Spread-Rolling III
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Derivate & Hebelprodukte
vom 16. Dezember 2009, 12:00 Uhr
ENL5454
Hallo liebe Leser,
ich freue mich außerordentlich Sie auch heute ein weiteres Mal zu den Optionsstrategien begrüßen zu dürfen. Nach wie vor beschäftigen wir uns mit dem Rolling von Spreads. Dies als Reaktion auf den Brief von Leser T.W. der die Überlegung aufgestellt hatte otm vertical Spreads mittels aktivem Gamma-Hedging abzusichern. Diese Überlegung und die Konsequenzen die sich daraus ergeben haben wir bereits ausführlich besprochen und beschäftigen uns nun - zum besseren Verständnis für alle Leser - mit der Strategie, welche Leser T.W. bislang zum Management seiner Positionen nutzt, eben dem Rolling der Spreads.
In der letzten Ausgabe vom vergangenen Freitag haben wir uns mit der Möglichkeit beschäftigt den Beispiel-Spread in Optionen mit längerer Laufzeit zu "rollen". In unserem Beispiel haben wir diesen Vorgang durchgeführt, als der Kurs unserer Beispiel-Aktie X auf den Short Strike bei 80 Euro gefallen war. Zudem hatte ich Ihnen eine weitere Möglichkeit zur Absicherung aufgezeigt: und zwar durch das zusätzliche Eingehen eines Bear Call Spread, neben dem Rolling des Bull Put Spread in Optionen mit längerer Laufzeit.
Fassen wir noch einmal zusammen:
Durch die Absicherung des Bull Put Spread mittels Bear Call Spread erhält der Trader natürlich - ähnlich wie beim Delta-Hedging des Bull Put Spread - eine ganz neue Position. Auch hierdurch wird der Trader im Grunde fast Delta-neutral. Es ergibt sich also, durch diese Strategie, die gleiche Erwartungshaltung, welche sich aus der Überlegung den Spread delta-neutral zu stellen, ergibt. Und damit eine gänzlich andere Erwartungshaltung, als zuvor. Während der Trader mit dem Bull Put Spread auf einen Anstieg von Aktie X hofft, erwartet der Trader bei dieser Strategie geringe Kursschwankungen, respektive eine Seitwärtsbewegung des Underlyings.
Wenn der Kurs von Aktie X bereits unter den Short Strike gefallen ist...
...dann macht - wie ich in der letzten Ausgabe schon schrieb - die Absicherung mittels Bear Call Spread noch mehr Sinn, sofern sich natürlich auch die Erwartungshaltung des Traders geändert hat.
Während durch das Schließen der Januar-Position (Aktie X bei 80 Euro) aus dem letzten Beispiel und durch das Eingehen der März-Position immerhin eine positive Nettodifferenz (ohne Berücksichtigung der Nettoprämie aus der Januar-Position) von 0,20 Euro ergibt, ist diese im Beispiel der Aktie unter 80 Euro deutlich geringer, so dass es hier durch das Rolling abzüglich der An- und Verkaufsspreads (die wir in unsere Beispiele nicht mit einbeziehen) auch zu einem Verlust kommen kann.
Sehen wir uns das Beispiel für ein Rolling an, wenn Aktie X bei 78 Euro notiert
1.
Rückkauf 80er Put auf Aktie X (Januar) zu 3,45 Euro
Verkauf 75er Put auf Aktie X (Januar) zu 1,05 Euro
2.
Verkauf 80er Put auf Aktie X (März) zu 4,20 Euro
Kauf 75er Put auf Aktie X (März) zu 1,75 Euro
Hier beträgt die positive Nettodifferenz nur noch 0,05 Euro.
Die Januar-Prämie mit eingerechnet hat unser Trader einen Nettoverlust in Höhe von 1,50 Euro durch das Schließen der Januar-Position zu tragen und nimmt eine Nettoprämie in Höhe von 2,45 Euro durch das Eingehen der März-Position ein. Doch diese Beispieldaten sind zum Einen ohne Zeitwertverfall berechnet und zudem sind auch die zusätzlichen Kosten (An- und Verkauf, Transaktion) nicht berücksichtigt.
Was bringt nun ein zusätzlicher Bear Call Spread an Nettoprämie ein?
Verkauf 80er Call auf Aktie X (März) zu 2,20 Euro
Kauf 85er Call auf Aktie X (März) zu 0,85 Euro
Hieraus ergibt sich eine Nettoprämie in Höhe von 1,35 Euro!
Hiermit ist der Trader abgesichert und es ergibt sich in jedem Fall eine positive Differenz auch nach dem Rollen.
Natürlich könnte der Trader auch einfach seine Januar-Position mittels Bear Call Spread absichern und auf das Rolling ganz verzichten - die entsprechende Änderung in der Erwartungshaltung vorausgesetzt. Auch hier ergibt sich dann im Grunde eine ähnliche delta-neutrale Position wie beim Absichern mittels Delta/Gamma-Hedging.
Dies werden wir uns in der kommenden Ausgabe ansehen, ebenso wie ein anschauliches Auszahlungsdiagramm für diese und die heute vorgestellte Strategie. In den darauf folgenden Ausgaben werden wir dann noch auf das Rolling in tiefere Strikes eingehen und die Kombination aus beiden Rollmöglichkeiten.
Damit verabschiede ich mich für heute und wünsche Ihnen noch einen erfolgreichen Tag. Bis nächsten Freitag...
Liebe Grüße
Ihre Miriam Kraus