Stärkere Bewegung steht bevor
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 28. Januar 2004 18:00 Uhr
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Wie gesagt: Links vorbei, dann wurde der nächste Tag wieder rechts angetäuscht, um den Versuch zu starten, mitten durch aufs Tor zu gehen – dabei haben sich die Amis allerdings verdribbelt und den Ball verloren. So hat der Nasdaq100 am Dienstag alle seine Gewinne vom Montag wieder abgegeben, der Dow und der S&P zumindest einen großen Teil. Ein Hin und Her.
Jetzt wollen Sie sicherlich noch wissen, was gestern die Kurse so belastet hat. Einen einzelnen Grund gibt es nicht, eher sind es mehrere: So wird nun doch die Angst vor dem Ergebnis der Fed-Sitzung einige zu Gewinnmitnahmen verführt haben. Schlechte Unternehmensnachrichten von Novellus belasteten zusätzlich. Es kann auch sein, dass die Sorge um eine weltweite Ausbreitung der Vogelgrippe beeinflusst hat. Einige Analysten führten sogar den gestrigen Verbrauchervertrauenindex als Grund an.
Ein paar meiner Kollegen vermuten, dass wir uns in einer sehr ausgedehnten Topbildungsphase befinden. Andere gehen davon aus, dass der Dow nach dem Bruch seines Abwärtstrend weiteres Aufwärtspotential hat. Wieder andere behaupten, dass der Bruch auch nur angetäuscht wurde, um noch ein paar arme Seelen in den Markt zu treiben, bevor alles in sich zusammenbricht.
Die aktuelle Fragen, die im Moment immer wieder diskutiert werden: Sind die Kurse zu heiß gelaufen? Steht nun endlich die bereits länger erwartete Konsolidierung an oder geht es weiter? In Gesprächen ist die Unsicherheit zu spüren. Und genau diese Unsicherheit führt zu der aktuellen Situation – es geht mal kurz rauf, mal kurz runter und im ganzen seitwärts mit (noch) leicht aufwärtsgerichteter Tendenz.
Das drückt sich im Prinzip auch im Volatilitätsdax (VDax) aus (der VDax gibt die von den Terminmärkten erwartete Schwankungsbreite des Dax wieder, niedrige Werte bedeuten, dass die Terminmärkte im Moment wenig nervös sind und nicht mit größeren Schwankungen (insbesondere nach unten) rechnen). Der VDax erreichte gestern mit 18 Punkten wieder einen Wert, bei denen Ende März 2002 bereits einmal eine Trendwende im Dax eingeleitet wurde. Von einigen Analysten werden solche, im Vergleich zu den letzten Jahren sehr niedrigen Werte, gerne als Hinweis für einen Trendwechsel herangezogen. Allerdings ist die Aussagekraft der niedrigen Werte umstritten. Sehr hohe Volatilitätswerte hingegen weisen verlässlicher auf einen Trendwechsel hin.
Eins scheint jedoch recht verlässlich zu sein. Solche Phasen der Unsicherheit bereiten gerne eine stärkere Bewegung vor, in die eine oder andere Richtung.
Ich möchte kurz noch auf die Frage eingehen, ob die asiatische Vogelgrippe die Börsen belasten wird. Die Vogelgrippe kann bisher offenbar nur durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren übertragen werden. Selbst ein längerer Transport des Fleisches oder der Genuss von Eiern werden von Experten als ungefährlich eingestuft. Es gibt nur eine Gefahr: Sollte sich ein Mensch mit einem ähnlichen Menschengrippevirus und gleichzeitig mit diesem Vogelgrippevirus anstecken, kann es unter Umständen zu einer Umsortierung der Virusgene kommen, die einen von Mensch zu Mensch übertragbaren gefährlichen Virus entstehen lassen würden.
Doch so sehr die Medien darauf rumreiten, dieser Vorgang ist ziemlich unwahrscheinlich. Aus diesen Gründen wird sich die Vogelgrippe auf die Börsen nicht sonderlich auswirken, es sei den dieser unwahrscheinlich Fall tritt ein.
Mittlerweile gibt es auch schon ein Medikament, dass gegen alle Grippeviren wirkt und die Vermehrung des Virus ganz entscheidend hemmt. Zudem wird an einem Impfstoff gearbeitet. Damit ist man im Prinzip sehr bald einer sowieso schon sehr unwahrscheinlichen Epidemie unter Menschen gewachsen.
Andererseits ist es auffällig, dass letztes Jahr im Winter SARS und dieses Jahr im Winter die Vogelgrippe derart ausufernd um sich greifen. Die verschiedenen Horror-Szenarien, die seit einigen Jahren unter Virologen diskutiert werden, scheinen mit diesen beiden Epidemien von Jahr zu Jahr realistischer zu werden. Und noch etwas anderes zeigt diese Vogelgrippe auf erschreckende Weise. Die enorm schnelle Verbreitung des Vogelvirus lässt das Ausmaß erahnen, dass ein solcher Virus unter Menschen anrichten könnte. Hoffen wir, dass unsere Medizin den Viren und Bakterien immer einen Schritt voraus sein wird.