Staatspleite
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 28. September 2011, 08:30 Uhr
ENL5454
morgen wird im Bundestag über die Einführung des erweiterten EU-Rettungsschirmes abgestimmt. Der Beschluss gilt bereits als sicher. In der Folge dürfte dann eine Staatspleite Griechenlands endlich auch offiziell eingeräumt werden. Ich rechne stark an diesem Wochenende damit. Dazu passen auch die gestrigen Gerüchte, dass selbst Kanzlerin Merkel eine Staatspleite nicht mehr ausschließt. In der nächsten Woche dürften dann wieder Banken gerettet werden müssen. Das Problem: Aus den bloßen Bürgschaften für das Land, „die uns ja gar nichts kosten", werden dann zunächst einmal deutsche Staatsschulden.
Und da gesellen sich zu den 2000 Milliarden die wir bereits haben, dann noch muntere 200 Milliarden obendrauf. Die Milliarden für die Stützung des deutschen Bankensektors nicht mitgerechnet. Dann dürfte es nicht mehr lange dauern, bis Deutschland sein AAA-Rating verliert und auf die eigenen Staatsschulden mehr Zinsen bezahlen muss. 2 Prozent sind bereits über 40 Milliarden Euro pro Jahr. Das wird nicht lustig...
Das nächste Problem: Zwar konnten die Griechen dann erst einmal ihre Staatsschulden auf uns übertragen, aber sie haben damit gleich wieder neue. Denn die griechische Wirtschaft schrumpft pro Quartal zwischen 5 und 8 Prozent. Jedes Wachstum wird durch die notwendigen Sparprogramme abgewürgt. Und natürlich durch die viel zu starke Währung. Ohne Austritt aus der Eurozone lässt sich das Problem wohl nicht lösen. Die ist aber politisch nicht gewollt.
Eine wirkliche Lösung des Problems ist also weiter nicht in Sicht. Lediglich eine Verlagerung und Verschärfung für die Zukunft. Aber wenigstens zahlt jemand für den Moment. Und vielleicht ist es das, was die Märkte gerade feiern. Mir ist in einer solchen Situation nicht gerade zum Mitjubeln.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Albert Karl (28.09. 2011 10:58 Uhr):
Danke für Ihren Bericht, der nochmals zusammenfasst und sensibilisiert. Aber die politische "Bussi-Gesellschaft" ist ja nicht der Meinung, dass die angebliche Rettung des Euro ein plumper Etikettenschwindel ist. Sie haben ja völlig Recht, wenn Sie uns nochmals aufzeigen, welch astronomisch hohe Geldsummen die versuchte Rettungsaktion bzw. das Euro-Abenteuer verschlingt. Ausserdem kostet sie noch viel mehr: Glaubwürdigkeit, weil Verträge und Zusagen gebrochen werden. Und sie kostet - wie wir alle wissen - Europa die Zukunft, weil es seinen wirtschaftlichen Halt verliert. Fakt ist doch, dass die Euro-Krise immer weitere Kreise zieht. Immer wieder sieht es so aus, dass die Politik einen Brandherd löschen kann. Doch dann flammt an einer anderen Stelle ein neuer Brandherd auf (Bankenstützung, auch wegen riesen Abschreibungsbedarf, Portugal, das erklärt hat, dass es im kommenden Jahr wohl zu einem Rückgang der Wirtschaftsleistung von 2,3 Prozent kommen könnte. Bislang lag die Schätzung dafür bei einem Minus von 1,8 %. Begründung: Abkühlung der Weltkonjunktur sowie auch noch die Sparauflagen der Kreditgeber IWF/EU). So wird das Feuer zwar an einer anderen Stelle eingedämmt, aber ein Ende des Feuers ist für mich nicht in Sicht. Dafür ist die Zahl der Brandherde einfach zu schon zu groß. Sie haben aber noch einen Kostenträger vergessen zu erwähnen: Die "eigentlichen" Schulden von Deutschland liegen mittlerweile nicht nur bei sage und schreibe 2 Billionen Euro, sondern viel höher, weil die Sozialversicherungsbeiträge allein für Beamte noch gar nicht einberechnet sind! MfG Albert Karl aus München.
Antworten - Kommentar von Theobald (28.09. 2011 11:01 Uhr):
Dazu kommen die schon verlorenen 380 Mrd. als "Target-Kredite" an die Südländer, wie Prof. Sinn am 26.9. im Interviewe mit Sabine Wolf, BR alph-Forum ausführte.
Antworten - Kommentar von Werner Bläser (28.09. 2011 11:34 Uhr):
"...wirkliche Lösung ...nicht in Sicht"(Voigt). D. Kühn: Shorties argumentieren, die Probleme seien "nicht gelöst, ...deswegen [muss] es weiter runtergehen. Klarer Denkfehler! So simpel ist Börse...nicht. Probleme=fallende Kurse, keine Probleme=steigende Kurse? Im Frühjahr 2009 war auch noch kein Problem gelöst und es begann eine fulminante Rallye über 2 Jahre." Schauen wir, wann der Markt nicht mehr auf schlechte News reagiert.
Antworten - Kommentar von Werner Richter (28.09. 2011 17:45 Uhr):
Keiner glaubt's, war jedoch schon immer so: "Bürger" kommt von "bürgen" und "wer bürgt wird gewürgt!" Wann traut sich endlich der "gesamte!!!" Berliner Reichstag, dies seinen "bürgenden Wählern" zu offenbaren?!?
Antworten - Kommentar von Meier (28.09. 2011 17:46 Uhr):
wer denkt eigentlich noch bei diesen schwindelerregenden Zahlen darüber nach, wie groß eigentlich eine Milliarde ist: nämlich 1000 Millionen !!!!!
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