Stimmungsschwankungen am Markt
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 19. September 2008, 07:30 Uhr
ENL5454
Die Finanzindustrie hat mehr als jeder andere Industriezweig von der Kreditexpansion profitiert. So ergibt es Sinn, dass es heute der Industriezweig ist, der am meisten leiden muss, wenn die Kredite in die andere Richtung gehen.
In dieser Hinsicht ist die Geschichte ein guter Wegweiser, wenn es darum geht, was zu erwarten ist. Man kann das breite Bild der Zukunft ungefähr abschätzen, wenn man berücksichtigt, was man über die Vergangenheit weiß... und wenn man sich seine Mitmenschen ansieht. So wissen wir beispielsweise, dass die Investoren die Neigung haben, von einem Extrem zum anderen zu gehen.
Erst haben sie Angst vor Krediten ... und dann haben sie das Gefühl, die Kredite sind ihre besten Freunde in der Welt. Und dann fühlen sie sich sehr optimistisch, wenn sie an die Zukunft denken...und dann wieder pessimistisch. Diese Gefühle haben Folgen für den Markt. Und wenn sie gut gelaunt und sorglos sind, dann sind sie bereit, zu sehr geringen Zinssätzen Geld zu verleihen. Warum nicht? Sie sind sicher, dass sie ihr Geld zurückbekommen werden. Und wenn sie sich gut fühlen, dann werden sie in wilde Programme investieren und auch in halbgare Projekte. Es läuft alles gut, warum also nicht?
Aber dann ändert sich die Stimmung wieder. Die Programme scheitern. Die Leute verlieren Geld. Und nach und nach fangen sie an zu glauben, dass die Zukunft mehr schlechte als gute Tage für sie bereit hält. Sie machen sich dann nicht nur Sorgen, dass sie ihr Geld vielleicht nicht zurückbekommen, sie haben auch die Befürchtung, dass das Geld, das sie zurückbekommen, weniger wert sein wird, als das Geld, das sie ursprünglich verliehen haben. Zum Gipfel der Ertragskurve im Jahr 1982 wollten die Investoren 14% Zinsen, ehe sie bereit waren, ihr Geld an die amerikanische Regierung zu verleihen.
Wenn sie in düsterer Stimmung sind, dann wollen sie auch höhere Dividenden für ihre Aktien. Die Tage sind vorbei, an denen man noch glaubte, dass man Aktien kaufen und reich werden könnte. Sie glauben heute, dass wenn eine Aktie nichts einbringt - mit jährlichen Dividenden - die Aktie gehen muss. Während der Weltwirtschaftskrise haben die Aktienmarktinvestoren Aktien auf ein so geringes Niveau verkauft, dass sie eine durchschnittliche Dividende von 10% einbrachten.
Davon sind wir heute immer noch weit entfernt. Die Erträge einer zehnjährigen Schatzanleihe sind bei über 3,7% - aber immer noch 200 Basispunkte unter dem Niveau der Verbraucherpreisinflation. Und das soll heißen, dass die Erträge auf die Schatzpapiere effektiv im negativen Bereich liegen. Sie sind damit aber immer noch besser als die Dividendenerträge, die im Schnitt bei nur 2,5% liegen. Die Anleger glauben immer noch, dass ihre Aktien steigen werden, so dass sie bereit sind, Dividendenerträge von weniger als der Hälfte der aktuellen Verbraucherpreisinflation akzeptieren.
Aber wir sind auf dem Weg in eine andere Richtung. Lehman macht Pleite. AIG muss kämpfen... und um eine Finanzspritze bei der Regierung betteln. Die Häuser in Kalifornien sind heute 30% weniger wert... und die Preise fallen immer noch.
Alan Greenspan, der mehr Verantwortung für den aktuellen Stand der finanziellen Angelegenheiten trägt als irgendein anderer, sagt, dies sei ein Ereignis, das es nur einmal im Jahrhundert gibt." Diesmal könnte er richtig liegen.
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