Stimmungen sind marktentscheidend
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 26. Mai 2004 18:00 Uhr
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Man könnte ja auf die Idee kommen zu sagen, kaum steigen die Märkte, schon bringen die Amis eine Terrorwarnung heraus. Das ist natürlich Blödsinn. Aber trotzdem frage ich mich gerade, was passieren würde, wenn der Markt nun einfach, trotz hohem Ölpreis und geopolitischen Faktoren, trotz Zinserhöhungssorgen doch viel schneller die Seitwärtsbewegung nach oben verlassen wird, als es vielleicht gewollt ist.
Die Terrorwarnung bestätigt eigentlich nur, dass auch die US-Geheimdienste sich Sorgen machen. Wie gesagt, nach dem wahlbeeinflussenden Terroranschlag in Spanien, könnten Terroristen in Versuchung geraten, ähnliches auch in den USA zu versuchen. Das dürfte die Ursache dieser Warnung sein.
Das letzte Tief im Dax war doch ein schönes Beispiel dafür, wie Seitwärtsbewegungen funktionieren. Am Tief sah es wirklich düster aus, die Analysten in den großen Medien rechneten vor, wie welcher Ölpreis die Konjunktur belasten könnte. Überall hörte man Stimmen, ob es in den USA nicht doch übertrieben worden ist. Kurz: Die Angst vor weiter fallenden Kursen war groß. Und was machen die Indizes? Sie steigen, einfach so – trotz hohem Ölpreis, trotz all den Gefahren. Sie steigen, weil alle diejenigen, die Angst hatten, ihre kurzfristigeren Position bereits glatt gestellt haben. Sie steigen, weil keiner mehr verkaufen wollte. Kaufe die Angst, heißt es.
Und genau das gleiche wird passieren, wenn wir die obere Begrenzung erreichen. Die Euphorie wird hoch sein. Alle werden neue Hoch prognostizieren. Natürlich nachdem sie bereits eingestiegen sind. Und dann? Wenn alle eingestiegen sind und sich gegenseitig bestätigen, dass man nun kaufen sollte, dann wird es fallen, denn genau dann fehlen die Käufer. So funktioniert eine Seitwärtsbewegung.
Ich höre mir aus diesem Grund morgens immer N-TV und Bloomberg an, mittlerweile habe ich ein Gefühl dafür entwickelt, wann diese Analysten mal wieder zu ängstlich oder zu euphorisch sind. Hilfreich sind natürlich auch die vielen Analystenstimmen im Internet.
Nicht anzuraten ist es, bei einer Seitwärtsbewegung auf den Bruch dieser zu traden. Eine Seitwärtsbewegung bricht nur einmal, läuft aber meistens viele Male innerhalb ihrer Grenzen hin und her.
Allerdings neigen Seitwärtsbewegungen dazu, ihre Grenzen hin und wieder ganz kurz zu überschreiten, um Investoren in die Falle zu locken. Ein Bruch nach oben ist also KEIN Kaufgrund. Zu häufig stellt er sich als "false Break", falscher Bruch heraus.
Es gibt aktuell einen kleinen Hinweis, der für einen solchen False Break spricht. Das wirkliche Tief der Seitwärtsbewegung bei 3692 Punkten im Dax wurde nicht erreicht. Der Dax drehte schon vorher nach oben. Wir sind also quasi etwas höhenlastig. Das könnte den Dax über die Jahreshoch treiben – kurzfristig.
Dieser Hinweis könnte aber auch genauso dafür stehen, dass wir die 3925er Marke im Dax nicht überschreiten und dann nach unten wegbrechen. Falls diese 3925er Marke nicht überwunden werden kann, dann ist der aktuelle Anstieg mit hoher Wahrscheinlichkeit nur eine Konsolidierung in einem größeren Abwärtstrend! Vereinfacht: Sollte der Dax nun an dieser Marke abprallen und wieder unter die 3800 Punkte Marke fallen, besteht die Gefahr weiter deutlich fallender Kurse. Wird die 3925 Punkte Marke nachhaltig überschritten, muss man damit rechnen, dass die 4170er Marke erreicht wird.
Das ist die momentane Situationsbeschreibung. Auch wenn ich es schon mehrfach geschrieben habe: Nirgends sonst gilt mehr, Kaufe die Angst, verkaufe die Euphorie, als bei einer Seitwärtsbewegung. Das ist besonders wichtig, da wir uns höchstwahrscheinlich in den nächsten Jahren in einer großen Seitwärtsbewegungen aufhalten werden. Diese kann durchaus 12, 15 oder sogar 20 Jahre andauern.
Heute bin ich auf die Analysen und Prognosen eines ganz ungewöhnlichen Börsenfachmanns gestoßen. Dieser Mann sitzt tief in der bayerischen Provinz. Er hat mit seinen Empfehlungen selbst in den Krisenjahren 2000–2002 keinerlei(!) Verluste gemacht, sondern sogar noch im zweistelligen Bereich zugelegt. Seit Januar 2003 bis jetzt sogar 50 %. Doch ich möchte jetzt noch mal alle Zahlen gegen prüfen, bevor ich Ihnen morgen mehr dazu sagen kann ...