"Stock Picking in fortgeschrittenen Märkten": Wie sollten Anleger jetzt handeln?
Investors Daily
vom 01. April 2008 18:00 Uhr
ENL5454
Daniela Knauer
Roger Peeters, Leiter der "Platow-Börse" sieht die Börsenwelt in nächster Zeit nicht so rosig wie seine beiden Vorredner. Besonders aus der Finanzkrise sieht er noch ernste Bedrohungen heraufziehen. Im Gegensatz zu Daniel Bernecker betonte er die Verschlechterung der Kreditsituation für die Unternehmen, denn der Risikoaufschlag steigt. Das bedeutet, gesunde Unternehmen können zwar weiterhin Geld am Kapitalmarkt aufnehmen, doch die zu zahlenden Zinsen verteuern sich deutlich. Die Renditespreads liegen bereits über denen von Ende 2002 und zeigen damit die Brisanz der Situation. Die Inflation sieht er vor allem als amerikanisches Phänomen, das durch die Schwäche des US-Dollars in anderen Währungen gemildert wird. Bezüglich der Bewertung der Aktien mahnt er an, das KGV vorsichtig zu betrachten. Denn wenn es zu fallenden Gewinnen kommt, kann dieses sehr schnell steigen. Andere Bewertungskriterien wie z.B. das Kurs-Cashflow-Verhältnis lassen den Dax schon nicht mehr so günstig erscheinen. Die Krise bei den Finanzinstituten hält seiner Meinung nach noch weiter an, denn vor allem durch die fallenden Preise am Immobiliemarkt kommen immer wieder neue Belastungen auf die Banken und Hausbesitzer zu. Eine weitere Gefahr ist der US-Konsum, der zu großen Teilen für die amerikanische Wirtschaftsleistung entscheidend ist. Sollte er weiter schwächeln, kann nur ein Nachfrageschub aus den Emerging Markets die weltweite Konjunktur retten.
Auch Roger Peeters sieht keine Möglichkeit für die FED, die Zinsen in absehbarer Zeit zu stiegern. Seine Begründung: Die Verschuldung der US-Verbraucher ist mit 14,5% des Einkommens bereits so hoch, dass schon eine Verdopplung der Zinsen die amerikanischen Bürger in den Ruin treiben würde, denn dann müssten sie unvorstellbare 29% ihres Einkommens dafür aufbringen. Sein Fazit für Ihre konkreten Anlagen lautete: Cash bleibt King, denn die Gefahren sind noch zu groß für eine hohe Investitionsquote. Wenn Anleger gerade mit Blick auf die Abgeltungssteuer jetzt kaufen wollen, sollten sie Aktien mit folgenden Kriterien bevorzugen: Substanzwerte mit hoher Eigenkapitalquote, Profiteure eines schwachen US-Dollars und strategische Übernahmeziele. Dabei sollten Sie nicht die gefallenen Engel aufsammeln, die optisch günstig erscheinen, sondern auf Aktien mit relativer Stärke achten, die den Markt aufgrund der vorgenannten Faktoren outperformen. Beispiele für Unternehmen, die diese Kriterien erfüllen, sind seine vier Top-Empfehlungen: K+S, Stada, Volkswagen und WMF Vorzüge.
Interessante Diskussionen bei einem Essen in geselliger Runde
Mit diesen Empfehlungen endete die erste Hälfte des Börsenbrieftages. Die Teilnehmer hatten nun Gelegenheit, beim gemeinsamen Mittagessen mit den Referenten noch einmal in geselliger Runde das Gehörte zu diskutieren. Lesen Sie morgen im zweiten Teil meines "Berichts aus Bonn", welche interessanten Empfehlungen es im weiteren Verlauf aus dem Bereich der Intermarket-Faktoren gab. Top-Thema des Tages war der letzte Vortrag, der alle deutschen Anleger in diesem Jahr bewegt: Was sollten Sie tun, um sich optimal auf die kommende Abgeltungssteuer vorzubereiten?
Herzliche Grüße von Ihrer Berichterstatterin aus Bonn
Daniela Knauer