Stag - oder -flation?
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 08. August 2006 07:30 Uhr
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Ende der Woche erreichte mich die Nachricht, dass Toyota in Amerika mehr Autos verkauft als Ford. Aber das sei, sagen die Ökonomen beruhigend, kein Grund zur Sorge.
Natürlich ist das kein Grund zur Sorge, stimme ich zu. Ebenso wenig wie der näher rückende Tod. Man steht wesentlich besser da, wenn man gelassen in die Zukunft blickt. Abgesehen davon ist es Sommer. Ich mache mir in diesem Sommer keine Sorgen. Es gibt genug Zeit, sich im Herbst, im Winter und im Frühjahr Sorgen zu machen, der Sommer ist die Zeit für Unbekümmertheit.
Dennoch muss ich feststellen, dass Ford sogar noch größere Verluste gemacht hat als im letzten Quartal erwartet – 254 Millionen Dollar. Und es gibt keine Möglichkeit, das über das Volumen wieder auszugleichen. Die Geländewagen verkaufen sich nicht, trotz der Kaufanreize und der Preisnachlässe.
Ich weiß nicht, was Toyota macht, aber es sieht so aus, als würde den amerikanischen Verbrauchern so langsam aber sicher das Geld ausgehen – genau wie ich vermutet hatte.
„Die Nichterfüllungen von Hypotheken steigen um 67%“, heißt es in der LA Times.
Die Aktien von Starbucks sind in den letzten 30 Tagen um 23% gefallen. „Die Aktivitäten im Dienstleistungssektor haben sich im Juli deutlich abgekühlt“, fügt CBS Marketwatch hinzu. „Die Preise für Benzin fressen sich in die Verkaufszahlen der Restaurants“, heißt es in einer weiteren Schlagzeile.
Ein neuer Freund, Denis Gartman, berichtet, dass sich die Wirtschaft definitiv auf eine Rezession zu bewegt, die die Aktienpreise um 15% - 20% senken wird. Er sieht wie eine Art „leichter Stagflation“ aus, welche die amerikanischen Märkte infiziert.
Ich sehe auch eine Stagflation, egal ob leicht oder heftig ... aber ich lehne es ab, mir vor September Sorgen deswegen zu machen.
Gleichzeitig spielen die Zentralbanken ein gefährliches Spiel. Sie versuchen den „-flation“-Teil loszuwerden, ohne dass sie den „Stag-“-Teil aus der Hand geben wollen. Die Bank of England hat in der vergangenen Woche einen weiteren Schritt nach oben gemacht – und die Zinssätze auf 4,75% angehoben. England hat, genauso wie Amerika, eine Wirtschaft, die sehr stark von den kleineren Konsumenten abhängt, die sehr stark vom privaten Immobilienmarkt abhängen, der wiederum sehr stark von den geringen Kreditzinsen abhängt ... die von den Banken bestimmt werden. An irgendeinem Punkt, werden sie, wenn sie weiter Strohhalme von jeweils 25 Basispunkten auf den Rücken des ächzenden Kamels laden, denjenigen Strohalm finden, der das alte Tier in die Knie zwingt. Aber erst nachdem sie ihn aufgeladen haben. Dann werden sie sich Sorgen um „Stag-“ machen müssen. „-flation“ wird dann von der Bildfläche verschwunden sein.
„Aber wie ist das möglich?“ fragte jemand auf einer Konferenz in Vancouver, „eine Deflation zu haben, wenn die Zentralbanken das Geld genauso ins System drängen, wie die Pendler in die U-Bahn in Tokio gezwängt werden.“
Ich biete meine Standarderklärung: „Gerade erleben wir, dass die Mittel, mit denen Geld und Kredite in das Finanzsystem gepumpt werden, versagen werden“, sage ich. „Das ist in den 1990ern in Japan passiert. Die Japaner haben ihre Zinssätze auf Null gesenkt. Die Regierung hat Kredite aufgenommen. Die Regierung hat Geld ausgegeben (und so viele öffentliche Arbeitsprojekte gestartet, dass diese kleine Inselnation irgendwann mehr Zement verbraucht hat, als die gesamten Vereinigten Staaten).“ Aber der Zauber ließ nach. Die Verbraucher sahen die Wirtschaft zusammenbrechen und wurden sehr bescheiden. Sie wollten kein Geld mehr ausgeben und keine Kredite mehr aufnehmen. Irgendwann konnten die Vertreter des Staates kein Geld mehr in das System bringen und die Preise sanken. Und als die Preise fielen, haben sich die Verbraucher noch stärker zurückgehalten, weil sie wussten, dass wenn sie noch ein bisschen warten würden, sie eventuell ein noch besseres Geschäft machen würden.“
Nicht dass ich mir wegen diesen Dingen Sorgen machen würde. Ich bin genauso glücklich und zufrieden wie ein Frosch im Mühlteich. Aber ich halte dennoch die Augen offen. Und was ich sehe ist eine Wirtschaft, so abgewürgt wie ein Jet, dem der Treibstoff ausgeht. Wird es eine leichte Landung geben? Oder eine harte? Ich weiß es nicht, aber es besteht das Risiko, dass alles mit einem Knall zu Ende geht.
Diese Woche wird die Fed wieder zusammentreffen, um die Preise für die kurzfristigen Kredite festzulegen. Nach einer langen Serie von Anhebungen in „Babyschrittchen“ ist die Fed auf das Gespenst der Stagflation gestoßen. Sie könnte die Zinssätze noch einmal anheben, um die Inflation zu bekämpfen. Aber damit riskiert sie, das schwache, nur von Krediten gestärkte Rückgrat der Wirtschaft zu brechen.
Auch Ben Bernanke verfolgt die Schlagzeilen. Er hat Karriere gemacht, während er die japanischen Bemühungen verfolgte, aus der Deflation herauszukommen. Er weiß, wie schwer es ist, das Kamel der Verbraucherwirtschaft wieder aufzurichten, nachdem es in die Knie gegangen ist. Wenn für ihn die Zeit kommt, bei dem nächsten Treffen zur Festlegung der Zinssätze zu sprechen – dann vermute ich, wird Mr. Bernanke die Stimme verlieren... und vielleicht auch die Nerven.
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