Stopp-Strategie an einem einfachen Beispiel
Tom Firley in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 15. Oktober 2010, 20:00 Uhr
ENL5454
Betrachten Sie bitte folgenden Wochen-Chart der E.on-Aktie. Hier habe ich mit Kreisen verschiedene Einstiegs- bzw. Kaufzeitpunkte gekennzeichnet. Um es ganz einfach zu machen, habe ich einen 52-Wochen-GD (grüne Kurve) als Signalgeber für einen Einstieg herangezogen. Dieser Gleitende Durchschnitt entspricht in etwa meinem 256-Tage-GD, mithin einem gleitenden Jahres-Durchschnitt.
Chart E.on mit Trailing Stopp Strategie
Wie gestern dargestellt, nutze ich einen Trailing Stopp (nachlaufender Stopp). Das bedeutet, jedes Mal wenn der Kurs ein neues Hoch erreicht, ziehe ich den Stopp nach. Im Chart-Beispiel habe ich dies mit den Rechtecken gekennzeichnet. Jedes Rechteck entspricht einer „Länge" von 10% Kurs-Verlust. Das bedeutet:
Wenn nach einem Einstieg (Kreis) die Unterkante des darauf folgenden Rechtecks unter dem Kreis liegt (also dem Einstiegskurs), dann hätte der Investor einen Verlust gemacht. Im Beispiel ist dies genau einmal der Fall und zwar beim schwarzen Rechteck... aber der Reihe nach. Wir betrachten die Kreise und Rechtecke von links nach rechts. Bitte bleiben Sie dran, der A-HA-Effekt kommt gleich! Also:
Die ersten drei roten Ein- und Ausstiege brachten keine nennenswerten Erfolge, aber immerhin auch keine Verluste. Unterm Strich waren es 7,5 Prozent. Dies erkennen Sie auch an den „neutralen" Smileys.
Die schwarze Kombination brachte einen Verlust von etwa 10% (der Smiley ist sauer...).
Dann erfreulich: Mit den nächsten beiden grünen Trades haben Sie Ihren Einsatz unterm Strich weit mehr als verdoppelt, also über 100% Gewinn erzielt (die Smileys grinsen).
JETZT DAS ALLERWICHTIGSTE (und die Daseinsberechtigung für Stopps):
Sie sehen den nächsten roten Trade mit dem Smiley und dem Ausrufezeichen. Mit diesem Trade hätte der Anleger zwar keinen Gewinn gemacht, aber ihm wäre ein außerordentlicher Verlust erspart geblieben. Und das ist ja gerade der Sinn von Stoppkursen. Der Einstieg in die E.on-Aktie wäre übrigens bei etwa 41 Euro gewesen und aktuell steht die E.on-Aktie bei etwa 22 Euro... wer hier ohne Stopps gearbeitet hätte, läge knapp 50 Prozent im Minus.
Der nächste rote Trade war wieder ein Null-Summen-Spiel.
Unterm Strich: Natürlich gibt es ausgeklügeltere Einstiegs-Signalgeber als einen einfachen GD. Aber darauf kam es heute auch nicht an (wobei sich das Ergebnis mit diesem simplen GD doch sehen lassen kann...). Denn was viel wichtiger ist an der Börse: Trends erkennen, Gewinne laufen lassen und Verluste begrenzen.
Das ist eigentlich gar nicht so schwer, wenn man sein Börsen-Ego abschalten kann und einsieht, dass man sich keine Kurse hochwünschen kann.
Und dafür gibt es Stopps.
Ob Sie diese nun mental befolgen oder gleich in Ihr Order-System eintragen ist schlussendlich egal. Das wichtige ist, DASS Sie sie befolgen.
Viel Erfolg an der Börse und ein schönes Wochenende
Ihr
Tom Firley
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Stefan (15.10. 2010 20:52 Uhr):
Wie funktioniert das Nachziehen konkret? Auf Tagesbasis? Ist also ein neues Hoch erst erreicht, wenn der Schlusskurs des folgenden Tages niedriger liegt? Und wie viel höher muss das neue Hoch liegen? Oder wird das Pi mal Daumen entschieden? Unter "Trailing Stop" verstehe ich eigentlich nur einen automatisch mitlaufenden Stop (% oder Abstand). Der mentale Stop hat Probleme. Was tun im "negativen Fall": Er wurde gerissen, ich sehe das aber erst, wenn der Kurs schon wieder viele % niedriger liegt. Sofort verkaufen, oder mit Limit? Und was tun im "positiven Fall": Er wurde gerissen, ich sehe das aber erst, wenn der Kurs schon wieder über dem Stop liegt. Trotzdem verkaufen, oder sich freuen, noch einmal davongekommen zu sein?
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