Stimmungsschwankungen
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 14. Februar 2006 18:00 Uhr
ENL5454
Das weltweite Experiment mit dem Papiergeld geht im gleichmäßigen Takt – wie eine griechische Tragödie – in Richtung der vorherbestimmten Katastrophe. Der Dollar ist Ende letzter Woche im Vergleich zum Gold gefallen. Fast alle finanziellen Vermögenswerte fallen im Vergleich zu Gold. Das Nur-Papier-Geld ist dem Untergang geweiht.
Ich habe diese vergangene Woche in einer seltsamen Stimmung begonnen, aber als sie endete war ich schon besser gelaunt. Was war in der Zwischenzeit passiert? Nicht viel. Meine fünf großen 'E's rücken – wie eine Invasion der scharfen Stecknadeln – in Richtung der aufgeblasenen Illusionen und Betrügereien des frühen 21. Jahrhunderts immer weiter voran. Die Tage der billigen Energie gehen ihrem Ende zu ... und das sehr schnell. Es gibt immer weniger davon und immer mehr Leute wollen ihren Anteil.
Der lange wirtschaftliche Zyklus vom Ende des 20. Jh. hat augenscheinlich seine Spitze hinter sich gelassen. Fast ein viertel Jahrhundert lang ist Gold gefallen und Aktien sind gestiegen. Sie sollten sich jetzt auf einen entgegen gesetzten Trend einstellen.
In der Zwischenzeit hat das amerikanische Imperium die dekadente Phase erreicht. "Es schien so als machte das britische Imperium die Welt zu einem besseren Ort", sagten die englischen Gäste, die ich Ende letzter Woche zum Abendessen eingeladen hatte, "die Qualität der Sitten, der Stil, die Architektur, das Verhalten und das Leben selbst – wenn man einmal vom technischen Fortschritt absieht – erreichten ihren Gipfel in der edwardianischen Ära vor dem Ersten Weltkrieg. Die Männer, zumindest die einer bestimmten Klasse, versuchten sich wie Gentlemen zu verhalten. Aber das passierte alles zu einer Zeit, als das Imperium politisch seinen Gipfel überschritt ... und den wirtschaftlichen Gipfel schon hinter sich hatte.
Sie konnten an jeden Ort des Imperiums gehen – von Afrika bis zu den malayischen Halbinseln, von Indien bis Neuseeland – und einen guten Drink oder eine gute Unterhaltung finden. Aber das Imperium wurde von Leuten der gleichen Klasse geführt ... Leuten, die die Pflicht hatten, bestimmte Standards des zivilisierten Verhaltens einzuhalten ... zumindest die, die wir Engländer dafür hielten. Amerika hat nicht die gleichen, hingebungsvollen Staatsdiener, und auch nicht den gleichen Geist der Selbstaufgabe für die Krone und das Land."
Die Amerikaner opfern viel für ihr Land: Sie opfern ihre Ersparnisse für große Häuser, die sie sich nicht wirklich leisten können, sie opfern ihre Gesundheitsversorgung und angemessene Löhne für eine Stelle bei Wal-Mart.
Der Exodus von Macht und Geld vom Westen in den Osten dauert noch immer an. Ende letzter Woche stand in der Presse, dass der indische Autohersteller "Tata-Motors" auf einen Gewinnanstieg von 46 % in der letzten Phase blickt. Und die Weltbank rechnet damit, dass die chinesische Wirtschaft dreimal so schnell wachsen wird wie die amerikanische.
Aber in der amerikanischen Heimat entlassen die Autohersteller, die dort ihren Sitz haben 60.000 Arbeiter, sie beschneiden die Löhne und kämpfen, um im Geschäft zu bleiben. Obwohl es keiner weiteren Beweise für den Untergang des amerikanischen Imperiums mehr bedarf, wurde ein weiterer Beweis für die die imperiale Dekadenz und die politische Dummheit von Senatorin Hillary Clinton geliefert. Laut der Detroit Free Press kam sie in die Stadt der Autos, nicht um sie zu begraben, sondern um sie zu loben und zu subventionieren.
Die Senatorin aus New York schlug einen "Marshall Plan" für Detroit vor, mit dem üblichen Schinken und Fett, den man dick über der ganzen Stadt verteilen wollte. Dann hielt sie den Arbeitern der Autoindustrie einen Vortrag darüber, was nötig wäre, ihren Teil vom Kuchen abzubekommen: "In einer Demokratie", wird die ehemalige Präsidentengattin, die bessere Hälfte von Bill und die einstige Rinder-Traderin zitiert, "muss man gewinnen, um etwas zu sagen zu haben." Mit anderen Worten, wenn man jemandem das Geld aus der Tasche ziehen will, dann muss man sich anstellen und wählen. Zu gegebener Zeit vermutlich Frau Clinton.
Ich dachte, dass George Bush einen Standard für politische Unterhaltungen gesetzt hätte, der in vielen Jahren nicht zu überbieten wäre. Die Hürden aus Dummheit und Leere wurden während seiner Amtszeit so hoch gesetzt, dass ich nicht erwartete, dass der Rekord in den nächsten Präsidentschaftszeiten gebrochen würde. Also war ich froh als ich sah, dass diese Dame auf ihre Kosten kam. Ihre Kommentare und Vorschläge, so wie sie in der Zeitung berichtet wurden, waren so sinnlos, dass ich nicht einmal darüber lachen konnte, ich war den Tränen nahe.
Abgesehen von den fünf großen 'E's genieße ich den Glanz des Endes der Blasen-Zeit. Denn was könnte einem daran nicht gefallen.
Die Häuser werden immer noch für mehr Geld verkauft, als sie wert sind und genauso die Aktien. Verbraucher geben immer noch Geld aus, das sie nicht haben. Das reichste und mächtigste Imperium der Welt leiht sich immer noch Geld von armen Menschen aus armen Ländern. Und der ehemalige Vorsitzende der amerikanischen Zentralbank erhält 250.000 Dollar, weil er an einem schicken Abendessen in Manhattan teilnimmt.
Dieser letzte Nachrichtenbeitrag führte unter den Hochnäsigen zu einem Hochziehen der Augenbrauen und einem Räuspern. Sie hatten auf der Basis der Vorstellung gearbeitet, dass Greenspan eine Art Heiliger ist. Sicher, er wandelte unter uns und stellte sicher, dass wir alle genug Dinge besitzen können – und sogar mehr als notwendig gewesen wäre. Er hat natürlich das Leitungswasser in New York in Chateau d'Yquem verwandelt und ist barfuß über den Potomac River in Washington gelaufen. Jetzt sind sie alle entsetzt, weil sie feststellen, dass der Mann in Weiß sich bückt, um einige Geldstücke aufzuheben.
Manchmal fühle ich mich so, als sei ich der einzige auf der Welt, der den Meister wirklich versteht. Nichts von dem, was er tut, überrascht mich, weil ich es genauso machen würde. Die Leute wollen mehr Geld? Nun, dann sollen sie auch mehr haben.
Und jetzt, da er nicht mehr im Amt ist, versucht er für sich selbst etwas von dem grünen Zeug zu sichern. Warum auch nicht.
Es macht mir auch nichts aus, der er den Reichen und Mächtigen Insiderinformationen gegeben hat. Tatsächlich gefällt mir die Art und Weise mit der er sie dafür bestraft hat, und ich hoffe, dass er seine eigenen Trades im Trockenen hatte, ehe die Nachrichten die Finanzwelt erreicht haben.
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