Sternenhimmel
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 19. Februar 2004 18:00 Uhr
ENL5454
*** Die japanische Volkswirtschaft wächst derzeit mit einer aufs Jahr hochgerechneten Wachstumsrate von 7 % – das ist schneller als je zuvor seit Beginn des japanischen Abschwungs im Jahr 1990. Ist das jetzt eine reale Erholung? Vielleicht.
*** Die "finanzielle Wirtschaft" (im Gegensatz zur realen Volkswirtschaft) ist "schrecklich überbewertet", so Dan Ferris: "Nach 11 Monaten Bullenmarkt werden die Schnäppchen knapp."
Selbst Warren Buffett, der König des "Value Investing", kann an den US-Börsen nichts mehr finden, in das man investieren sollte. Nur ein einziges Mal war das bei ihm schon einmal der Fall gewesen:"
"1968", so Dan Ferris, "gewann der Fonds von Warren Buffett 40 Millionen Dollar, oder 59 % ( ...). Nach einem solchen Jahr würde ein heutiger Fondsmanager eine ganzseitige Anzeige im Wall Street Journal schalten. Er würde mit seinen Ergebnissen prahlen ... und versuchen, mehr Kapital zu erhalten ... wodurch er mehr Gebühren erhalten würde."
"Nicht so Warren Buffet. Er ließ wissen, dass eine solche Performance 'wie eine Ausnahme behandelt' werden sollte, wie eine Jahrhundertflut."
"Das ist der Unterschied zwischen Value-Investoren und allen anderen. Alle anderen lieben Aktien, wenn diese steigen. Sie kaufen mehr, und fühlen sich plötzlich wie Finanzgenies. Value-Investoren hingegen nehmen ihre Gewinne mit und warten darauf, dass die Aktien wieder billig werden."
"Und genau das tun die großen Value-Investoren unserer Zeit im Moment."
*** Wie angenehm. Nach Monaten im kalten, grauen Europa ... lag ich gestern Nacht am Pool (ich bin derzeit in Nicaragua) und bewunderte den Sternenhimmel.
"Ich wusste nicht, dass es so viele Sterne gibt", sagte mein Sohn Henry. Es gab blaue und rote Sterne. Kleine, die man kaum erkennen konnte, und große, die hell leuchteten. Ich brauchte noch nicht einmal meine Lesebrille, um die zu erkennen.
Aber warum sage ich Ihnen das, liebe(r) Leser(in)? Vielleicht haben Sie selbst schon einmal einen solchen Sternenhimmel gesehen. Dennoch – als ich letzte Nacht gen Himmel sah, da fühlte ich mich so, als ob ich diesen Anblick vergessen hatte. Die Sterne müssen die ganze Zeit da gewesen sein ... aber mir war es nicht aufgefallen. Stattdessen füllte ich meine Tage und meinen Kopf mit dem Punktestand des Dow Jones, mit Schlagzeilen, Hausarbeit und Fahrten zum Bäcker. Ich vergaß, dass wir unter Sternen leben.
"Ist das der große Wagen? Das muss doch der Mars sein ... oder die Venus?" Mein Sohn stellte mir fragen, die ich nicht beantworten konnte. Deshalb wechselte ich schnell das Gesprächsthema:
"Schau mal, da hinten ... das ist die Milchstraße", sagte ich zuversichtlich. "Und einige dieser Sterne sind tot. Sie sind so weit entfernt, dass es Millionen Jahre brauchen kann, bis ihr Licht uns erreicht. Also ist das, was Du siehst, vielleicht ein Stern, der schon vor einer Million Jahre verglüht ist."
"Das war dann ja bevor ich überhaupt geboren wurde", so mein zweiter Sohn Edward, der 10 Jahre alt ist.
"Moment Mal, Dad", sagte Henry. "Wenn man vor einer Million Jahre an den Himmel gesehen hätte, dann hätte man nicht das gesehen, was man jetzt sieht. Man hätte gesehen, wie die Sterne damals dann noch eine Million Jahre früher ausgesehen hätten. Vielleicht hätte man nichts gesehen, weil die Sterne noch gar nicht geboren worden waren. Man kann nur das sehen, was man im Hier und Jetzt sieht. Also das, was man sieht, ist, wie die Sterne hier und jetzt aussehen ... und nicht das, wie sie vor einer Million Jahre ausgesehen haben. Richtig?"
"Henry, hast Du kein Buch, das Du lesen kannst?"