Steigt der Dax um 70 %?
Jochen Steffens in Investors Daily zum Thema Dax 30
vom 11. April 2007 18:00 Uhr
ENL5454
Normalerweise mag ich es gar nicht, wenn solche Schlagzeilen auftauchen - so titelt Focus Money: Dax steigt um 70 %! Sprich, der Dax soll auf 12.000 Punkte steigen. Aber in diesem Fall mache ich eine Ausnahme und zwar weil diese Theorie von Ken Fisher stammt, meines Wissens einer der größten privaten Vermögensverwalter in den USA. Und ich mache diese Ausnahme, weil Ken Fisher nicht nur vor dem Crash 2000 gewarnt hatte sondern auch Ende 2002 zum Einstieg riet. Seitdem ist er bullish geblieben – zu Recht, wie die Geschichte beweist.
Einmal Guru, immer Guru?
Doch Gurus, die richtig gelegen haben, gibt es einige. Wie steht es so schön in den Impressi der meisten Börsenbriefe: Die Rendite der Vergangenheit ist keine Garantie für die Renditeentwicklung der Zukunft. Nein, auch jemand der 10, 20 oder 40 Jahre richtig gelegen hat, kann sich im Jahr 41 komplett verhauen. Das ist Börse und das liebe ich an der Börse.
Die meisten Argumente, die Ken Fisher anbringt, kennen Sie bereits. Es sind Argumente, die ich hier schon seit einiger Zeit rauf und runter bete. Doch ein Argument war auch für mich neu und dabei schlichtweg einfach nur extrem logisch (solche Argumente liebe ich):
Das Argument schlechthin - Angebotsverknappung
Ken Fisher rechnet vor, dass die Unternehmen billiges Geld leihen können, um Konkurrenten zu übernehmen. Den weltweiten Übernahmewahn erleben wir gerade. Oder aber, Unternehmen kaufen ihre eigenen Aktien zurück - Stichwort Aktienrückkaufprogramm - davon sehen wir auch viele zurzeit.
Diese beiden Faktoren führen aber dazu, dass Aktien vom Börsenspielfeld verschwinden. Weg, futsch – nicht mehr zu kaufen.
Und hier sind wir wieder bei der klassischen Marktwirtschaft: Wenn sich das Angebot verknappt aber die Nachfrage steigt oder konstant bleibt, führt das zu Preissteigerungen.
Da es hier in Deutschland immer noch keinen Sinn macht, Geld festverzinslich anzulegen, wird die Nachfrage natürlich hoch bleiben. Wenn dann auch noch dieses Abgeltungssteuergesetz wie geplant durchkommt, werden wir 2008 einen wahnsinnigen Nachfrageschub erleben. Und das bei weiter sinkendem Angebot!
Auch das ein Grund, warum der Dax so stark ist
Eigentlich eine fast sichere Sache. Und schauen Sie sich nur an, was der Dax für Luftsprünge macht und wie stark er sich im Gegensatz zu den Amis zeigt. 70 %? Ja, das ist denkbar, ich kann Ihnen nicht sagen, bis wann, aber die nächsten beiden Jahre sollten ziemlich heftig werden und viele Anleger sehr überraschen.
Es wird dann eine Zeit geben, in der Anleger von der guten großen Rallye Anfang des Jahrtausends erzählen und sich fragen, warum sie diese eigentlich verpasst haben und warum sie die ganze Zeit nur auf diese immerwährend gleichen Bärenargumente gehört haben.
Was ist schlimmer?
Es sind einfach gute Argumente und wenn es doch schief geht? Was soll es, Risiko gibt es immer. Dann rauschen ein paar Aktien in den Stopp . Okay. Doch schlimmer wird es sein, wenn diese Szenario tatsächlich eintrifft und man hat nur zu geschaut. Mir würden 11.000 Punkte bis Ende 2008 reichen, dann hätte mein Zockerschein sich vom Kaufkurs bei 4 Cent auf 10 Euro verteuert – sprich 24900 % - ich würde dann sogar ein kleines Faß aufmachen – Kölsch natürlich...
Wie gesagt, das ist ein längerfristiger Ausblick. Kurzfristig sind die Kurse wieder sehr stark gestiegen. Die Wahrscheinlichkeit einer kleineren Konsolidierung steigt mit jedem Tag.
Die Auflösung unseres alten Daxtrends - nach oben!
Ich möchte Ihnen heute noch etwas sehr Bullishes zeigen, aber auch etwas Trauriges: Der Dax ist dabei, sich nun aus dem Aufwärtstrend, so wie ich ihn sehe und der uns nun schon seit Jahren begleitet, nach oben (!) zu verabschieden. Dieser Ausbruch weist auf eine Beschleunigung hin und ist auch ein Zeichen dafür, dass hier etwas ganz Entscheidendes im Dax passiert. Das Traurige ist, damit wär dieser Trendkanal hinfällig – selten hat man an der Börse etwas so Verlässliches gesehen, wie diesen Kanal. Aber, noch ist dieser Ausbruch nicht nachhaltig! Wenn er es wird, wäre es sehr, sehr bullish.
Die Logik sinkender Umsätze
Ein Leser fragte mich, ob es nicht ein Warnzeichen sei, dass dieser Anstieg unter abnehmenden Umsätzen geschieht. Ich kann dazu immer nur sagen: In einem Punkt irren die Lehrbücher: Sinkende Umsätze sind nicht unbedingt ein Warnzeichen. Schauen Sie sich die aktuelle Situation an.
Die große Zahl der Anleger wurde durch den Einbruch aus dem Markt getrieben. Aufgrund der Massenhysterie mit dem US-Immobilienmarkt und den Carry-Trades waren viele „Nicht-Leser“ des Investor's Daily komplett davon überzeugt, dass wir das Ende des seit 2003 gestarteten Aufwärtstrends sehen. Diese sind nun draußen und trauen sich jetzt, nachdem der Dax weiter und weiter gestiegen ist, zu den aktuellen Kursen nicht mehr in den Markt. Sie alle warten auf bessere Einstiegskurse – sprich auf eine Konsolidierung.
Performance-Druck
Das ist eine sehr gefährliche Konstellation. Denn sollten die Kurse weiter steigen, dann geraten viele Banken, Institutionelle und andere in Performance-Druck und müssen rein! Das kann explosiv werden. Auf der anderen Seite sollten Konsolidierungen nach unten durch eben diese wartenden Marktteilnehmer abgesichert sein.
Und genau in so einer Phase steigen die Kurse trotz sinkender Umsätze! Zudem ist gerade Osterzeit – also Ferienzeit, das sind die Umsätze grundsätzlich etwas dürftiger.
Viel kritischer wäre es, wenn die Kurse steigen und die Umsätze massiv zunehmen. Dann muss man aufpassen! Schauen Sie sich mal viele Trends in den weltweiten Indizes an, die meisten beginnen unter gleichbleibend schwachen Umsätzen und enden an Wochen mit extrem hohen Umsätzen.
Buchempfehlung!
Und zum Schluss noch eine wichtige Buchempfehlung. Und zwar möchte ich Ihnen das neue Buch
"Unentdeckte Chancen - Rohstoffe und Emerging Markets"
von meinen beiden sehr geschätzten Traderkollegen Michael Vaupel und Daniel Wilhelmi ans Herz legen. Michael Vaupel ist der Rohstoffexperte in unserem Verlag, bekannt durch den Trader's Daily. Daniel Wilhelmi ist auch für mich immer wieder Ansprechpartner und Experte im Bereich „Emerging Markets“.
Wenn nun diese beiden zusammen ein Buch rausbringen, ist das einfach ein Muss!
Ein Buch, dass all das, was zurzeit interessant ist, in sich vereint: Themen wie Kasachstan, Wasser, Ethanol, Vietnam und Kaffee! Also Märkte, die eben noch nicht im Rampenlicht stehen und somit große Zukunftschancen haben. Natürlich finden Sie auch konkreten Hinweise zur Umsetzung (mit ADRs, Zertifikaten, Small Caps...) aber auch wichtige Warnungen. Und das alles - wie bei den beiden üblich - verständlich aufbereitet und locker geschrieben – also eben nicht die trockene Fachliteratur. Wenn Sie sich also breit informieren und jetzt schon wissen wollen, welches die Märkte von morgen sind:
„Unentdeckte Chancen – Rohstoffe und Emerging Markets von morgen"
ISBN-Nummer: 978-3-89879-276-9
Problemlos online bestellbar, z.B. unter diesem Link
https://www.finanzbuchverlag.de/buecher.php?buch=Unentdeckte+Chancen
