Steigende Zinsen in den USA
unserem Korrespondenten Eric Fry in Manhattan in Investors Daily
vom 21. Mai 2004 18:00 Uhr
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Die Besitzer von amerikanischen Anleihen müssen im kühlen Mikroklima steigender Zinssätze zittern, während sich über ihnen Inflationswolken zusammenbrauen. Die Rendite der 10jährigen US-Staatsanleihen ist weiter gestiegen, auf 4,77 %. Ich bewundere die Wahrnehmungskraft des US-Anleihenmarktes. Denn der sieht dieselben Dinge, die auch ich sehe – ein bevorstehender inflationärer Trend. Diese neue Ausgabe der Inflation zeigt sich derzeit in fast jedem Aspekt des amerikanischen Lebens ... außer in den offiziellen Zahlen zur Verbraucherpreisentwicklung.
Obwohl die Regierung den Inflationstrend klein redet, steigen die Preise ... besonders die Preise von Dingen, die jeder benutzt. Der Ölpreis ist auf neue Höchstkurse geklettert, was auch den Preis für Benzin in den USA um fast 5 % hat steigen lassen. Das war das 14. Rekordhoch in den letzten 18 Tagen. Natürlich sind Benzinpreise auf Rekordniveau nicht dasselbe wie Inflation, aber sie kommen dem schon sehr nahe ... und es ist ganz bestimmt kein Grund, um US-Staatsanleihen zu KAUFEN. Nicht überraschenderweise haben die steigenden Zinsen auch ihren Tribut bei den Hypotheken gefordert: Denn die Nachfrage nach neuen Hypotheken ist letzte Woche um 12 % zurückgegangen.
Unglaublicherweise bauen die Leute weiter so viele Häuser, als ob die langfristigen Zinsen immer noch bei 2,77 % stehen würden. "Unsere Umsätze sind so stetig und solide wie immer", so Ara Hovnanian, Vorstandsvorsitzender von einem Bauunternehmen, das seinen Namen trägt. "Solange wir keinen schnellen Anstieg (der Zinsen) sehen, machen ich mir nicht allzu viele Sorgen."
Mir geht es genauso ... in Bezug auf die "allzu vielen Sorgen". Ich bin auch nicht zu Tode erschrocken. Im besten Fall werden die steigenden Zinsen die Hauskäufe nicht stimulieren. Und sie werden auch nicht helfen, wenn es darum geht, dass die Leute bestehende Hypotheken erhöhen und dieses Geld in den Konsum stecken.
Im schlimmsten Fall werden die steigenden Zinsen den Immobilienmarkt und die Konsumausgaben plötzlich "halten" lassen. Steigende Zinsen könnten auch ein kleines Problem für den hoch bewerteten Aktienmarkt bedeuten – auch wenn Larry Kudlow von CNBC weiter bullish bleibt.
"Larry Kudlow hat gesagt, dass der Markt bereits eine Zinserhöhung der Fed eingepreist hat", hat Dan Denning, Herausgeber von Strategic Investment, beobachtet, "und dass der Markt von jetzt an von den Unternehmensergebnissen – die hauptsächlich positiv sind – getragen werden wird. Ist das die Realität? Vielleicht ist es die Realität eines Bullen. In meiner Realität gibt es auch andere Belastungsfaktoren für die Aktien. Es gibt den Ölpreis über 40 Dollar, den Krieg im Irak, und ein neues Tief beim amerikanischen weltweiten Image."
"Die Schulden sind ein großes Problem", erklärte mir Dan Denning letzten Dienstag, als wir uns bei einem Treffen in Baltimore gegenüber saßen. "Es gibt zu viele Schulden in Amerika, und wir sind zu abhängig von den Ausländern geworden, die uns das Kapital geben, das wir brauchen. Das große Problem ist, dass sich eines Tages – in vielleicht nicht allzu weit entfernter Zukunft – die ausländischen Zentralbanken vom US-Anleihenmarkt zurückziehen werden. Wenn das so ist, dann wird der Dollar einbrechen und die Zinsen werden explodieren. Wir sehen uns in drei Monaten."
Dan ist vorgestern nach Asien geflogen, um sich selbst einen Eindruck von diesem multinationalen wirtschaftlichen Moloch zu verschaffen. Er hat mir versprochen, mir regelmäßig Nachrichten mit seinen Abenteuern und Beobachtungen zukommen zu lassen.