Spekulationsblasen oder: Immer schön der Reihe nach
J. Christoph Amberger in Baltimore in Traders Daily
vom 30. Juni 2006 12:00 Uhr
ENL5462
In einem Interview hatte ich zuletzt die Möglichkeit über eine seltsame Reihe von Spekulationsblasen zu sprechen, die bislang in diesem Jahr geplatzt sind.
Anfangs erlebten wir weiterhin, wie sich der spekulative Schaum auflöste, der sich auf dem Immobilienmarkt gebildet hatte, wobei die Spekulanten und Haustauscher ein Auge auf den Anstieg der Kosten haben. (Dank der Ermangelung einer effizienten Clearingstelle für Immobilien – genauso wie am Aktienmarkt – gehe ich nicht davon aus, dass wir hier ein echtes „Platzen“ der Blase erleben werden… sie wird eher langsam an Luft verlieren.)
Dann erfährt auch der Carry-Trade Einschränkungen durch die Androhung Japans, die Zinssätze und Kreditkosten anzuheben. Deswegen konnte man beobachten, wie Spekulanten auf die isländische Krone (einer Carry-Trade Währung erster Güte, wenn man die gewaltigen Zinssätze bedenkt) einiges einstecken mussten. Plötzlich fangen die Risiken der Währungen an, gegenüber den möglichen Gewinnen zu überwiegen, ganz besonders in Anbetracht möglicher Anstiege auf der Kostenseite.
Danach brachen die Emerging Markets – die sich in manchen Fällen in den letzten Jahren verdoppelt hatten - ein und fraßen sich in das spekulative Kapital.
Danach kam die Blase bei Gold und bei den Edelmetallen – letzten Endes verräterische sichere Häfen – und sie verloren in weniger als einem Monat mehr als 25% ihres Wertes.
Das weltweite Kapital ähnelt Wasser in vielerlei Hinsicht. Es sucht sich auf dem Weg zu maximalen Gewinnen den Weg mit dem geringsten Widerstand. (Vermutlich spricht man deswegen auch von Liquidität).
Es braucht nicht viel, um diese Liquidität aus bestimmten Vermögenswerten zu verscheuchen. Aber meiner eigenen Theorie zufolge muss sich das Geld dann einen anderen Vermögenswert suchen, der nur geringe Risiken birgt, aber Erträge bringt, die die Inflation und die Schatzanleihen übertreffen.
(Das passierte nach 2000, als das Geld anfing, aus den Technologieaktien unter anderen auch in die Immobilien zu fließen.)
Wenn Blasen am Finanzmarkt ein Geräusch machen würden, dann würde man es in diesem Jahr überall hören.
Wohin wird sich die losgelassene Liquidität jetzt wenden?
Sie brauchen sich nicht um mich zu kümmern, aber ich wette Dollar gegen Donuts, dass ein ganz ansehnlicher Anteil sich wieder in Richtung eines Vermögenswertes aufmachen wird, dessen Performance abgesehen von den steinharten Grundlagen langweilig war – zu den amerikanischen Blue Chips der Börse.
Blasen sind natürlich – ganz egal in welcher Vermögenswertklasse – eine hervorragende Möglichkeit, um Geld zu machen. D.h. wenn Sie im Hinterkopf behalten, dass die einzigen Gewinne die man hat, die sind, die man fest in der Tasche hat.
Aber wie kann man wissen, ob eine Blase kurz davor steht, zu platzen? Wie kann man sicher gehen, dass man gerade noch rechtzeitig aussteigt?
Tatsächlich muss man das gar nicht. Ich glaube, an den heutigen Märkten kann jeder vom Kuchen abbekommen und sein Stück auch noch genießen.
Im vergangenen Jahr habe ich das mit einem „House Hedge“ beweisen können, der sich für alle Fälle gewappnet hatte und der so etwas war wie eine Versicherung war, die man gegen einen Zusammenbruch des Immobilienmarktes kaufen konnte. Die ursprüngliche Empfehlung lautete, Put-Optionen auf den HGX Indes zu kaufen. Das ist ein Korb mit Aktien der 21 wichtigsten Wohnungsbaufirmen im Land. Ganz besonders empfahl ich damals die HGX März 540 Puts (HGX OH) am 3. Oktober für 34,40 Dollar als Verteidigung gegen negativen Druck auf den amerikanischen Immobilienmarkt. Am 11. Oktober habe ich dann empfohlen, die Hälfte dieser Positionen für 63,60 Dollar zu verkaufen und einen Gewinn von 85% zu sichern. Auch die nächsten Empfehlungen in diesem Zusammenhang brachten Gewinne ein.
Basierend auf diesem Erfolg, probiere ich heute das Gleiche bei Gold.
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