Spekulationsblasen-Müdigkeit
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 03. Juni 2004 18:00 Uhr
ENL5462
Die jüngsten Zahlen zur amerikanischen Geldmengenentwicklung zeigen, dass sich eine neue Spekulationsblase aufbaut; die Geldmenge M3 wächst mit einer atemberaubenden Jahresrate von 20 %. In den letzten 4 Wochen ist die Geldmenge M3 um 155 Milliarden Dollar gestiegen. Wenn das in dem Tempo weitergehen würde, dann hätte sich die amerikanische Geldmenge in einem Jahr um 2 Billionen Dollar erhöht – das ist ein Betrag, der grob einem Fünftel des nationalen Outputs entspricht.
Aber wie lange kann das weitergehen?
Sie werden sich erinnern, liebe(r) Leser(in), dass Alan Greenspan einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hat ... und George W. Bush hat einen Pakt mit Alan Greenspan geschlossen. Sie werden beide tun, was sie können, um die Spekulationsblase weiter wachsen zu lassen – zumindest bis zur Wahl. Und jetzt, wo der Krieg im Irak so läuft, wie man es hätte erwarten können, ist die Wirtschaftslage in den USA wichtiger als je zuvor geworden. Denn wenn am Wahltag die Lage an beiden Fronten schlecht ist, dann wird es auch für Amerikas Spekulationsblasen Präsidenten schlecht aussehen.
Aber ich habe langsam genug von Spekulationsblasen. Sie scheinen zu expandieren ... und zu expandieren ... und immer weiter zu expandieren. Jedes Mal, wenn ich erwarte, dass sie schrumpfen, werden sie noch größer.
"Du wirst nicht glauben, was am US-Immobilienmarkt passiert – sogar hier in Baltimore", sagte mir vorgestern ein Freund. "In Deiner alten Nachbarschaft ist vor kurzem ein Haus für über 300.000 Dollar verkauft worden. Das ist unglaublich."
Wirklich unglaublich. Vor ein paar Jahren konnten in vielen Teilen von Baltimore Häuser einfach nicht verkauft werden. Ernsthaft. Der Bürgermeister hat es versucht. Er hat versucht, Hunderte von verlassenen Häusern für jeweils 1 Dollar zu verkaufen. Viele fanden keinen Käufer.
Die Bedingung war, dass man zustimmen musste, dort einzuziehen. Aber jetzt genießt sogar Baltimore – das seit den 1920ern einen Immobilien-Bärenmarkt erlebte – die Spekulationsblasen-Welt des frühen 21. Jahrhunderts. Die Leute wollen jetzt nicht nur mitten in der Stadt leben; sie wollen dafür auch viel zahlen. "In Hampden (einer heruntergekommenen Gegend mit kleinen Häusern, die im letzten Jahrhundert für Arbeiter gebaut worden waren) werden Häuser für 150.000 Dollar verkauft", so mein Freund weiter.
Spekulationsblasen links, Spekulationsblasen rechts, Spekulationsblasen vor uns ... wie lange wird es noch dauern, bis eine von denen platzen wird? Das Warten ist mir langweilig geworden. Haushaltsdefizite, Handelsbilanzdefizite, Konsumentenschulden – die Trends, von denen ich dachte, sie würden kaum noch einen Tag dauern, scheinen fast ewig zu sein. Bei mir zeigt sich eine Art von "Spekulationsblasen-Müdigkeit". Wir leben wie die Einwohner am Fuße des Vesuvs. Wir ignorieren den Rauch und die Asche und gehen unseren Geschäften nach ... und vergessen, dass der Vulkan jede Minute explodieren könnte. "Es gibt drei Regeln für Spekulationsblasen", schreibt Jim Jubak.
Regel Nummer 1: Sie dauern viel länger, als man erwartet.
Regel Nummer 2: Sie expandieren gegen Ende des Zyklus schneller ... also wenn man denkt, dass sie schon lange vorbei sein sollten, dann scheinen sie robuster als zuvor zu sein.
Regel Nummer 3: Niemand will es zugeben, wenn sie wirklich vorbei sind.
Jubak weiter: "Ich bin mir allerdings sicher, dass jetzt nicht die Zeit für die Investoren ist, ihre Wachsamkeit aufzugeben. Diese Spekulationsblase wird wahrscheinlich nicht so platzen, wie wir es bei der Spekulationsblase am Aktienmarkt des Jahres 2000 gesehen hatten. Aber es ist noch unwahrscheinlicher, dass sie sanft und schmerzlos schrumpfen wird."
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