Steuerverschwendungssteuer statt Transaktionssteuer
Sven Weisenhaus in Wave Daily
vom 28. Mai 2010, 13:00 Uhr
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WOW ! Das war mein erster Gedanke, als ich gestern Abend vom Wirtschaftsclub in Düsseldorf nach Hause kam und ein Blick auf die Börsenkurse warf.
+ 4,82% im X-DAX um 22.00 Uhr (Der X-DAX gibt die Entwicklung des DAX vorbörslich und nach Xetra-Schluss wieder),
+ 4,41% im späten X-MDAX,
+ 4,01% im X-TecDax.
Auch die US-Indizes konnten ordentlich zulegen:
+ 2,85% im DowJones,
+ 3,73% im Nasdaq Composite.
Wer will da eigentlich noch von Krise reden? Na ja, zumindest Maybrit Illner und ihre Gäste auf ZDF. Mein zweiter Blick, nach dem Blick auf die Kurse, galt dem spätabendlichen TV-Programm. Während ich Teile des heutigen Beitrags schrieb, schaute ich mir zudem noch Kerner an, bei dem zufälliger Weise ebenfalls ein Beitrag über die Finanzmarktkrise lief. Qualitativ hochwertig waren die Informationen in dem eingespielten Beitrag und in den Diskussionen danach natürlich nicht - und teilweise sogar falsch.
Kurzfristige Prognosen machen derzeit keinen Sinn
Die Kurse heute Morgen können sich zunächst auf dem hohen Niveau von gestern Abend halten. Ich könnte mir im Laufe des Tages jedoch, aufgrund des langen Wochenendes in den USA, Gewinnmitnahmen vorstellen. Am Montag findet in den USA wegen des Memorial Day, der jedes Jahr am letzten Montag im Mai gefeiert wird, kein Handel statt.
Eine weitere DAX- oder EUR/USD-Analyse lohnt aktuell nun wirklich nicht. Wer will denn behaupten, egal nach welcher Methode die Charts analysiert werden, solche Kursbewegungen wie in den letzten Tagen prognostizieren zu können?! Ich fühle mich mit den zuletzt veröffentlichten Analysen zum Euro und zum DAX derzeit sehr wohl. Solange die Trends halten, gibt es hier keinen Handlungsbedarf. Allerdings plane ich, den DAX in einem der nächsten Beiträge auch im etwas kurzfristigeren Bild für Sie zu analysieren. Haben Sie jedoch Verständnis dafür, dass es bei der derzeitigen Volatilität absolut keinen Sinn macht, die Kursbewegung für den nächsten Tag bestimmen zu wollen. Selbst Elliott-Wellen-Analysen (auch von anderen Charttechnikern) geben derzeit im Ergebnis diverse kurzfristig mögliche Szenarien an. Was soll mir oder Ihnen das als Anleger denn sagen? Welche Handlungsempfehlung will man daraus ableiten?
Finanzmarktsteuer- die Zeche zahlt der Kunde
Mein heutiger Beitrag soll daher den aktuellen Diskussionen um eine mögliche Finanzmarktsteuer gelten. Glaubt wirklich einer der EU-Politiker, der diese Steuer fordert, an deren Wirksamkeit? Das Anlagekapital ist in einer globalisierten Welt und mit den heutigen technischen Möglichkeiten mobil und wandert einfach ab an Finanzplätze, an denen eine solche Steuer nicht erhoben wird. Und global wird eine solche Steuer derzeit (noch) nicht umsetzbar sein, zumindest kurzfristig haben sich bereits einige Staaten außerhalb der EU dagegen ausgesprochen.
Eine europäische Lösung zeichnet sich derzeit dennoch ab. Doch trifft diese Steuer wirklich nur die "bösen" Spekulanten oder nicht auch jeden, der am Finanzmarkt versucht sein kleines Vermögen noch ein wenig auszubauen oder sich eine Altersversorgung zu schaffen?! Die Steuer wird doch letztlich direkt oder indirekt vom Steuerzahler bezahlt in Form von höheren Gebühren. Und das Schlimmste ist, dass der Bürger den Feldzug unserer Politiker gegen die bösen Spekulanten aufgrund der (wie üblich) einseitigen, teilweise falschen und undifferenzierten Berichterstattung in den Medien und der Hetze unserer Volksvertreter auch noch lautstark unterstützt.
Nur ein Ablenkungsmanöver
Ich halte diese ganze Diskussion um die "bösen Spekulanten", die diese Krise angeblich verursacht haben, für ein geschicktes Ablenkungsmanöver. Die aktuelle Krise wurde einzig und allein durch die falsche Haushaltspolitik der verschiedenen Staaten verursacht. Bezogen auf die Euro-Spekulationen liegt die Ursache insbesondere in der Aufnahme wirtschaftlich schwacher Länder in den Euro-Verbund und der Aufweichung der Maastricht-Kriterien. Wer hat denn tatsächlich geglaubt, dass man trotz leerer Kassen weiterhin im Überfluss Gelder aus dem Fenster werfen könne?! Aber mit ernsthaften Sparmaßnahmen gewinnt man eben keine Wählerstimmen. Da wird lieber weiterhin eine Sozialpolitik betrieben, bei der jeder wie im All-Inclusive-Urlaub für wenig Gegenleistung viel (schlechte Qualität) bekommt.
Was heißt eigentlich Spekulation?
Die Spekulanten haben sich die Schiefstände zu Nutze gemacht und diese durch ihre Spekulationen nun lediglich aufgedeckt. Und bitte führen Sie sich doch einmal vor Augen, was ein "Spekulant" überhaupt ist. In Wikipedia ist dies wie folgt definiert: "Spekulation ist in der Wirtschaft eine auf Gewinnerzielung aus Preisveränderungen gerichtete Geschäftstätigkeit."
Spekulanten setzen auf "Fehleinschätzungen der Märkte" aufgrund unterschiedlicher Markterwartungen. Spekulationen führen in Summe zu einer Marktanpassung und einer Bereinigung dieser Fehleinschätzungen. Die aktuelle Euro-Abwertung ist also lediglich eine Anpassung des Preises an die veränderten fundamentalen Rahmenbedingungen. Wegen der schlechten Haushaltspolitik und der daraus resultierenden finanziellen Schieflage einiger Staaten wurde der Euro schlicht und ergreifend im Preis gegenüber anderen Währungen angepasst. Finanzmärkte reagieren sehr sensibel auf Veränderungen - Spekulanten verstärken diesen Trend höchstens.
Natürlich können Spekulationen auch zu Übertreibungen führen, aber haben Sie schon mal davon gehört, dass Spekulanten es geschafft haben, ein funktionierendes System in die Knie zu zwingen? Spekulanten verhalten sich immer wie der Löwe in der Wildnis, der sich stets auf das schwächste Tier einer Gruppe stürzt.
Natürlich ist das Ergebnis aus den aktuellen Spekulationen kein schönes, aber die derzeitige Hetzjagd betrifft die Falschen. Solche Marktbereinigungen finden nicht nur am Kapitalmarkt statt. Auf jedem freien Markt überlebt letztlich nur der, der am besten wirtschaftet. Und Griechenland ist eben der erste Marktteilnehmer, der nun aufgrund der fehlerhaften Politik unter die Räder gerät.
Transaktionssteuer - eine fast 40 Jahre alte Idee
Die Einführung einer Transaktionssteuer wurde bereits vielfach empirisch untersucht mit dem Ergebnis, dass eine stabilisierende Wirkung höherer Transaktionskosten als empirisch widerlegt betrachtet werden kann. Einige Untersuchungen haben sogar aufgezeigt, dass es einen positiven Zusammenhang zwischen Transaktionskosten und der Volatilität des Marktpreises gibt.
Die sogenannte "Tobin-Steuer" wird bereits seit 1972 diskutiert. Auch daran erkennen Sie, dass die aktuell erneute Diskussion über die Einführung einer Transaktionssteuer lediglich ein Ablenkungsmanöver vom Versagen der Politik darstellt. Die Regierung macht das, was jede Partei schon immer getan hat: die Schuld an Missständen bei den Anderen suchen. Wichtig ist immer nur eines: Bei der nächsten Wahl die meisten Stimmen zu erhalten, um regieren zu können.
Ich schlage stattdessen eine Steuerverschwendungssteuer vor. Damit wären die öffentlichen Haushalte in null-komma-nix saniert.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Peter Ronacher (28.05. 2010 19:24 Uhr):
bei halb soviel Politikern wäre alles effizienter und es gäbe keine Staatsverschuldung
Antworten - Kommentar von Strobel (28.05. 2010 23:36 Uhr):
Naja, ein recht lustiger Gedanke, diese Steuerverschwendungssteuer, zwar nicht realisierbar, doch als Ersatz dafür die Schaffung von Straftatbeständen für Steuerverschwendung durch Regierun-gen und Verwaltungen, mit drakonischen Strafen bewehrt - das würde schon helfen. Trotzdem wäre diese TASt nicht verkehrt, wenn sie für den 'kleinen' Anleger erst ab einer best. Grenze griffe und nach 1 Jahr, mit Freibetrag, noch einmal zusammengefaßt und korrekt nachberechnet würde. Dann träfe es nur die 'großen'. Ebenso sollten Hedgefonds u.ä. in D verboten werden - es ging ja ohne bis 3-4 Wo vor dem Abdanken von Eichel-Schröder aus der Regierung. Außerdem müssen die Staaten Produzenten vor der Zerschlagung durch die HF verbieten, z.B. durch Aussetzung des Aktienhandels. Die HF, Großspekulanten und Ratingagenturen haben nicht den Finger in schwärende Wunden gelegt, sie haben nur wirtschaftliche Schwachstellen von Staaten in faulende Gewüren verwandelt - diese gehören vor internationale Strafgerichte, ebenso wie die Politiker vom Schlage Steinbrück, -meyer, die zahllo- sen 'Ratgeber' und Klugschwätzer in Ämtern und Medien, die Bankmanager von Privat- und öffentlich rechtl. Banken usw., diese Mitläufer, Zuträger, Zuhälter der Finanzmaffia - dann würde die sog. Finanzkrise auch gelöst werden können.
Antworten- Antwort von Sven Weisenhaus (31.05. 2010 12:26 Uhr):
Eine wirklich gute Idee mit der Freigrenze. Es wäre jedoch nicht nachvollziehbar, warum Fonds Transaktionen nicht ausführen sollen, die von anderen Marktteilnehmern genutzt werden könnten. Ich halte ein Verbot von Hdgefonds daher für ungerecht. Ich bin mir sicher, dass die Finanzkrise mit nicht ganz so drastischen Maßnahmen abgefedert werden kann. Mit freundlichen Grüßen Sven Weisenhaus
- Antwort von Sven Weisenhaus (31.05. 2010 12:26 Uhr):