Steuern
Steve Forbes in Investors Daily
vom 27. Januar 2006 18:00 Uhr
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In dieser Welt kann man sich keiner Sache mehr sicher sein, außer des Todes und der Steuern."
Benjamin Franklins Maxime über die Unvermeidlichkeit von Steuern ist so bekannt, dass sie heute schon nach einem Klischee klingt. Aber es legt eine grundlegende Wahrheit nahe. Steuern sind eine Gewissheit, die wir fast so sehr fürchten wie den Tod. Ganz egal, an welche Politik wir uns halten, wenn es um die Steuern geht, dann versuchen wir alle, so wenig wie möglich davon zu bezahlen. Manche Leute gehen dabei so weit, dass sie die Steuern insgesamt vermeiden.
Steuern und das Steuergesetz wirken vielleicht wie sehr trockene Materie, aber sie haben von Anfang an Leidenschaften entzündet. Selbst die amerikanischen Revolution hatte mit ihrem Schlachtruf "No taxation without representation" (Keine Besteuerung ohne Repäsentanz) ihren Ursprung in den Unzufriedenheiten über die Steuern. Jahre später mussten die Gründungsväter die Schulden des Krieges zurückzahlen. Das führte zu einer Besteuerung von Whiskey, was die "Whiskey-Aufstände" auslöste, die von George Washington in den Hinterwäldern von Pennsylvania zerschlagen wurden.
Im folgenden Jahrhundert sah es so aus, als begünstigten protektionistische Zölle auf importierte Güter die Teilung der Nation vor dem Bürgerkrieg. In den späten 1970ern führte ein weit verbreiteter Widerstand gegen exzessive Besteuerung dazu, dass Ronald Reagan schließlich zum Präsidenten gewählt wurde.
Wir verabscheuen die Besteuerung so sehr, dass manche Menschen schon zu extremen Mitteln greifen. Lady Godivas berühmte Fahrt wurde durch eine Unzufriedenheit mit den übertriebenen Steuern ausgelöst. Ihr adliger Ehemann stimmte zu, um ihr Verlangen nach Steuererleichterungen für die Mitmenschen zu würdigen – aber nur dann, wenn sie nackt durch die Stadt fahren würde. Der daraus resultierende Ein-Frau-Protest ging in die Geschichte ein, weil er die Ungerechtigkeit von Steuern darstellte.
Heute vergeht fast kein Tag, an dem wir nicht in den Zeitungen lesen, dass jemand ins Gefängnis muss, weil er die Steuern umgehen wollte. Eine Handvoll von Amerikanern hat sogar die Staatsangehörigkeit aufgegeben und ist ins Ausland gezogen. Viele von uns verachten die Steuerflüchtlinge, aber sollte man nicht den Steuergesetzen eine Teilschuld geben?
Geht man von der amerikanischen Geschichte der Steuerphobien aus, dann ist es erstaunlich, dass wir da ankommen konnten, wo wir heute stehen, bei unserer schrecklich heftigen, auffallend komplexen und zu Korruption verleitenden Steuerpolitik. Ein Monster von einem System dass nicht nur die in unsere Tassen greift, sondern auch Einfluss auf unser Leben nimmt. Es beeinflusst unser Verhalten, verzerrt die Wirtschaft und ja, es ruiniert auch die Lebensqualität von Individuen und Gesellschaft.
Die meisten von uns lassen sich von dem giftigen Netz der Finanzämter nicht umgarnen. Aber selbst für den durchschnittlichen Steuerzahler ist das System mit Ungerechtigkeiten behaftet. Wir alle kennen seine Klagen:
Vor allen Dingen zahlt man zu viel ... und mehr als man denkt. Den meisten Amerikanern ist nicht bewusst, wie tief der Staat in ihre Taschen greift. Alles was wir tun, betrifft irgend eine Art von Steuern, Gebühren oder Abgaben.
Die Politiker und viele Wirtschaftler bestehen darauf, dass "nur" ungefähr ein Drittel des "wirtschaftlichen Ausstoßes" durch das, was wir, das Volk, an Gütern und Dienstleistungen liefern, in die Steuern fließt. Aber wenn man sich ein wenig von ihren Definitionen entfernt, was unter Steuern fällt, dann zahlt man vermutlich eher so viel wie die Hälfte des Einkommens oder mehr.
Haben Sie auch das Gefühl, sie sollten sich an Uncle Sam wenden, um sich zu beklagen? Dann passen Sie mal gut auf: Sie zahlen Steuern auf dieses Telefonat als Verbrauchssteuer von gegenwärtig drei Prozent, die eingeführt wurde, um zeitweilig die Ausgaben für den spanisch-amerikanischen Krieg 1898 zu finanzieren. Die Politiker haben uns mit diesem Maß ihres Steuerdiebstahls praktisch betäubt. Haben wir sie wirklich zu unseren Vertretern erwählt, damit sie dann hingehen können und unsere Geldbörsen in diesem Ausmaß leeren?
Noch eine Klage: Die Steuern sind so komplex, und ganz besonders die Einkommenssteuer. Bedenken Sie Folgendes: Die Gettysburgrede von Abraham Lincoln, die den Charakter der Nation definierte, ist alles in allem 286 Wörter lang. Die Unabhängigkeitserklärung ist ungefähr 1.300 Wörter lang und die Verfassung, die uns seit mehr als zwei Jahrhunderten zugrunde liegt, kommt auf 5.000 Wörter. Die Bibel hat 773.000 Wörter. Das Gesetz zur Einkommensteuererklärung bringt es mit allen zusätzlichen Regeln auf neun Millionen Wörter.
Eine erschreckende Tatsache ist, dass niemand wirklich weiß, das da alles drin steht. Deswegen kommt es auch immer wieder zu endlosen Gerichtsverhandlungen darüber was unser System tatsächlich erlaubt und was nicht. Und deswegen gibt es so viel Zweideutigkeit und Verwirrung und deswegen schaffen es auch so viele Privatpersonen und kleinere Unternehmen nicht, gesetzliche Abzüge einzurechnen oder sie machen dabei Fehler. Das ist der Grund, warum manchmal Leute mit gleichem Einkommen sehr unterschiedlich hohe Steuern zahlen.
Und wirklich, wie kann jemand wirklich wissen, was in diesem Gesetz steht, wenn es darin Passagen wie die folgende gibt. Ich zitiere:
"Sec199(c) Special rule relating to election to treat cutting of timber as a sale or exchange. Any election under section 631(a) of the Internal Revenue Code of 1986 made for a taxable year ending on or before the date of the enactment of this Act may be revoked by the taxpayer for any taxable year ending after such date. For purposes of determining whether such taxpayer may make a further election under such section, such election (and any revocation under this section) shall not be taken into account. (p. 23)"
Entschuldigung, kann ich das noch einmal hören?