Status quo – oh – Teil 1
James Howard Kunstler in Traders Daily
vom 2. Juli 2008, 12:00 Uhr
ENL5454
Eine Katastrophe für die Landwirte in Iowa bedeutet nicht nur eine Katastrophe für den Mittleren Westen von Amerika. Die Hochwasserflut in Iowa zeigt uns, wie sich die Probleme durch extreme Wetterphänomene (bedingt durch den Klimawandel) mit dem Problem der hohen Ölpreise verbinden und dieses noch verschärfen. In diesem besonderen Fall führen die Probleme zu einem Wendepunkt während der Ernte des Jahres 2008, die dann mit der politischen Ernte zusammenfallen wird.
Wir haben es hier nicht mit den Fluten aus den Zeiten unserer Väter oder Großväter zu tun. Hier sind es Fluten, die nur einmal in 500 Jahren geschehen, die es nicht gab, so lange Nicht-Indianer das Land der Nordamerikanischen Prärie bewirtschafteten. Der größte Teil der Hauseigentümer im Osten von Iowa hatte keine Versicherung gegen Flutschäden abgeschlossen, weil die Wahrscheinlichkeit von einem 500-Jahres-Hochwasser betroffen zu werden, so gering ist, dass die Versicherungsagenten auch davon abgeraten hätten.
Der materielle Verlust wird enorm sein. Es ist sozusagen die nasse Variante des Dust Bowl (verheerende Staubstürme, die für die Ernten der 1930er Jahre verheerende Folgen hatten und viele Farmer in die Armut trieben.) Damals standen viele Familien vor einem Totalverlust und wanderten in andere Regionen des Landes aus, weil sie kein Zuhause mehr hatten, zu dem sie hätten zurückkehren können.
Im Jahr 2008 wird in Iowa das Ausmaß der Naturkatastrophe erst sehr viel später deutlich als die Schäden des Hurrikans Katrina im Jahr 2005. Außer den 25000 Menschen, die all ihren Besitz verloren haben, sind die Getreidevorräte der Welt auf den tiefsten Werten seit Langem. Der Ernteausfall in Iowa wird diese schon jetzt düstere Situation vermutlich noch weiter verschlimmern.
Die amerikanische Bevölkerung hat bereits die hohen Getreidepreise durch höhere Preise in den Supermärkten zu spüren bekommen, denn günstiges Getreide steckt hinter dem Zauber der günstigen amerikanischen Nahrungsmittel, bei denen es sich überwiegend um Fertiggerichte handelt - all diese Pizzataschen und Saftkartons, auf die sich die Amerikaner verlassen, weil zwischen zwei Stellen und ihren Pflichten als Familienchauffeure keine Zeit mehr bleibt, wirklich zu kochen. (Merke: Aufwärmen ist nicht Kochen!)
Dahinter steckt wiederum ein landwirtschaftliches Modell des Farmbetriebs, welches durch die Steroide des günstigen Öls und der günstigen, erdgasbasierten Dünger aufrecht erhalten wird. Diese beiden „Inputs" sind seit kurzen eben nicht mehr im günstigen Bereich. Farmen, die mit günstigem Öl und Erdgas wirtschaften haben dies schon vor der Iowa-Flut spüren können.
Diesel ist einen Dollar pro Gallone teurer als Benzin. Die Erdgaspreise haben sich gegenüber dem vergangenen Jahr verdoppelt und haben somit auch die Düngemittelpreise ansteigen lassen. Amerikanische Landwirte befinden sich in einer schlechten Position, wenn es darum geht, ihre Verfahrensweisen zu reformieren. All diese billigen fossilen Brennstoffe verbergen einen gewaltigen Rückgang der Fähigkeit des Haushaltens. Die Landwirtschaft in den kommenden Jahrzehnten wird deutlich schwieriger ausfallen, als einfach nur eine Menge X an „Input" zu kaufen (und das auf Kredit) welche dann auf eine unfruchtbare Erde ausgestreut wird und mit gewaltigen riesenhaften Dieseltraktoren verteilt.