Spekulation gegen Soros
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 21. Mai 2003 18:00 Uhr
ENL5454
Ich habe mit einem Schmunzeln die Reaktionen der amerikanischen Regierung auf die Aussage von George Soros, (einstiger) Guru der internationalen Finanzmärkte gelesen. Soros hatte verkündet, dass er seine Dollarpositionen zu Gunsten anderer Währungen wie zum Beispiel den Euro verkauft habe. Zudem sagte er, gehe er nach der Aussage von Finanzminister Snow von einem weiter fallenden Dollar aus.
Soros war bekannt geworden, nach dem er erfolgreich gegen mehrere Währungen spekuliert hatte. So löste er zum Beispiel 1997 mit seiner Wette gegen den malaysischen Ringgit die Asienkrise aus. Kein Wunder, dass der amerikanischen Regierung nach dieser Aussage Angst und Bange wurde und sie plötzlich wieder einhellig für einen starken Dollar plädierten. Doch auch der alte Löwe Soros hat in den letzten drei Jahren seine Zähne verloren. Jüngst verabschiedete er sich von den hoch riskanten Investitionsstrategien. Hintergrund: seine Fonds der Soros Fund Management Group haben dieses Jahr bereits drastische Verluste hinnehmen müssen.
Kein Wunder, wie ich bereits mehrfach hier geschrieben habe: Viele der alten Börsenregeln, die gerade in der Hausse Geltung hatten, sind zurzeit nicht mehr zu gebrauchen. Gerade die alten Gurus der amerikanischen Börsen haben dies jedoch wahrscheinlich zu spät begriffen. Ein Generationenwechsel steht an – die Baisse fordert ihre Opfer. In solcher Zeit wird auch ein Soros nicht mehr die Stimmgewalt habe wie zuvor.
Und deswegen bin ich heute morgen gegen die Stimme von Soros short (wie vorher bereits angekündigt) in den Euro gegangen. Auch wenn mich einige meiner Kollegen für etwas verrückt halten. Wenn Sie etwas länger an der Börse sein sollten, können Sie sich vorstellen, wie viel Freude dieser Trade mir macht. Selbst wenn er nach hinten losgehen sollte! Wenn er gut geht, dann natürlich doppelt. Gerade bin ich schon leicht im Plus. Aber es ist natürlich nur eine sehr kleine und gefährliche Position (die zudem durch die Langfristposition Euro-Call abgesichert ist).