünschenswert, dass die gestiegenen Rohstoffpreise auch zu einem Teil den Schuftenden vor Ort zugute kommen.
Jedenfalls hat dieser Streik weltwirtschaftliche Konsequenzen – wie so vieles in unserer globalisierten Welt: Denn schon jetzt kann die weltweite Kupferförderung kaum die Nachfrage befriedigen. Ein gutes Fünftel der weltweiten Fördermenge geht mittlerweile nach China, und der chinesische Drache will immer noch mehr und mehr.
Und genau deshalb haben die Bergarbeiter auch gute Karten: Denn die Tagesproduktion von Escondida liegt bei gut 3.000 Tonnen Kupfer – PRO TAG. Sie können sich denken, was der Kupferpreis machen wird, wenn diese Menge auf längere Zeit hin auf dem Weltmarkt fehlen wird…
…aber „auf längere Zeit“ ist wohl eher unwahrscheinlich: Denn ich bin mir ziemlich sicher, dass der Betreiber der Mine den Bergarbeitern recht schnell eine kräftige Lohnerhöhung zugestehen wird. Im Vergleich zu den täglich entgehenden Einnahmen ist eine solche Lohnerhöhung nämlich das, was Hilmar Kopper vielleicht als „Peanuts“ bezeichnen würde.
Fazit für uns als Trader: Kurzfristig dürfte dieser Streik dem Kupferpreis kein weiteres Potenzial mehr geben, eben weil der Streik nicht mehr lange dauern dürfte. Unabhängig davon bleibt Kupfer aber ein super Basiswert (aufgrund der boomenden Nachfrage, und des mehr oder weniger stagnierenden Angebots) - bei dem aber gilt: Einstieg am besten bei Rückschlag, wie letzten Mai gesehen.
Beste Grüße,
Michael Vaupel
