Spekulationen auf China-Abkühlungsmaßnahmen belasten Metalle
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 12. März 2010, 20:00 Uhr
ENL5462
In der vergangenen Woche haben die Aktienmärkte durchgehend zugelegt. Der DAX schloss die Woche mit einem Plus von 1,7%, gegenüber der Vorwoche. Der Nikkei legte im Wochenvergleich um rund 3,8% zu. Der Shanghai Composite Index schloss mit einem Plus von 0,7% im Vergleich zur Vorwoche. Und der Dow Jones notiert aktuell mit + 0,8% im Wochenvergleich.
Wirtschaftsdaten Deutschland und USA
Wie das Bundeswirtschaftsministerium bekannt gab, ist die Produktion im Produzierenden Gewerbe , nach vorläufigen Berechnungen, im Januar um 0,6% gestiegen gegenüber dem Vormonat. Das Statistische Bundesamt gab bekannt, dass sich die Inflationsrate im Februar um 0,2 Prozentpunkte auf 0,6% abgeschwächt habe. Zudem wurde ein Anstieg beim deutschen Außenhandelsüberschuss für Januar in Höhe von 8 Milliarden Euro verzeichnet.
Aus den USA wurde ein Rückgang der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe um 6.000 auf 462.000 gemeldet. Dagegen ist die Zahl der Arbeitslosengeldempfänger um 37.000 auf 4,56 Millionen gestiegen. Das US-Handelsbilanzdefizit hat sich im Januar leicht von 39,9 auf 37,2 Milliarden US-Dollar verringert. Hierbei wurde ein Rückgang der Exporte um 0,3% und ein wesentlich stärkerer Rückgang der Importe um 1,7% ausgewiesen. Zudem wurde ein Anstieg der Anträge auf Hypotheken-Zwangsvollstreckungen für Februar in Höhe von 6% gegenüber der Vorjahresperiode ausgewiesen. Dagegen teilte das US-Handelsministerium mit, dass sich die Einzelhandelsumsätze im Februar überraschend um 0,3% erhöht haben. Erwartet worden war ein Rückgang um 0,2%.
Griechenland tritt in den Hintergrund
Das Griechenland-Thema scheint den Markt schon wieder zu langweilen und andere Faktoren treten verstärkt in den Fokus der Marktteilnehmer.
Nachdem Griechenland in der vergangenen Woche eine relativ erfolgreiche Platzierung seiner 10-jährigen Bonds vornehmen konnte, hat sich das Stimmungsumfeld wieder verbessert. Am Mittwoch gab sogar der frühere EU-Kommissions-Präsident Romano Prodi in einem Interview in Shanghai an, er glaube die Probleme Griechenlands seien mittlerweile vom Tisch. Auch anderswo sieht er keine Probleme und glaubt nicht, dass das Euro-System Gefahr liefe zu kollabieren. Nun ja, dass Griechenland zwar einen enorm hohen Preis für die Ausgabe seiner Staatsanleihen bezahlen muss und damit noch weit entfernt von einer normalen Kreditaufnahme ist, scheint aktuell wenigstens keinen mehr zu interessieren.
Dagegen unterstützen wenigstens chinesische Daten die gute Stimmung
Wie die chinesischen Zollbehörden berichten, sind die Exporte um 45,7 % gestiegen, gegenüber dem Vorjahr. Das entspricht dem dritten monatlichen Anstieg in Folge und ist der stärkste Anstieg seit Februar 2007. Analysten hatten zuvor nur einen Anstieg in Höhe von 38,3% erwartet.
Ausweitung der lockeren Geldpolitik in Japan
Die Bank of Japan wird nächste Woche ein Meeting abhalten. Die Nikkei-Zeitung geht in ihrem heutigen Bericht davon aus, dass die Notenbanker sich wahrscheinlich auf eine Ausweitung der im Dezember festgelegten Kreditlinie für die Geschäftsbanken auf das Doppelte bei 20 Billionen Yen fokussieren werden.Damit trifft die Nikkei-Zeitung durchaus den Nerv der Marktteilnehmer. Doch neben der möglichen Ausweitung der Kreditlinie für Geschäftsbanken, gibt es auch wieder Kommentare von Seiten der Offiziellen in Bezug auf die Favorisierung eines schwächeren Yen.
Während Finanzminister Kan angab, man werde den Markt prinzipiell agieren lassen, so lange die Bewegungen stabil sind, sprach Premier Hatoyama in Tokio deutlichere Worte. Falls nötig, so Hatoyama, könne die Regierung durchaus angemessene Maßnahmen in Bezug auf den Yen durchführen. Notenbanker Shirakawa fügte an, die Zentralbank werde den Leitzins weiterhin auf Niedrig-Niveau belassen um die Nachfrage zu unterstützen.
Morgan Stanley- Analysten, die mit Hilfe eines mathematischen Modells Wahrscheinlichkeiten berechnen, gehen davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit für eine FX-Intervention der Bank of Japan (zum gezielten Yen-Abverkauf gegenüber anderen Währungen) auf 47% gestiegen ist - der höchste Wert seit 2004.
EUR/USD erholt sich
Angesichts der wieder vorherrschende Stimmungsverbesserung konnte sich auch EUR/USD in dieser Woche wieder langsam stabilisieren und stieg von 1,3550 am Dienstag bis auf 1,3795 heute im Hoch. Aktuell notiert das Währungspaar bei 1,3756.
Rohstoffe Wochenrückblick: Energie und Metalle
Energie
Wie erwartet war auch in dieser Woche die 80 US-Dollar-Marke für die Ölpreis bezeichnend. Aufgrund der positiven Stimmung vermochte es WTI dennoch von knapp über 80 US-Dollar am Mittwoch, kurzfristig auf über 83 US-Dollar am Freitag zu steigen. Dann allerdings gab der Preis entlang der EUR/USD-Notierung in kurzer Zeit wieder rund 2 US-Dollar ab.
Teilweise unterstützende Neuigkeiten kommen von Seiten der Internationalen Energieagentur. Die IEA hat ihre Prognose für die weltweite Ölnachfrage um 70.000 Barrel nach oben korrigiert und erwartet ein Nachfragewachstum in Höhe von 1,6 Millionen Barrel pro Tag in 2010. Die IEA geht dabei ausschließlich von einem Nachfragewachstum in den Emerging Markets aus. Für die OECD-Staaten hat die Agentur ihre Nachfrageprognose um 120.000 Barrel pro Tag gesenkt.
WTI zur Lieferung im April notiert aktuell bei 81,22 US-Dollar pro Barrel an der NYMEX.
Brent Crude zur Lieferung im April notiert aktuell bei 79,34 US-Dollar pro Barrel an der ICE Futures Exchange in London.
Metalle
Edelmetalle
Die Goldpreise haben in dieser Woche leicht abgegeben, halten sich aber stabil über der 1.100 USD und 800 Euro Marke!
Zur Wochenmitte hin handelte der Goldpreis in USD über 1.125 USD pro Unze - unterstützt durch die positive Konjunkturstimmung, musste dann allerdings abgeben bis auf 1.105 USD pro Unze. Belastend wirken sich im Zusammenhang mit den Goldpreisen u.a. auch Spekulationen in Bezug auf eine Zinsanhebung in China aus. Das Land hatte für Februar einen Inflationsanstieg um 2,7% bekannt gegeben. Am Freitag handelte der Goldpreis in USD, entlang der EUR/USD Entwicklung, kurzzeitig wieder knapp unter 1.120 US-Dollar pro Unze und fiel dann, ebenfalls entlang der EUR/USD-Entwicklung, zurück auf 1.100 USD pro Unze.
Aktuell notiert der Goldpreis in USD bei 1.101,90 US-Dollar pro Feinunze in New York. Der London Gold Fix PM wurde heute bei 1.106,25 US-Dollar pro Feinunze festgesetzt.
Der Goldpreis in Euro gab in dieser Woche aufgrund der graduellen Stabilisierung der Einheitswährung ab und notiert aktuell bei 801,40 Euro pro Feinunze.
Basismetalle
Die Industriemetallpreise warteten in dieser Woche allgemein eher mit einer leichten Seitwärtstendenz auf, nachdem in der letzten Woche das Erdbeben in Chile und in dieser Woche ein schweres Nachbeben kurzfristige Unterstützung bieten konnten.
Dabei bleibt die fundamentale Ausgangslage nach wie vor bestehen: hohe Metallbestände und vielerorts wird die Produktion ausgeweitet.
Ein weiterer wichtiger Faktor bleibt nach wie vor China. Auch hier belasten Spekulationen auf die Einführung von Maßnahmen zur Konjunkturabkühlung. Hierzu tragen auch die Aussagen des chinesischen Industrieministers bei, der davon ausgeht, dass sich das Konjunkturprogramm bald seinem Ende nähern sollte.
Konjunkturmetall Kupfer notiert aktuell bei 3,36 US-Dollar pro Pfund an der COMEX.
ähnliche Beiträge:
- China bildet Monopol für die Produktion von "Seltenen Erden"-Metallen
- China macht seltene Metalle noch seltener
- Rohstoffe Wochenrückblick: Energie und Metalle
- VW mit Währungsproblemen in China
- Rohstoffe Wochenrückblick: Energie und Metalle
- Apple: Spekulationen um Jobs belasten Tech-Wert erneut
- Interview zum Thema "strategische Metalle"
- QE2-Spekulationen
- EZB senkt Leitzins um 50 Basispunkte
Artikel weiterempfehlen