Spekulant Hillary Clinton
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 19. November 2007 20:45 Uhr
ENL5462
Liebe Leser,
heute möchte ich einmal einen Blick in die Vergangenheit wagen und mit Ihnen zusammen eine alte Geschichte wieder aufrollen.
Die Geschichte spielt in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts und die Hauptperson dieser Geschichte ist niemand anderes als die Anwärterin auf das US-Präsidentschaftsamt Hillary Rodham Clinton.
In den 70er Jahren brachte das Ende des Bretton Wood Systems viel Unsicherheit in die Märkte. Der US-Dollar fiel, die Rohstoffe stiegen, ebenso wie die Inflation und die Aktienmärkte erholten sich eine ganze Zeitlang nicht mehr.
Und ausgerechnet in dieser Zeit verhundertfachte Hillary Clinton ihr eingesetztes Kapital von 1.000 US-Dollar durch die Spekulation auf Rindfleischkontrakte innerhalb von zehn Monaten.
Gegenwärtig befindet sich der Markt wieder in einer Phase der Unsicherheit. Die Auswirkungen der US-Hypothekenkrise führen zu steigendem Inflationsrisiko, Aktienmarktkorrekturen und steigenden Rohstoffpreisen.
Da macht es Sinn sich mit dieser alten Geschichte einmal näher zu beschäftigen und herauszufinden, was tatsächlich dahinter steckt, ob hier auch alles mit rechten Dingen zugegangen ist und derartige Gewinne wiederholbar sind.
Das Jahr 1978
Als Frau Clinton den Markt im Oktober 1978 betrat lagen die Preise bereits bei rund 0,60 US-Dollar je Pfund. Sie ging mit dem absoluten Minimum des geforderten Einschusses in den Markt (1000 US-Dollar) und riskierte gleich in ihrem ersten Trade den Gegenwert von 12 Kontrakten.
Das ist laut Börsenregeln nicht gestattet.
Zu Spitzenzeiten riskierte Sie dabei den Gegenwert von bis zu 3 Millionen US-Dollar. Das bedeutet, dass Frau Clinton mit 100.000 US-Dollar über 100 Rindfleischkontrakte gehandelt haben muss. Ein Kontrakt entspricht bei einem Preis von 0,60 USD/Pfund dem Gegenwert von 24.000 US-Dollar. (3.000.000 US-Dollar / 24.000 US-Dollar = 125 Kontrakte)
Wie kommt man an diesen Hebel
Dass Frau Clinton solche Geschäfte also unkontrolliert eingegangen ist scheint aufgrund der langen Trading-Historie (10 Monate) eher unwahrscheinlich. Die Handelsaktivitäten von Frau Clinton wurden deshalb immer wieder untersucht. Tatsächlich fand man heraus, dass man bei ihrem damaligen Broker (Refco - der übrigens inzwischen in die Pleite ging) sich teilweise nicht an die geforderten Margenanforderungen der Börse gehalten hat. Frau Clinton hat also mit weniger als dem geforderten Kapital eine große Menge an Kontrakten gehandelt. Refco wurde in den Folgejahren dafür sogar von der Börsenaufsicht bestraft.
Das Ende der Geschichte
Was man nie herausfinden konnte ist, ob die Trades von Frau Clinton tatsächlich im Vorhinein durchgeführt wurden oder ob die Gewinn- und Verlusttrades, was bei einigen Brokern lange Zeit üblich war, im Nachhinein verteilt wurden. Dies wäre dann so abgelaufen, dass Kundenaufträge (Käufe und Verkäufe) als Sammelaufträge an die Börse gegeben wurden und nach Börsenschluss auf die einzelnen Konten verteilt wurden.
Schlussendlich hört sich die Geschichte von den riesigen Tradinggewinnen von Frau Clinton sehr schön für einen Spekulanten an. In der Realität ist das ganze jedoch wesentlich schwieriger umzusetzen und es gab in diesem Falle doch einige Fragezeichen und Ungereimtheiten zu melden.
Rein statistisch gesehen entspricht es einer Wahrscheinlichkeit von rund 1:250 Millionen, dass man seinen Einsatz an den Rohstoffbörsen in so kurzer Zeit verhundertfachen kann.
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