Strategische Ölreserven – nun sind sie weg!
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 15. September 2005 12:00 Uhr
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*** Die weltweite Ölproduktion liegt bei rund 84 Millionen Barrel am Tag. Ich glaube nicht, dass sehr viel mehr pro Tag gefördert werden kann. Und es ist mir völlig egal, was Kronprinz Abdullah aus Saudi Arabien oder Präsident Putin zu den Ölreserven oder der Produktion zu sagen haben.
Auf den größten Ölfeldern der Welt ( den sog. "Elefantenfeldern") geht die Produktion zurück, und das erinnert an das Gefühl, dass man über den Gipfel hinweg ist und der Abstieg beginnt.
84 Millionen Barrel am Tag, an 365 Tagen im Jahr. Das entspricht 30 Milliarden Barrel Öl, die wir im Jahr abschöpfen. Selbst die gesamte Ölindustrie der Welt kann es nicht schaffen, so viel Öl durch das Auffinden neuer Reserven zu ersetzen.
Bedeutet das, dass der Ölpreis zwangsläufig weitersteigen muss?
Aktuell wäre ich vorsichtig (deshalb habe ich momentan auch kein Erdöl Long-Zertifikat empfohlen, mit dem Sie von einem weiter steigenden Erdölpreis profitieren könnten). Denn am Golf von Mexiko sind weniger Ölförderanlagen als vielmehr Raffinerien beschädigt worden. Und Raffinerien verarbeiten Erdöl zu Benzin. Das bedeutet: Aktuell mangelt es weniger an Erdöl, als an Raffineriekapazitäten.
Übrigens ist es deshalb völlig armselig, dass die deutsche Regierung die strategischen Erdölreserven jetzt auf den Markt geworfen hat. Diese Reserven sind nun weg – und ob sie zu günstigen Kursen unter 50 Dollar je Barrel wieder eingekauft werden können, wage ich zu bezweifeln.
*** Und noch ein Grund gegen einen EU-Beitritt der Türkei:
Auf einer von "Transparency International" erstellten "Korruptionsliste" liegt die Türkei auf Platz 77, von 146 untersuchten Ländern (je weiter unten, desto korrupter das Land). Zum Vergleich: Die ersten Plätze gehen an Finnland, Neuseeland, Dänemark, Island. Die Schweiz landet auf Platz 7. Österreich ist auf Platz 13, Deutschland auf 15.
Die Türkei wie gesagt auf Platz 77. Das ist knapp HINTER Staaten wie Gabun, Weißrussland, Jamaika.
*** Vor einigen Tagen war ich mit einem Freund per Auto eine längere Strecke unterwegs, dieser Freund hatte zwei Mitfahrer mitgenommen ("Um die Spritkosten etwas reinzuholen".) Einer dieser Mitfahrer berichtete, dass er gerne Autos überführt – weil er so gerne "rast". Auf Geschwindigkeitsbeschränkungen angesprochen, meinte er sinngemäß: Die würde er natürlich ignorieren, er habe schließlich eine Rechtsschutzversicherung. Er würde es dann immer auf einen Prozess ankommen lassen, und bis jetzt sei er immer freigesprochen worden. "Das Wichtigste sei, nie irgendetwas zuzugeben." Und da die Justiz so überlastet sei, sei er bis jetzt immer ungeschoren davon gekommen.
Jetzt weiß ich wenigstens auch, wie ein großer Teil meines Verkehrsrechtsschutz-Beitrags verwendet wird. Und ich bin froh, kein Jurist geworden zu sein – weil ich nicht unbedingt froh wäre, wenn ich so jemanden verteidigen müsste.
Viele Grüße,
Michael Vaupel