Spektakuläre Prognosen
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 30. September 2010, 08:30 Uhr
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es ist so gut wie amtlich: Heute ist der letzte Handelstag im Monat September. Wenn es heute nicht mehr zu starken Verkäufen kommt (und schon da kommen mir beim aktuellen Blick auf die Kurstafel erste Zweifel), haben wir den stärksten September seit 1939 (!) am Aktienmarkt gesehen. Traditionelle Korrekturmonate sind also auch nicht mehr das, was sie mal waren. Aber heißt das, dass der Oktober ebenfalls stark wird? Oder das restliche Jahr? Oder die Jahre danach? Nein. Aus einem starken September lassen sich keinerlei seriöse Rückschlüsse auf den Folgemonat oder die Zeit danach ziehen. Ich weis nur, dass ein sehr schwacher Oktober charttechnisch hervorragend zu meinen Mustern im Monatschart und auch zu denen im Tageschart (siehe unten) passen würde. Das heißt zwar noch nicht, dass es auch so kommen wird. Aber es bietet einen Ansatzpunkt für eine sehr vielversprechende Strategie.
Andere Analysten lassen sich dagegen scheinbar gern auf „knackige“ langfristige Kursziele für den Aktienmarkt festlegen. Hier eine Auswahl aus den letzten Tagen:
Jeffrey A. Hirsch, der Chefredakteur von Stock Trader’s Almanac, prognostiziert für den Dow Jones Index einen Anstieg auf 38.820 Punkte bis zum Jahr 2025. Dabei geht er von einem acht Jahre anhaltenden „Super Boom“ aus, der im Jahre 2017 beginnen soll.
Robert Prechter, Chefanalyst von Elliott Wave International, geht davon aus, dass der Aktienmarkt bezogen auf Gewinne und Dividenden als historisch überbewertet einzustufen ist und dass der Dow Jones in den nächsten Jahren auf 1000 Punkte fallen wird.
Crash-Prophet Marc Faber schließt sich den düsteren Prognosen Prechters an. Er geht davon aus, dass eine Manie auf ihr Ende entgegensteuert. Es gebe die Tendenz, dass Vermögenspreise auf ihre Niveaus zurückfallen, von wo die Übertriebenheit ihren Anfang genommen hat. Daher wäre für den Dow Jones ein Rückfall auf 1000 Punkte nicht auszuschließen.
Der Milliardär und Chef der Investmentgesellschaft Fisher Inc., Ken Fisher, geht davon aus, dass die nächste Dekade ebenso gut für Investoren sein wird wie die 90er Jahre, als der Dow Jones sich verzehnfachte.
Würfeln Sie nun Ihre eigenen Kursziele, würde ich jetzt am liebsten sagen. Ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass es sich bei allen vier Analysten um seriöse Vertreter ihrer Zunft handelt, die in der Vergangenheit des öfteren spektakuläre „Treffer“ landen konnten. Da die Kursziele aber sehr weit auseinander liegen, wird die Hälfte von ihnen diesmal zwangsläufig falsch liegen müssen.
Die Frage, die sich für mich stellt, ist allerdings: Welchen Sinn machen solche langfristigen Kursziele überhaupt, wenn schlichtweg niemand sicher voraussagen kann, wie wir diese erreichen (vom „ob“ einmal ganz zu schweigen). Was nützt Ihnen ein Bullenmarkt ab 2017, wenn ein Großteil Ihrer Aktien im Depot bis dahin vom Kurszettel verschwunden ist? Ich denke, es ist grundsätzlich der profitablere Weg, sich auf die nächsten Monate und evt. das nächste Jahr mit seinen Anlageentscheidungen zu konzentrieren, da dieser Zeitraum noch einigermaßen sicher prognostiziert und in eine gewinnbringende Strategie umgesetzt werden kann. Und so halten wir es auch in meinem Börsendienst DAX Profits (siehe Link unten). Der Oktober dürfte übrigens sehr vielversprechend (da volatil) werden.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Matthias Wiltzsch (30.09. 2010 10:22 Uhr):
Hallo Herr Voigt! "Auf der weltweit wichtigsten Tagung für Volkswirte in Atlanta haben selbstkritische Ökonomen eine Runderneuerung ihres Fachs gefordert. Nicht ohne Grund: Kaum ein Ökonom hat die Krise kommen sehen, und die gängigen Modelle können das Geschehen weder abbilden noch erklären." (Auszug aus dem "Handelsblatt") Warum also sollte es den Analysten und sonstigen "Experten" anders ergehen? Also dann viel Spaß beim Spekulieren, denn auf die wenigen, die schon vor der Krise aufgewacht sind, hört ja kaum jemand! Mit freundlichen Grüßen M.Wiltzsch
Antworten - Kommentar von Strobel (30.09. 2010 10:34 Uhr):
Natürlich dienen solche Aussagen nur der Verdummung der Massen. Die Einschätzung von 1000 Punkten ist wohl realistischer, denn bevor es zu einem derartig dramatischen Anstieg kommen kann, muß erst die $-Blase bereinigt werden und ob da 1000 P für den Dow tief genug sind, muß sich erst noch erweisen. Jede Kursentwicklung inach oben ist bewußt gesteuert, um sich noch die letzten Geldreserven des kleinen Mannes aus der Tasche zu holen. Selbsrt wenn damit auch eine kleinere Wirtschaftserholung verbunden sein sollte, führt kein Weg am Platzen der $-Blase vorbei. MfG
Antworten - Kommentar von Dietrich (01.10. 2010 07:34 Uhr):
Die derzeitige Politik der FED zielt darauf, dass es zu beiden Extremen kommt und damit alle Recht haben: Nominal 38000 und mehr, faktischer Wert unter demjenigen der heutigen 1000.
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