Staatsverschuldung
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 6. Mai 2010, 08:30 Uhr
ENL5454
die europäischen Aktienindizes sehen angeschlagen aus und befinden sich mitten in einer Korrektur, die auch noch deutlich tiefer gehen kann. Am meisten verlieren derzeit der bankenlastige EuroStoxx und die spekulativeren Indizes wie TecDAX oder MDAX. Hingegen stehen die amerikanischen Indizes noch weit besser da, auch wenn sich dort hinter den Kulissen erste Warnsignale für ein Rallye-Ende mehren.
Die Amerikaner haben ihre Staatspleite ja auch noch vor sich, von der sie mit dem Finger auf Europa zeigend so gern ablenken. Hier ist dieses Ereignis ja auch bereits Realität. Allmählich scheinen auch die europäischen Aktienmärkte eben diese Realitäten zu erkennen (schauen wir mal, für wie lange). Am Devisenmarkt wurden die besorgniserregenden Ereignisse um diverse europäische Schuldnerländer im Vorfeld eingepreist. Der Euro legte in den vergangenen Monaten bereits einen regelrechten Währungscrash hin und notiert mittlerweile bei nur noch 1,2750 zum Dollar. Der Aktienmarkt hat die Situation (zu) lange ignoriert und sich stattdessen auf positive Daten aus der Vergangenheit konzentriert. Rächt sich das jetzt? Wir werden sehen.
Eine Staatsanleihenkrise in den USA, wo die Verschuldungssituation wesentlich gravierender ist als in Griechenland, hätte dramatischere Auswirkungen auf die Weltwirtschaft als die Probleme einer im Weltmaßstab so unbedeutenden Volkswirtschaft wie in Griechenland. Die Zahlungsausfälle und der Nachfragerückgang wären sehr schwerwiegend. Abgesehen davon würde sich die Frage stellen, wer die USA dann retten soll und wie glaubwürdig eine solche Aktion dann wäre. Hoffen wir, dass die größte Volkswirtschaft der Welt ihr eigenes Schuldenproblem irgendwie in den Griff bekommt. Ich bleibe diesbezüglich allerdings etwas skeptisch.