Starker Dollar
J. Christoph Amberger in Baltimore in Traders Daily
vom 20. Mai 2005 12:00 Uhr
ENL5454
*** Als der japanische Finanzminister Sadakzu Tanigaki von einem Journalisten gefragt wurde, was denn sein Standpunkt in Bezug auf eine Freigabe des chinesischen Yuan sei, da antwortete er, dass Japan bereit sei, im Falle "spekulativer und drastischer Bewegungen am Devisenmarkt" zu intervenieren.
Natürlich würde die Bank of Japan ihre Interventionspolitik fortführen, falls notwendig. Ob so eine Intervention durch eine Freigabe des Yuan veranlasst würde, ist eine andere Frage. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass Peking die chinesische Währung völlig vom Dollar löst, ist ungefähr genauso hoch wie die Wahrscheinlichkeit, dass eine Frauenfußballer-Mutter mit ihrem Handy telefoniert, während sie mit dem Geländewagen einarmig eine scharfe Kurve nimmt, kurz vor der Schule, wo sie ihre Kinder abholt: Möglich, aber nicht plausibel.
Natürlich könnte ich mit dieser Ansicht alleine stehen. Viele meiner Kollegen prognostizieren eine Freigabe des Yuan. Mein alter Mentor Bob Czeschin glaubt, dass ein solcher Schritt unmittelbar bevorsteht. Er begründet seine Meinung damit, dass die chinesischen Medien derzeit Stories zur Freigabe des Yuan bringen ... was nur dann erfolgen kann, wenn die Regierung die Bevölkerung auf einen solchen Schritt vorbereiten möchte.
Für mich ist einfach noch nicht die richtige Zeit. Eine Freigabe des Yuan würde den Wert der chinesischen Währung gegenüber dem Dollar zunächst steigen lassen, und wahrscheinlich auch gegenüber Euro und Yen. Was bedeutet, dass die chinesischen Exporte relativ teurer und weniger wettbewerbsfähig werden, was Chinas Handelsbilanzüberschuss schrumpfen lassen wird, und damit auch Chinas Devisenreserven.
Das wäre im Moment für die chinesische Führung unerwünscht, angesichts der Tatsache, dass die Chinesen derzeit verstärkt mit Billigproduktionen aus anderen asiatischen Ländern konkurrieren müssen!
*** Es wird also so weitergehen: Peking wird sein Hin und Her fortsetzen, ohne den Yuan freizugeben, was alle paar Wochen zu neuen spekulativen Ausbrüchen führen wird. Derzeit allerdings führt die offensichtliche Trendumkehr beim Dollar dazu, dass der Druck auf Peking reduziert wird (denn der Yuan steigt wegen der Dollarbindung ja zusammen mit dem Dollar).
Der Dollar steht schließlich auf einem 7-Monats-Hoch gegenüber dem Euro. Die jüngsten sehr guten US-Wirtschaftszahlen haben zumindest temporär die Weltuntergangsstimmungs-Presse verstummen lassen.
Auch gegenüber dem Yen stieg der Dollar, als die Möglichkeit einer Aufwärtsrevidierung des 3,1 %igen US-Wirtschaftswachstums im ersten Quartal ins Gespräch kam.
Plötzlich findet sich das Wort "zyklisch" wieder in Bezug auf den Dollar: Ein gewisser Adam Myers von Société Générale, sagt jetzt: "Die zyklische Story des Dollars ist zurück, in voller Größe. Ich sehe voraus, dass der Euro in den nächsten ein oder zwei Wochen die 1,25 testen wird."
Dabei wurden erst letzte Woche noch die Zwillingsdefizite als Grund für einen weiteren Dollarverfall genannt.