Sparplan für Optionsscheine? Autsch!
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Derivate & Hebelprodukte
vom 3. Mai 2011, 12:00 Uhr
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Am Wochenende traf ich mich mit einem alten Freund, wir kennen uns aus Schulzeiten. Und es kam das Gespräch auf einen Zeitgenossen, mit dem wir beide zur Schule gegangen waren.
Einen Sterblichen der Art "große Klappe - nichts dahinter". Den hatte ich noch einmal getroffen. Sobald er - seinen Namen möchte ich nicht nennen, um den "Unschuldigen" zu schützen - hörte, dass ich in der Trader´s Daily-Gemeinde tätig bin, legte er los. Ah, natürlich kenne auch er sich sehr gut mit Optionsscheinen und Zertifikaten aus. So habe er gerade im Bereich EUR/USD mit einem Turbo-Schein den Anstieg des Euros voll mitgemacht. Das hätte ihm schnelle 100 % Gewinn eingebracht.
Ich war beeindruckt. Hatte ich diesen Zeitgenossen falsch eingeschätzt? Oder handelte es sich um eine übertriebene oder erfundene Geschichte? Frei nach dem (abgewandelten) Bismarck-Zitat...siehe unten....
Ich hakte nach....mit was für einem Turbo hatte er auf den Anstieg gesetzt, wie war er darauf gekommen....
Er nannte einen Schein. Ich fragte ihn, ob er mit Stopp gearbeitet habe....angesichts des hohen Hebels hatte der Schein eine recht nah liegende Knock-Out Barriere. Seine Antwort:
"Was, die können verfallen? Ach, ich habe doch eh mit Gewinn verkauft."
Autsch.
Meine Frage: "Machst Du öfter solche Trades?"
Seine Antwort: "Ich habe mir überlegt, jetzt einen Sparplan für Optionsscheine oder Turbo-Scheine anzulegen. Dann kauft man immer mehr, wenn die günstiger sind."
Nochmal autsch. Gerade bei Optionsscheinen - die unter kontinuierlichem Zeitwertverlust leiden - ist ein langfristiger Sparplan völlig ungeeignet.
Das Gesprächsthema ging dann eher wieder gemeinsame Schulzeit, und wenig später zog ich weiter.
Und die Moral von der Geschicht? Kaufen Sie
a) niemals Scheine, deren Funktionsweise Sie nicht verstehen
b) Optionsscheine nicht nach, nur weil diese "billiger" geworden sind. Ein niedrigerer Kurs bedeutet nicht gleichzeitig ein geringeres Risiko oder eine bessere Bewertung. Optionsscheine fallen wegen des kontinuierlichen Zeitwertverlustes auch dann, wenn sich der Kurs des Basiswertes überhaupt nicht verändert! (Profis sprechen hier vom "Theta", dem Zeitwertverlust).
Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Woche!
Ihr
Michael Vaupel
Diplom-Volkswirt / M.A.
Chefredakteur Trader´s Daily
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